
Synode 2026: Ruschke und Brendel zum Dekan und Vizedekan der ELKI gewählt
Ruschke und Brendel zum Dekan und Vizedekan der ELKI gewählt: neue Führung für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien.
Zwei Pastoren, eine Berufung
Im Rahmen der dritten Sitzung der 24. Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien nimmt die Versammlung den Akt vor, der den Amtswechsel markiert: die Wahl des neuen Dekans und des neuen Vizedekans.
Nach der Vorstellung der Kandidaten und einer kurzen Diskussion wählte die Synode Johannes Michael Ruschke, Pfarrer der Gemeinde Venedig, zum Dekan der ELKI und Tobias Brendel, Pfarrer der Gemeinde Turin, zum Vizedekan.

Zwei unterschiedliche Persönlichkeiten, die von derselben Überzeugung geprägt sind: dass die Seelsorge kein Beruf ist, sondern eine Berufung, und dass die ELKI eine Führung braucht, die mit den Gemeinden geht und nicht vor ihnen her.

Ruschke: Jeder Ort ist ein weiter Raum für die Liebe Gottes
Johannes Michael Ruschke ist 45 Jahre alt, stammt aus Westfalen und verfügt über einen theologischen und pastoralen Erfahrungsschatz von seltener Tiefe.
Er studierte evangelische Theologie in Bethel, Tübingen und Berlin und lernte Italien bereits 2007 während eines sechsmonatigen Praktikums in der lutherischen Gemeinde auf Sizilien kennen.
Nach seiner Promotion in Münster über die Politik der religiösen Toleranz im 17. Jahrhundert – mit einer Dissertation über Paul Gerhardt, die mit der Note „summa cum laude“ ausgezeichnet wurde – war er zehn Jahre lang als Pfarrer in Dortmund tätig und wirkte in den Prüfungs-, Auswahl- und Fortbildungskommissionen der Evangelischen Kirche von Westfalen mit.
Seit Februar 2024 leitet er die Gemeinde in Venedig und ist seit 2025 für die Ausbildung der Prädikanten in der ELKI zuständig. Er kam mit seiner Frau Sarah und seinen vier Kindern Paul, Lukas, Anna und Juli nach Italien.
Ein Vers aus Psalm 31 begleitet seine Kandidatur: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“. Und die Begründung für die Synode ist direkt und ohne Umschweife: „Ich kandidiere, weil mir die ELKI am Herzen liegt. Ich kandidiere als Dekan, um jene Kirche, die ich als meine eigene empfinde, geistlich und menschlich zu begleiten“.

Brendel: Die Kirche ist nicht das Projekt eines Einzelnen
Tobias Brendel stammt aus Franken in Bayern.
Bevor er in Tübingen, Glasgow, München und Erlangen Theologie studierte, leistete er seinen Zivildienst bei der Heilsarmee in Hamburg und verbrachte sechs Monate in den Vereinigten Staaten, Südkorea und auf den Philippinen bei der Missionsorganisation „Youth With A Mission“.
Dreizehn Jahre lang leitete er eine ländliche Gemeinde in Bayern und legte dabei, wie er selbst sagt – den Grundstein für seine Berufung.
Im September 2022 nahm er die Pfarrstelle in Turin an, auch auf Anraten seines Freundes und Pfarrers Michael Jonas. Im Jahr 2025 heiratete er Barbara, die er in Turin kennengelernt hatte.
Seit 2023 betreut er die Rubrik „Der Theologe antwortet“ in der Zeitschrift „Miteinander“ der ELKI und wirkt bei der Organisation der Sommerfreizeiten für Jugendliche mit.
Auf der Synode stellt er sich mit Worten vor, die viel über seine Herangehensweise aussagen: „Ich bin in lutherischen Traditionen aufgewachsen und habe mich intensiv im ökumenischen Bereich mit der katholischen Kirche engagiert. Mein Umgang mit meinen Mitmenschen basiert auf dem Zuhören“.
Für Brendel ist die Vielfalt innerhalb der ELKI kein Problem, das man in den Griff bekommen muss, sondern ein Reichtum, den es zu pflegen gilt.
Und er schließt mit einer theologischen Überlegung, die seinen Blickwinkel verdeutlicht: „Ich betrachte das Amt des Vizedekans nicht als eine Aufgabe, die man alleine bewältigt, denn die Kirche ist nicht das Projekt eines Einzelnen. Sie ist Gottes Plan und Auftrag, daher ist jede Aufgabe, auch meine, letztlich eine Zusammenarbeit mit Gott, um seinen Auftrag zu erfüllen. Eine große Verantwortung, die darin besteht, Gottes Dinge zu bewahren, während er sich um uns sorgt“.

Ein neuer Weg beginnt
Am Sonntag, dem 3. Mai, endet die Synode mit einem feierlichen Gottesdienst und der Amtseinführung der neuen Leitung der ELKI.
Die Wahl von Ruschke und Brendel findet am Ende einer Sitzung statt, auf der die dringlichsten Herausforderungen ohne Umschweife angegangen wurden: der Streit mit dem Wirtschaftsministerium um die OPM-Gelder, die Umstrukturierung der Pastorenstellen mit dem Ziel, deren Zahl auf höchstens zwölf zu reduzieren, die Verringerung der Beteiligung am Verlag Claudiana Editrice sowie der Abschied von vier Pastoren, die Italien im Sommer verlassen werden.

Der neue Dekan und der neue Vizedekan übernehmen eine Kirche, die sich bewusst ist, dass sie sich wandeln muss, und die bereits damit begonnen hat – mit der Klarheit derer, die die Treue zum Evangelium nicht mit der Anhänglichkeit an Strukturen verwechseln.
Die ELKI nimmt in Venedig und Turin einen neuen Anfang, mit einem Theologen der Toleranz und einem trompetespielenden Pastor, die die Aufgabe haben, eine kleine, aber lebendige Gemeinde auf einem Weg zu führen, den niemand allein beschreitet.
