
Nachhaltigkeit in schwierigen Zeiten
Nachhaltigkeit in schwierigen Zeiten: Zwischen Ökologie, Ökonomie und Sozialem ist der Konflikt oft nur vorgetäuscht. Eine Reise von den Wäldern zur Kirche mit konkreten Beispielen.
Gut zu wissen
Im öffentlichen Diskurs ist beim Thema Nachhaltigkeit eine gewisse Verlagerung zu beobachten. Theoretisch geht es im modernen Verständnis der Nachhaltigkeit um drei große Bereiche, deren Bedürfnisse und Ziele sich im Idealfall miteinander verquicken lassen, die aber durchaus auch miteinander im Wettbewerb stehen: ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit. In letzter Zeit wird vor allem die Vereinbarkeit der Klimaziele mit klammen Staatskassen häufig in Frage gestellt. Aus meiner Sicht ist das oft genug ein Scheinkonflikt, denn selten werden zum Beispiel sämtliche „Kosten“ für jede Energiequelle angeführt, wodurch ein ehrlicher Vergleich, auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeit, eigentlich gar nicht möglich ist.
Bei meiner kleinen Recherche zum Thema Nachhaltigkeit bin ich auf ein paar Kuriositäten gestoßen, die ich an dieser Stelle teilen möchte.
Die Grundlage für das Konzept der Nachhaltigkeit geht auf die Forstwirtschaft zurück. Dort ist es seit Jahrhunderten bekannt, dass ein Wald auf die Dauer nur bestehen und vor allem genutzt werden kann, wenn nur so viele Bäume gefällt werden, wie rechtzeitig nachwachsen können. Kein Baum wächst ausreichend innerhalb einer Legislaturperiode, deshalb muss die Forstwirtschaft seit jeher einen langen Atem haben. Angesichts schwindender Ressourcen ist es nachvollziehbar, dass die Erkenntnisse aus der Forstwirtschaft auch auf andere Lebens- und Produktionsbereiche übertragen werden.

Venn-Diagramm und Umwelt
Das obige Venn-Diagramm gibt es in verschiedenen Sprachen und Varianten. Ich habe eine deutsche Version als Ausgangspunkt genommen, bei der die ökologische Nachhaltigkeit oben angeordnet ist und die italienischen und englischen Begriffe dazu geordnet. Allgemein ist sofort ersichtlich, dass die Schnittmengen zwischen verschiedenen Bereichen der Nachhaltigkeit immer positive Auswirkungen haben. Amüsant fand ich manches englische Stichwort in diesem Zusammenhang.
Wenn es gleichzeitig soziale und ökologische Nachhaltigkeit gibt, ist das im Englischen „bearable“ (erträglich), im Italienischen „vivibile“ (man kann leben) und im Deutschen sogar „lebenswert“.
Das Mindestmaß an Nachhaltigkeit dürfte es bei der Kombination aus ökologisch und ökonomisch geben: im Englischen „viable“ (was soviel wie „überhaupt möglich“ bedeutet), im Italienischen „realizzabile“ („realisierbar, durchführbar“, vermutlich eine etwas hilflose Übersetzung des englischen Begriffs), während im Deutschen von „lebensfähig“ die Rede ist.
Oberflächlich betrachtet, landet dann gleichzeitige soziale und ökonomische Nachhaltigkeit fast im Luxussegment, denn diese ist dann im Englischen „equitable“, im Italienischen „equo“ (was beides nach Menschenrechten und Welthandel klingt) und im Deutschen (auch) mit einer sportlichen Komponente, nämlich „fair“.
Was heißt das nun für unsere Kirche und ihre Gemeinden, vor allem in Zeiten finanzieller Engpässe, auch wenn sie nicht auf eigene Fehler zurückgehen? Gerade dann ist mehr Nachhaltigkeit angebracht, nicht weniger! Natürlich gibt es Kosten, die unvermeidlich sind. Um diese geht es in diesem Zusammenhang nicht. In den kommenden Monaten möchten wir von Überlegungen und konkreten Beispielen berichten, wie in Gemeinde oder Familie Nachhaltigkeit möglich wird, wenn wir aus der Not eine Tugend machen.
In unserer neuen Pfarrwohnung ließen wir vor dem Einzug ein paar Renovierungsarbeiten durchführen. Einige dienten dem Energiesparen, andere zielten auf eine erhöhte Funktionalität der Räumlichkeiten. Als kurzfristig die Gasleitung in der Wand zwischen Bad und Küche ersetzt werden musste, gingen auch zwei Küchenfliesen zu Bruch, die nicht ersetzt werden konnten. Zum Glück fand ich in einem Baumarkt dekorative Fliesenaufkleber in der passenden Größe, durch die unsere Küche sogar noch etwas aufgepeppt werden konnte. Wenn das nicht nachhaltig war!
Sabine Wolters, Torino
Quelle und info
Quellen des Diagramms: Johann Dréo derivative work: Sebastian Wallroth
Der moderne Ansatz geht auf die Arbeit der Brundtland-Kommission (Vereinte Nationen) zurück.