
Sommerfreude!?
Wir präsentieren euch die Andacht von Pfarrerin Susanne Krage-Dautel von der Lutherischen Gemeinde in Florenz.
Sommerfreude !?
Es ist Ende Juni, wir sind mit 15 jungen Menschen in Bocca di Magra, am Meer. Jugendfreizeit der ELKI. Es sind 34 Grad, Wassertemperatur 26 Grad- Wir haben eine wunderschöne Bucht aufgesucht: schroffe Felsen, tuerkisblaues Wasser, hinter uns der weiße Marmor der Carraraberge. Eine traumhaft schöne Landschaft! Vier der Mädchen nehmen sich an die Hand und springen von einem Felsen mit einem lauten Schrei ins Meer. Sommerfreude! Den Jugendlichen macht die Hitze anscheinend nicht so viel aus, nachts bleiben die Türen einfach offen, damit es etwas Durchzug gibt. In Florenz, sehe ich auf meinem handy, steigen die Temperaturen auf 39 Grad. Glücklich, wer bei den Temperaturen eine Klimaanlage in der Wohnung hat! Die Hitzewellen kommen immer früher, sagen mir die, die schon lange hier leben. Und die Temperaturen steigen immer weiter, selbst in Deutschland werden 41,5 Grad gemessen. Das ist doch nicht mehr normal, so höre ich viele sagen. Oft waren es bisher Bilder aus anderen Regionen der Erde, in denen Überschwemmungen oder Dürreperioden das Leben bedroht haben. Nun rücken die Folgen der Klimakatastrophe auch uns näher.
In Bocca di Magra lernen wir mit den Jugendlichen das Sommerlied von Paul Gerhardt: „Geh aus mein Herz und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit“. Die ersten Male brummen sie noch etwas leise mit, am Ende der Freizeit höre ich hier und da jemanden sogar allein vor sich hin summen: „sieh an der schönen Gärten Zier…“.

Ich freue mich, dass es uns anscheinend gelungen ist, dieses alte Gesangbuchlied weiterzugeben an die nächste Generation. Und zugleich befällt mich eine tiefe Sorge: dass in Zukunft die Sommer eher zur Qual werden und man jeden Spaziergang, wie ihn Paul Gerhardt in seinem Lied unternimmt, wegen der unerträglichen Hitze meiden wird. Ich habe Angst, dass unsere Kinder und Enkel das erleben müssen, was uns Klimaforscher schon lange vorhersagen. Ich nehme die Szenarien, die sie beschreiben, ernst.
Und dann wird das Sommerlied Paul Gerhardts für mich zu einem Weckruf. Geh aus, mein Herz, schau an, wie wunderbar Gott diese Welt geschaffen hat. Und ja, freu dich an ihr! Diese Welt ist schön, aber sie ist auch verletzlich, wir haben ihr Gleichgewicht längst zerstört. Und nun nimm deine Verantwortung dafür wahr, dass diese Welt nicht weiter den Bach runtergeht! Hilf mit, dass unsere Kinder und Enkel an allen Orten sich am Sommer freuen können. Dafür werden wir vermutlich auch unseren eigenen Lebenswandel ändern müssen. Resignation ist keine Option. Mich ärgert zutiefst, wenn die eigene Bequemlichkeit mit den Worten verteidigt wird, dass es doch eh nichts mehr zu ändern gibt. Lieber sind mir da die jungen Menschen der ELKI, die sich im Umweltnetzwerk engagieren und trotz der vielen dunklen Nachrichten nicht aufgeben. Lieber als zu resignieren, vertraue ich noch einmal den Worten Paul Gerhardts und höre nicht auf darauf zu vertrauen, dass wir nicht nur zum Fluch, sondern auch zum Segen für diese Erde werden können: „Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleusst, dass ich dir stetig blühe. Gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe“.
Ich wünsche Ihnen und Euch eine gesegnete Sommerzeit!
Susanne Krage-Daute, Pfarrerin der lutherischen Gemeinde in Florenz