
Ein junges Mitglied des Umwelt-Netzwerks der ELKI nahm an der COP30 teil
Letzten Sommer habe ich über das Umwelt-Netzwerk der ELKI von einer Ausschreibung des Lutherischen Weltbundes erfahren, die gezielt junge Aktivistinnen und Aktivisten dazu einlud, sich für die Teilnahme an der COP30 in Brasilien im November 2025 zu bewerben.
Ein junger italienischer Lutheraner bei der COP30
Ich wurde ausgewählt und durfte als Teil der Online-Delegation bei der Weltklimakonferenz mit Glaubensgeschwistern aus aller Welt in Kontakt treten und unter anderem aus erster Hand von ihnen erfahren, wie es ist, wenn die Bewahrung der Schöpfung zu einer Überlebensfrage wird. Besonders bewusst wurde mir das, als eine frühere LWB-Delegierte aus Panama, die bei der COP30 als offizielle Repräsentantin ihrer Regierung anwesend war, berichtete, dass in 80 Prozent der Biodiversität durch indigene Völker geschützt werden. Laut der Aktivistin sind in ihrer Heimat 63 Prozent dieser Flächen durch die Freigabe für landwirtschaftliche Nutzung in Gefahr. Dies verdeutlicht, dass die anhaltende Zerstörung indigener Lebensräume nicht nur die dort lebenden Völker bedrohen, sondern weltweite Folgen haben.

Ich weiß, dass manche sich jetzt die Frage stellen werden, was der Lutherische Weltbund bei der Weltklimakonferenz überhaupt erreichen kann. Natürlich bietet besonders die Online-Teilnahme eher begrenzte Möglichkeiten der direkten Einflussnahme und ist eher passiv. Auch ist den Beobachterorganisationen eine direkte aktive Teilnahme an den Verhandlungen bis jetzt nicht möglich, obwohl sie von einigen Staaten zumindest für bestimmte Themenbereiche gefordert wird. Trotzdem tun wir als christliche Organisationen das, was Teil unseres Auftrags ist: Wir treten für die Bewahrung der Schöpfung ein, und das auch überkonfessionell, gemeinsam mit anderen Gruppen. Unsere Vertreter vor Ort, darunter dieses Jahr z.B. auch eine Indigene aus Bolivien, treten in Pressekonferenzen auf. Außerdem ergibt sich so für uns persönlich die Gelegenheit, von vielen Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen zu hören, deren Existenz durch die Klimakrise bedroht ist oder zerstört wurde. Mir ist in diesem Zusammenhang besonders eine junge Frau aus Pakistan im Gedächtnis geblieben, die während des „Youth-Led Climate Forum“, einem Event zur Förderung des Dialogs zwischen Jugendlichen und politischen Entscheidungsträgern von Überschwemmungen in ihrer Heimat berichtete, die ihr Zuhause zerstört haben. Sie hat ins Gedächtnis gerufen, wie wichtig es ist, dass Formate wie die COP nicht zu Greenwashing-Plattformen geraten und ihr Gefühl geäußert, dass die Konferenzen in den drei vergangenen Jahren, bei denen sie anwesend war, keine wegweisenden Veränderungen gebracht haben. In solchen Momenten habe auch ich mich immer wieder gefragt, ob wir überhaupt etwas bewirken können. Auch die Tatsache, dass fünfmal so viele Öllobbyisten wie Vertreter indigener Bevölkerungsgruppen anwesend waren, ist nicht gerade ermutigend.
Trotz all dieser dunklen Nachrichten sollten wir als Christen in der aktuellen Situation nicht resignieren, sondern ganz klar auf allen Ebenen für die Bewahrung der Schöpfung eintreten. Dazu gehört ein bewusster Lebensstil, kleine Projekte für Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene, aber auch politisches Engagement von der regionalen bis zur globalen Ebene. Nur wenn bei der Weltklimakonferenz genug Menschen fordern, dass die am stärksten Betroffenen ernst genommen werden, besteht die Chance, dass den grundlegendsten Menschenrechten Priorität gegeben wird.
Simon Harder, Gemeinde Meran