
Vater, Sohn und Heiliger Geist – Demokratie, Freiheit und Verantwortung
Am Sonntag Trinitatis feiern wir das Geheimnis Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gott zeigt sich nicht als ferne Macht, sondern als lebendige Beziehung. Die Dreieinigkeit erinnert uns daran, dass Leben aus Gemeinschaft wächst, aus gegenseitigem Vertrauen, aus Liebe, die sich verschenkt und verbindet. Niemand lebt für sich allein. Wir sind aufeinander angewiesen – in unseren Familien, Gemeinden, Städten und Nationen.
In diesen Tagen begeht Italien zugleich den Tag der Republik am 2. Juni. Dieses Fest erinnert an die Entscheidung für Demokratie, Freiheit und Verantwortung nach den dunklen Erfahrungen von Krieg und Diktatur. Eine Republik lebt davon, dass Menschen füreinander einstehen, Unterschiede aushalten und gemeinsam an einer gerechten Zukunft arbeiten. Freiheit ist niemals nur persönlicher Besitz. Sie braucht Solidarität, Respekt und den Mut, die Würde aller Menschen zu schützen.
So können beide Feiertage miteinander ins Gespräch kommen: Der dreieinige Gott ruft uns in die Gemeinschaft und schenkt uns die Kraft, sie auszuhalten und zu gestalten, und die Republik erinnert uns an unsere gemeinsame Verantwortung für das gesellschaftliche Leben. Christlicher Glaube zieht sich nicht aus der Welt zurück. Er ermutigt dazu, Hoffnung zu säen, Frieden zu suchen und den Menschen neben uns nicht aus dem Blick zu verlieren.
Gerade in einer Zeit voller Spannungen und Unsicherheiten braucht unsere Gesellschaft Orte des Vertrauens und der Menschlichkeit. Möge Gottes Geist uns bewegen, Brücken zu bauen – in unseren Gemeinden, in unseren Städten und weit darüber hinaus, damit der Dreiklang aus christlicher Trinität und Demokratie, Freiheit und Verantwortung auf ewig harmonisch und geheimnisvoll miteinander klingen.
Ihr Klaus Fuchs, Pfarrer in Mailand