
Die lange Nacht gibt es schon: in Bozen
Die „Lange Nacht der Kirchen“ gibt es in Italien bereits: Seit über zehn Jahren ist die evangelische Gemeinde von Bozen fixer Bestandteil.
Eine Antwort aus Südtirol
In dem Artikel über die „Lange Nacht der Kirchen“ – der am 15. Juni auf dieser Website veröffentlicht wurde – schlossen wir mit der Frage: „Und in Italien?” Die Antwort gibt es, und sie kommt aus Bozen.
Die „Lange Nacht der Kirchen“ gibt es in Italien bereits seit über zehn Jahren und die Evangelisch-Lutherische Gemeinde Bozen nimmt seit der ersten Ausgabe regelmäßig daran teil.
„Ich glaube, wir machen das schon seit zehn oder mehr Jahren – seitdem es LNK in Südtirol gibt“, erzählt Caroline von Hohenbühel, Kuratorin der Gemeinde Bozen.

Vom Gospel zum „StillLieben“
Der Weg der letzten Jahre zeugt von der Suche nach einer Sprache, die auch diejenigen anspricht, die sich selbst nicht als religiös bezeichnen würden.
Den Anfang machten Gospelchöre – „und das hat die Südtiroler sehr interessiert“ – im Laufe der Jahre kamen Orgelkonzerte, Orgelführungen, Filme über Minderheiten, eine Fotoausstellung und sogar ein Dokumentarfilm zum Thema Transition hinzu, der von Mitgliedern der Gemeinde selbst gedreht wurde.
In den letzten Jahren stand der Chor UNI-BZ Voices unter der Leitung von Johann van der Sandt im Mittelpunkt – das offizielle Ensemble der Freien Universität Bozen, das „hier sehr anerkannt ist“.
In diesem Jahr, am 29. Mai 2026, gliederte sich der Abend in zwei Teile. Um 19.00 Uhr fand das Konzert des Chorensembles der Universität statt.
Um 20.30 Uhr folgte die Tanzperformance „StillLieben“, ein choreografisches Projekt von Sveva Maria Mioli – eine Auseinandersetzung mit der menschlichen Fragilität, der Angst und der Verletzlichkeit als Raum der Verbindung mit anderen, vermittelt durch Tanz, Poesie und Musik.

Die richtige Frage
Der Abend ist gut gelaufen. „Normalerweise ist bei uns LNK sehr gut besucht, die Mitmenschen außerhalb der Gemeinde mögen es“, sagt von Hohenbühel.
Dies ist ein Vorschlag, der mit tiefgreifenden Überlegungen bereits innerhalb des Kirchenvorstands beginnt: Ist die Tanzperformance mit dem kirchlichen Kontext vereinbar? Wen wollen wir damit ansprechen und warum?
Das ist die richtige Frage. Keine Kritik, sondern eine notwendige Überlegung.
Die Kuratorin ist da ganz ehrlich: „Ich glaube, dass es nur sekundär ökumenisch wichtig ist – es kommen die Menschen wegen der Kultur“.
Und genau das ist der Punkt. Die Kirche als offener Raum, in den auch diejenigen eintreten, die zu einem Gottesdienst niemals hereingekommen wären.
Die lutherische Frage lautet nicht: „Ist diese Darbietung religiös genug?“ sondern: „Wem begegnen wir, und was bringen wir in diesen Raum ein?“
Eine geteilte Fragilität, eine akzeptierte Verletzlichkeit, die Fragen, die die Kultur aufwirft.