
(Nicht nur) Über den Wolken
Nicht jeder Flug ist gleich: Nachhaltige Treibstoffe, umweltfreundlichere Flughäfen und christliche Verantwortung für die Luft, die wir atmen.
(Nicht nur) Über den Wolken
Wir Menschen tragen Verantwortung für Gottes Schöpfung, und zwar über die Erde und das Wasser hinaus auch für die Luft. Die Luftfahrt hat bekanntlich ein Nachhaltigkeitsproblem. Gleichzeitig und vielleicht gerade deshalb bietet der Flugverkehr ein großes Potential, um durch Taten mehr noch als durch Worte für immer größere Nachhaltigkeit zu sorgen.
Seit Jahren gibt es vielversprechende Ansätze, um den Flugtreibstoff nachhaltiger zu machen, weil herkömmliches Kerosin maßgeblich den klimatischen Fußabdruck negativ beeinflusst. Dabei geht es häufig auch zu Recht darum, dass nicht komplette Flotten ausgetauscht werden müssen, um diese zu nutzen. Vielmehr können die neuen Treibstoffe zumindest jetzt schon beigemischt werden, um perspektivisch das herkömmliche, umweltschädlichere Kerosin komplett zu ersetzen.

Sustainable Aviation Fuels (SAF). Diese heißen so, weil bei der Verbrennung nur das CO2 freigesetzt wird, das die Pflanze in ihrem Wachstum aufgenommen hat. Somit haben SAFs bis zu 90 Prozent geringere CO2-Emmissionen als reguläres Kerosin. Bei meiner Recherche bin ich als Quelle auf
- Altes Speiseöl oder Pflanzenöl
- Alkohol
- (menschliche) Fäkalien
- Pflanzenabfälle (Stroh, Maisstängel oder Sägemehl)
gestoßen, aber gewiss gibt es noch weitere Ausgangsstoffe hierfür.
Das Thema geht aber noch viel weiter. Firmen, deren Geschäftsmodell auf schnellem und sicherem Transport basiert, sind mehrfach motiviert, diesen auch zunehmend nachhaltig zu gestalten. Das lohnt sich finanziell, aber eben auch vom Image her. Auf der Homepage von DHL findet sich zum Beispiel ein ausführliches Kapitel zum Thema SAFs. Sie erscheinen als derzeit einzig realistische Chance, den Luftverkehr zu dekarbonisieren, da weder geeignete Batterien für E-Flugzeuge noch die Forschung zum Thema Wasserstoff ausreichend fortgeschritten sind. Kein Unternehmen, keine Institution, kein Staat kann es alleine schaffen, die SAF-Produktion angemessen hochzufahren und die Preise für diese Treibstoffe auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu drücken. Deshalb gibt es Initiativen wie Clean Skies for Tomorrow Coalition (CST), die die Kräfte der zahlreichen Partner bündelt.
Bei einer längeren Zwischenlandung in München im Herbst 2025 bekam ich unverhofft Gelegenheit, einen Blick auf die interaktive Ausstellung GREEN GATE über Umwelt und Nachhaltigkeit zu werfen. Die Net Zero-Initiative regt zum individuellen Nachdenken an und zeigt gleichzeitig, dass nachhaltige Lösungen Teamwork erfordern und begünstigen. Über kurze Texte, Bilder, Infografiken und viele interaktive Ausstellungselemente erfahren die Fluggäste, welche konkreten Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz sowie Lärm- und Schallschutz am Flughafen bereits umgesetzt wurden.
Am Flughafen selbst wurden Ladestationen eingerichtet, damit E-Autos der Fluggäste dort aufgeladen werden können. Der Flughafenfuhrpark wird ebenfalls auf E-Fahrzeuge oder zumindest auf umweltfreundlichere Kraftstoffe umgestellt. Bei der Single Engine Taxiing Methode werden nach der Landung alle nicht unbedingt benötigten Triebwerke abgeschaltet. Pre-Conditioned-Air-Anlagen versorgen in der Parkposition die Flugzeuge vom Flughafen aus mit frischer Luft für die Kabinen, wodurch das Flugzeug selbst dafür keine Energie aufwenden muss. Selbstverständlich wird auch in München auf die SAFs gesetzt.
Bei den Flughafengebäuden kommen klimaschonende Elemente zum Einsatz, unter anderem durch
Geothermie und Photovoltaik. Wer im Großraum München wohnt oder dort Urlaub macht, kann den circa
19 km langen Umwelt-Radweg nutzen, um sich ein Bild von den umfassenden Initiativen des Flughafens zu
Machen, Honig-Monitoring inklusive. Weiter gefasst ist die Unterstützung des Klimawalds, bei dem klimaresistente Bäume gepflanzt werden, die langfristig mehr CO2 aus der Atmosphäre entnehmen können als herkömmliche Wirtschaftswälder. Biodiversität, Arbeitsplätze, Naherholungsraum in der Region, Einsatz als Bau- und Möbelholz – all dies wird gleichzeitig gefördert.
Es wäre wohl illusorisch zu glauben, dass die Menschheit als solche komplett aufs Fliegen verzichten würde. Viele von uns haben international verstreut lebende Familien und gegenseitige Besuche sind, zumal bei Flughafennähe auf beiden Seiten, praktisch viel leichter umzusetzen, wenn wir für An- und Rückreise auf bestehende Linienflüge zurückgreifen können, die sich ihrerseits besser rechnen, wenn sie voll ausgebucht sind, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch.
Die kleine Auswahl an hier kurz vorgestellten Initiativen kann uns jedenfalls Mut machen, selbst unseren Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten – gern auch mit anderen zusammen.
Sabine Wolters, Turin
Quellen:
- https://www.scinexx.de/news/technik/flugzeug-treibstoff-aus-pflanzenabfaellen
- https://futurezone.at/science/kot-faekalien-kerosin-flugzeug-treibstoff-sprit-saf-firefly/402725380
- https://www.dhl.com/de-de/microsites/core/zugestellt/verantwortung/erfolgreiche-skalierung-von-loesungen-mit-nachhaltigem-flugzeugtreibstoff.html
- Clean Skies for Tomorrow: Sustainable Aviation Fuels as a Pathway to Net-Zero Aviation | World Economic Forum
- Klima- und Umweltschutz – Flughafen München
- Net Zero – Flughafen München EN: Net Zero – Munich Airport