Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian Bach (1685-1750) -Sein Glaube in der Musik

„Für Bach war Musik Religion, sie zu schreiben war ein Glaubensbekenntnis, sie zu spielen ein Gottesdienst.“ Leonard Bernstein hat mit diesem Satz die Bedeutung des Glaubens in den Kompositionen Bachs treffend zusammengefasst. Allerdings war die religiöse Situation in Deutschland im Bachs Geburtsjahr 1685 äußerst labil: Der 30jährige Krieg (1618-1648) war wegen unüberbrückbarer Glaubenskonflikte zwischen Katholiken und Protestanten begonnen worden und endete als Machtkampf, aus dem Deutschland sehr geschwächt hervorging. Die religiösen Konflikte waren keineswegs gelöst. Noch in Bachs Geburtsjahr 1685 verlassen eine halbe Million evangelische Hugenotten Frankreich. Nach den schweren Kriegsschäden in Deutschland sind es vor allem die Fürstenhöfe, die den Wiederaufbau des Landes vorantreiben. Es entwickeln sich verschiedene christliche Ausprägungen: neben einem orthodoxen Protestantismus entsteht auf katholischer Seite der Mystizismus. 
Eine Grundeinstellung der kirchlichen Komponisten der Barockzeit beschreibt der Zeitgenosse Johann Mattheson 1739 so: 

„Das Ziel der Music ist, durch Gesang und Klang Gott auf das Schönste thätlich und stündlich zu loben. Alle anderen Künste, außer der Theologie und ihrer Tochter der Music, sind nur stumme Prediger. Sie bewegen auch lange die Hertzen und Gemüther so starck nicht, noch auf so vielerlei Arth. Die dazu benötigte Wissenschaft gründet sich auf die Naturlehre (Natur aber ist eine göttliche Kraft), sättigt sich an ihren mütterlichen Brüsten, ohne allzeit zu wissen, wie es zugehet, und ehret den König, ihren Vater.“ Auch bei Johann Sebastian Bach findet man in den erhaltenen Handschriften immer wieder den Lobpreis Gottes, zu dessen Ehre dieses oder jenes Werk geschrieben ist.

So ist sein erstes Orgelbüchlein überschrieben mit dem Titel: „Dem Höchsten Gott allein zu Ehren, Dem Nechsten, draus sich zu belehren. Autore Joanne Sebast: Bach, p.t. Capellae Magistri S.P.R. Anhaltini-Cotheniensis“. Bachs musikalisches Engagement als Hoforganist, Konzertmeister und Kantor an den Höfen zu Arnstadt, Köthen und Leipzig umfassen weltliche und geistliche Musik gleichermaßen. Kraft seines Amtes wird von ihm monatlich eine Kantate erwartet, dazu für jeden Gottesdienst Vokal- und Orgelwerke. Bach wird durch seine berufliche Herausforderung ein theologisch interessierter und gebildeter Komponist. Seine Werke schrieb er nicht nur zur Ehre Gottes, sondern er führt eine ansehnliche theologische Bibliothek mit annähernd 100 Bänden, darunter Luthers Tischreden und dieHauspostille, sowie auch zahlreiche Schriften der evangelischen Theologie. Er beschäftigt sich mit allen Themen des Glaubens seiner Zeit und war theologisch äußerst gebildet. Johann Sebastian Bach war tief im evangelisch-lutherischen Glauben verankert. In seinen Chorälen sind Bibelwort und traditionelle Gläubigkeit leidenschaftlich vertreten. Auch seine reine Instrumentalmusik hat er als Abbild der Schöpfung verstanden, gespielt zur Ehre Gottes und zur Erbauung des Gemüts. So finden sich immer wieder Beziehungen zwischen weltlicher und sakraler Musik. In Kantaten erklingen Instrumentalsätze, die wie aus einem der Brandenburgischen Konzerte zu stammen scheinen, darüber spielt jedoch die Trompete in höchsten Tönen den Choral „Was Gott tut, das ist wohlgetan“. Obwohl in evangelischer Konfession verwurzelt, zeigt sich Bach in seiner großartigen Matthäuspassion und der katholischen h-Minor Messe als überkonfessioneller Universalist.

Pfr. Sebastian Zebe