
Die lange Nacht der Kirchen
In Österreich versammelt die Lange Nacht der Kirchen 300.000 Menschen und alle Konfessionen. Und bei uns?
Eine Nacht, 600 Kirchen, 300.000 Menschen
Die „Lange Nacht der Kirchen“ in Österreich bringt 300.000 Menschen und alle Konfessionen zusammen.
Am vergangenen 30. Mai fand sie zum 22. Mal statt: 600 Kirchen und kirchliche Einrichtungen aller Konfessionen haben ihre Türen kostenlos geöffnet und in nur einer Nacht 1.700 Veranstaltungen angeboten.
Konzerte, Diskussionen, Führungen, soziale Initiativen, Performances und spirituelle Angebote. Und überall freier Eintritt.
MUTeinander: Einander Mut machen
Das diesjährige Motto lautete „MUTeinander“ – ein Wortspiel, das „Mut“ und „miteinander“ verbindet: einander Mut machen, füreinander da sein.
Als biblisches Fundament diente die Geschichte des blinden Bartimäus: «Fasse Mut, steh auf!».
Nicht einfach ein Veranstaltungsabend, sondern eine Einladung, der Isolation zu entfliehen und Menschen kennenzulernen, denen man sonst nie begegnet wäre.
Clubbing in der Kirche, Schach im Pfarrhaus
In der Lutherischen Stadtkirche in Wien fand ein Church Clubbing statt, gestaltet von Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Gemeinde und in Anwesenheit von Bischöfin Cornelia Richter.
Währenddessen hielten Superintendent Matthias Geist und der katholische Pfarrer Wolfgang Unterberger in der Wiener Evangelischen Superintendentur gemeinsam einen Vortrag zum Thema „Mathematik, Theologie und Schach“, auf den ein Simultanturnier folgte.
„Wir konnten soziale Blasen aufbrechen und Menschen zusammenbringen, die sich im Alltag vermutlich nie begegnet wären“, sagte Geist.
Bischof und Erzbischof an einem Tisch
Im Wiener Erzbischöflichen Palais saßen die evangelisch-lutherische Bischöfin Cornelia Richter und der katholische Erzbischof Josef Grünwidl gemeinsam mit den Teilnehmern – nicht auf der Bühne, sondern mitten unter den Leuten – bei einem Abendessen und einem Gespräch, das von der Bürgerinitiative „Österreich der runden und eckigen Tische“ organisiert wurde.
Nicht zwei Kirchen, die sich nur dulden. Zwei Kirchen, die gemeinsam essen, gemeinsam suchen und sich gemeinsam der Stadt präsentieren.
Alle Konfessionen, ohne Ausnahme
Alle im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) vertretenen Kirchen haben teilgenommen.
Nicht nur Österreich: Auch die katholische Diözese Bozen-Brixen – auf italienischem Gebiet – war vertreten.
Und in der Tschechischen Republik fand parallel dazu eine ähnliche Nacht statt, an der 1.600 Kirchen teilnahmen.
Und in Italien?
In Italien gibt es noch nichts Vergleichbares.
Die evangelisch-lutherische Kirche ist eine kleine Minderheit. Aber auch in Österreich war sie es, bevor man beschloss, gemeinsam die Türen zu öffnen.
Die nächste „Lange Nacht der Kirchen“ in Österreich steht bereits auf dem Programm: 4. Juni 2027.
Eine wichtige und in gewisser Weise interessante Erfahrung.
Ausgehend von einem nicht unerheblichen Aspekt: Die Zeitschrift der ELKI heißt bereits Miteinander/Insieme.
Deshalb braucht es von allen nur noch ein bisschen mehr „Mut“.
Titelbild
Church Clubbing in der Lutherischen Stadtkirche Wien. (Foto: ©B. Gratzer/Ev.-lutherische Kirche A. B. in Österreich)