
Wunderbar…
Ja, es ist jedes Jahr wieder wunderbar, wenn aus dem Grau der Erde neues Grün sprießt,
wenn die ersten Blüten aufbrechen, die Bäume in den Parks und Gärten anfangen zu leuchten und der Frühling das Land verzaubert. Wunderbar, aber – kein Wunder. Kein Wunder, sondern der natürliche Ablauf biologischer und klimatischer Prozesse. Ein immer wiederkehrendes Zusammenspiel vieler kleiner Faktoren, genetisch angelegt und fein aufeinander bezogen, und auf diese Weise eben letztlich auch erwartbar, gewissermaßen kalkulierbar.
Was der Schönheit und dem mit ihr verbundenen Glücksgefühl gar keinen Abbruch tut, aber trotzdem deutlich macht, dass es sich eben nicht um ein Wunder handelt. Noch ein bisschen klarer wird das, wenn wir uns bewusst machen, dass in jeder noch so schönen Blüte, die jetzt aufgeht, auch schon wieder ihr Verwelken und ihr Vergehen angelegt ist. Die Krokusse sind längst verblüht, wenn Sie diese Zeilen lesen, oder?
Ja, so ist es in dieser Welt: Dinge entstehen und vergehen. Und mit diesem Wissen um das Vergehen ist ja immer auch ein bisschen die leise Frage verbunden, ob das, was so schön war, auch wirklich wiederkommt, ja, für manche von uns auch, wie oft wir diese Wiederkehr überhaupt noch erleben dürfen.
Was dann eben nicht nur für den Frühling gilt, sondern vielleicht sogar noch mehr, wenn wir uns die Welt anschauen, die nicht von der Natur gesteuert sind, sondern von uns Menschen. Viele fragen sich: Werden wir jemals wieder in dem Gefühl leben dürfen, dass Frieden ein Dauerzustand ist, auf den wir vertrauen und unser Leben und Planen einrichten können? Wer weiß. Es wäre ganz gewiss wunderbar.
Oder bräuchte es dafür vielleicht wirklich ein echtes Wunder? So, wie es uns in Ostern versprochen ist, in dem Fest der Auferstehung, das davon erzählt, dass Gottes Liebe nicht an die Gesetze dieser Welt gebunden ist –nicht an die der Natur und schon gar nicht an die der Menschen? Denn das ist es, was Ostern verkündet: Dass Gottes Liebe nicht vergeht und dass sie uns begleitet und bewahrt, durch alles Werden und Vergehen dieser Welt hinweg und auch darüber hinaus – in Ewigkeit: „Siehe, ich mache alles neu“ sagt der, der auf dem Thron sitzt (Offb 21,5).
Tja, drunter tut er’s nicht, Gott sei Dank! Beschenkt sind, die darauf vertrauen.
Ich wünsche Ihnen viele wunderbare Frühlingsmomente, die auch die Hoffnung auf dieses große Wunder Gottes stärken und wachhalten mögen – und natürlich: Frohe Ostern!
Ihr Hanno Wille-Boysen (reformierter Pfarrer in Mailand)
Foto di 👀 Mabel Amber, who will one day da Pixabay