
Anschlag in Berlin: Der Dekan der ELKI äußert sich
Zum Anschlag auf den Christopher Street Day 2026 in Berlin sagte der Dekan der ELKI: Wir lassen uns vom Bösen nicht einschüchtern.
Eine Tote, sechzehn Verletzte
Am Samstag, dem 25. Juli, ging der 48. Christopher Street Day in Berlin (CSD-Berlin) so zu Ende, wie solche Tage eben enden: Hunderttausende Menschen auf den Straßen, Musik und eine Party, die sich bis auf den Tiergarten erstreckte.
Die Großkundgebung stand dieses Jahr unter dem Motto Haltung ist hot. Vor Beginn der Parade war der homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus gedacht worden.
Am Abend raste ein Auto in die Menschenmenge. Eine Frau starb. Mindestens sechzehn Menschen wurden verletzt, einige davon schwer.
Die Polizei teilte anschließend mit, dass der Hauptverdächtige des Anschlags, ein 21-jähriger Deutscher libanesischer Herkunft, getötet wurde.
Zu den Geschehnissen äußerte sich der Dekan der ELKI, Pastor Dr. Johannes M. Ruschke: „Was in Berlin passiert ist, ist kein rein deutsches Phänomen.
Auch in Italien kommt es immer wieder zu Diskussion und Gewalt.
Heutzutage kann es gefährlich werden, zu sagen, wer man ist. Nicht, was man denkt, nicht, wie man lebt. Sondern wer man ist.
Als Lutheraner in Italien segnen wir seit 2011 heterosexuelle und homosexuelle Paare, die ihre Beziehung mit Entschlossenheit, Beständigkeit, Vertrauen und ohne Gewalt leben.
Wir sind überzeugt: Gottes Segenszusage gilt für alle Menschen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung.
Dies gilt es, gerade jetzt in Zeiten der Trauer, zu betonen.
In Italien erleben wir ähnliche Phänomene der Intoleranz und Herabwürdigung von LGBTQI+-Personen.
Dies geschieht nicht nur durch religiöse Fanatiker und Terroristen.
Auch Populisten und Kräfte, die in Institutionen sitzen, gießen manchmal Öl ins Feuer.
Als christliche Kirchen, speziell als Lutheraner, haben wir die Pflicht, angesichts von Ungerechtigkeit und Gewalt unsere Stimme zu erheben. Wir können nicht anders. Wir wollen nicht anders.
An die queeren Gemeinschaften in Berlin und Italien, an alle Menschen, die gerade trauern, an alle Verletzten, die im Krankenhaus liegen – das Gebet unserer Gemeinschaften soll euch erreichen.
Mit Gottes Hilfe werden wir uns nicht vom Bösen einschüchtern lassen, sondern das Böse mit dem Guten überwinden.“

Deutsche Kirchen in Trauer
Der Dekan der ELKI steht mit seiner Meinung nicht alleine da. Bei der Gedenkfeier am vergangenen Sonntag in der Marienkirche in Berlin war die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt.
An der Andacht zum Gedenken der Opfer des Anschlags nahmen Bundeskanzler Friedrich Merz, Bürgermeister Kai Wegner, die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel sowie Vertreter der Religionsgemeinschaften teil.
Bischof Christian Stäblein von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) sagte, dass queeres Leben und queere Liebe „im Herzen dieser Stadt“ wohne.
Und dass dieses Herz „Freiheit, Vielfalt und Achtung“ ist.
Was immer der Täter habe erreichen wollen, er wird es nicht erreichen. Gewalt im Namen der Religion auszuüben, fügte er hinzu, sei Gotteslästerung.
Am Freitag zuvor hatte er im Gottesdienst zur Eröffnung des CSD einen Satz gesagt, der heute wie eine Mahnung und eine Warnung zugleich klingt: „Liebe braucht den Schutz der Gemeinschaft.“
Nicht nur der religiösen Gemeinschaften, sondern der Gemeinschaften als Zusammenschluss von Menschen, von Bürgerinnen und Bürgern.
