{"id":36161,"date":"2025-02-16T11:58:06","date_gmt":"2025-02-16T10:58:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.chiesaluterana.it\/?page_id=36161"},"modified":"2025-02-16T12:28:40","modified_gmt":"2025-02-16T12:28:40","slug":"euthanasie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.chiesaluterana.it\/de\/euthanasie\/","title":{"rendered":"Euthanasie"},"content":{"rendered":"<section class=\"news-container\">\n    <div>\n        \n<figure style=\"margin-top:0;margin-bottom:0\" class=\"wp-block-post-featured-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"250\" src=\"https:\/\/www.chiesaluterana.it\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/eutanasia_1_thumb_720_480.jpg\" class=\"attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail wp-post-image\" alt=\"mani con sfondo cielo, tengono una rete da cui si liberano uccelli\" style=\"border-top-left-radius:35px;border-top-right-radius:35px;object-fit:cover;\" \/><\/figure>\n\n\n<div class=\"wp-block-group news-content has-nero-color has-bianco-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-1 has-global-padding is-layout-constrained wp-container-core-group-is-layout-ef45bfdb wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"border-bottom-left-radius:35px;border-bottom-right-radius:35px;padding-top:44px;padding-right:55px;padding-bottom:100px;padding-left:55px\">\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-container-core-group-is-layout-25e2a4be wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"padding-left:50px\">\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-container-core-group-is-layout-af9f0f3b wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"padding-right:130px\"><h1 style=\"font-style:normal;font-weight:600\" class=\"wp-block-post-title has-h-2-font-size\">Euthanasie<\/h1>\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\"><div class=\"social-share__container\">\n    <div>\n        <p>Teilen<\/p>\n        <div class=\"social-share\">\n            <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.chiesaluterana.it%2Fde%2Feuthanasie%2F\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><i class=\"icon-facebook-share\"><\/i><\/a>\n            <!--<a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fwww.chiesaluterana.it%2Fde%2Feuthanasie%2F&text=Euthanasie\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><i class=\"icon-x\"><\/i><\/a>-->\n            <a href=\"https:\/\/t.me\/share\/url?url=https%3A%2F%2Fwww.chiesaluterana.it%2Fde%2Feuthanasie%2F&#038;title=Euthanasie\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><i class=\"icon-telegram\"><\/i><\/a>\n            <a href=\"https:\/\/wa.me\/?text=https%3A%2F%2Fwww.chiesaluterana.it%2Fde%2Feuthanasie%2F\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><i class=\"icon-whatsapp\"><\/i><\/a>\n            <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/shareArticle?mini=true&#038;url=https%3A%2F%2Fwww.chiesaluterana.it%2Fde%2Feuthanasie%2F&#038;text=Euthanasie\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><i class=\"icon-linkedin\"><\/i><\/a>\n        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Von der Synode der ELKI angenommen w\u00e4hrend der Sitzung 2004 in Vico Equense (NA) durch den Beschluss 2004\/VI<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Evangelisch Lutherische Kirche in Italien sieht sich dazu aufgerufen, einen Beitrag zur ethischen Urteilsbildung in der Frage der &nbsp;kontrovers gef\u00fchrten Sterbehilfe-Diskussion zu leisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Folgende Gesichtspunkte zur christlichen Anthropologie und Ethik leiten uns bei unseren \u00dcberlegungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Der Mensch als Gesch\u00f6pf Gottes ist wesentlich ein Sein in Beziehung. Er lebt in Beziehung zu sich selbst, zu den Mitmenschen, zu seiner nat\u00fcrlichen Umwelt und zu Gott. Ihn in erster Linie als autonomes Wesen zu definieren, erfasst daher nur eine Seite seines Seins und greift als Gesamtbeschreibung des Menschen zu kurz. Der Mensch ist immer und in allen seinen Lebensphasen auch ein angewiesenes, bed\u00fcrftiges und abh\u00e4ngiges Wesen.<br>Dass Gott sich seiner annimmt und seiner gedenkt (Ps 8,5), ist seine Grundbestimmung.\u00a0 Von Gott her ist er unwiderruflich und bedingungslos bejaht, auch dann, wenn die Anerkennung und Bejahung durch andere Menschen widerrufen wird (wie es im Akt der T\u00f6tung geschieht).<\/li>\n\n\n\n<li>Weil Gott die Beziehung zum Menschen herstellt, ist auch sein Personsein von Gott her zu\u00a0verstehen. Nicht ich mache mich zu der Person, die ich bin. Mein Personsein ist dann aber auch\u00a0nicht zerst\u00f6rbar, wenn bestimmte Kriterien wegfallen. Der Personbegriff aus der angels\u00e4chsischen Tradition \u2013 der Mensch als rationales, selbstbewusstes Wesen, das \u201cIch\u201d sagen kann, Vergangenheit und Zukunft, W\u00fcnsche und \u00c4ngste hat \u2013 ist theologisch gesehen defizit\u00e4r.<\/li>\n\n\n\n<li>Eine Diskussion um den Wert eines Menschenlebens kann und darf es daher nicht geben. Der Mensch hat (so\u00a0 Kant) keinen Wert \u2013 diesen haben nur Sachen -, sondern er hat W\u00fcrde. Diese\u00a0gilt unbedingt und wird nicht durch eigenes Handeln konstituiert. Dies meinen wir, wenn wir vom\u00a0Primat der Gnade vor allem Handeln sprechen. Die aktive Euthanasie und die Beihilfe zum Suizid sind nicht Ausdruck der Freiheit des Individuums, sondern im Gegenteil Vernichtung dieser Freiheit, indem sie das Subjekt der Freiheit selbst vernichten (Kant).<\/li>\n\n\n\n<li>Zum Wesen des Menschen geh\u00f6rt auch, dass er leidensf\u00e4hig ist. Das bedeutet nicht, dass ihm vermeidbares Leiden zugef\u00fcgt werden darf. Im Gegenteil: abwendbares Leiden muss abgewendet werden. Nicht alles Leiden ist jedoch vermeidbar. Die Illusion einer \u201eAbschaffung\u201c des Leidens zerst\u00f6rt die menschliche F\u00e4higkeit, leidensf\u00e4hig und damit auch liebes- und beziehungsf\u00e4hig zu werden. Als Christen haben wir keine Erkl\u00e4rung, keine Sinngebung und keine Rechtfertigung f\u00fcr das Leiden. Zum einen k\u00e4mpfen wir wie Jesus gegen das menschliche Elend, zum anderen aber leben wir in der \u201eGemeinschaft der Leiden Christi\u201c (Phil 3,10) und sind so \u201eTeilhaber der Leiden\u201c (2 Kor 1,7) mit der Verhei\u00dfung, auch Teilhaber des Trostes zu sein.<\/li>\n\n\n\n<li>Das Bild des gekreuzigten Christus zeigt uns, dass kein Leiden und keine Entstellung dessen, was uns ein w\u00fcnschenswertes Leben zu sein scheint, die menschliche W\u00fcrde vernichtet. Der Gekreuzigte steht gerade f\u00fcr deren Unantastbarkeit.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diesen Vor\u00fcberlegungen leiten wir folgende Konsequenzen ab:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allianz gegen die Angst<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1.<\/strong>&nbsp;Die \u00f6ffentliche Diskussion um die Erm\u00f6glichung der Beendigung von Leben unter medizinischem Aspekt ruft Unsicherheit und Angst hervor. Der Umgang mit dem Thema Tod und den ihn umgebenden N\u00f6ten ist ein Tabu in der westlichen Gesellschaft geworden. Betroffene und ihre Angeh\u00f6rige d\u00fcrfen in dieser Situation nicht allein gelassen werden. Eine Hilfestellung in diesem Dilemma muss den Beteiligten bereits vorzeitig informieren, Schwellen\u00e4ngste abbauen und ihnen zur Bildung eines informierten Gewissens verhelfen, das sich auch in Grenzmomenten des Daseins in eine christlich-abendl\u00e4ndische Wertetradition gestellt wei\u00df und sein Handeln an diesen Vorgaben ausrichten will. So richtet sich diese Stellungnahme sowohl an Betroffene, denen die Frage nach vorzeitiger Beendigung des Lebens durch biografische Ereignisse nahe r\u00fcckt als auch an&nbsp;die an einem lutherischen Standpunkt interessierte \u00d6ffentlichkeit und postuliert eine&nbsp;\u201cAllianz gegen die Angst\u201d, die Sterbenden, Angeh\u00f6rigen und \u00c4rzten in der Gesellschaft Sinnangebote und Ausf\u00fchrungsvorschl\u00e4ge f\u00fcr die Entwicklung einer eigenen Position anbietet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>&nbsp;2.<\/strong>&nbsp;Allen sich in das Gewand von Fortschritt und Freiheit h\u00fcllenden Forderungen nach Freigabe der aktiven Euthanasie sollen wir als Christen kritisch und wachsam gegen\u00fcber stehen. Eine Gesetzesver\u00e4nderung nach niederl\u00e4ndischem bzw. belgischem Modell halten wir f\u00fcr einen gef\u00e4hrlichen Weg. Das T\u00f6tungstabu gerade den Schw\u00e4chsten gegen\u00fcber sollte&nbsp;in der Rechtsordnung verankert bleiben. Von daher lehnen wir jede Form der gesetzlichen Erm\u00f6glichung einer vorzeitigen Beendigung des Lebens ab.<br>Wir teilen die Bef\u00fcrchtungen der niederl\u00e4ndischen reformierten Kirchen, dass mit einer Liberalisierung der Gesetzgebung in dieser Frage eine schleichende Ver\u00e4nderung des gesellschaftlichen Klimas einhergeht. Wenn aktive Euthanasie eine normale Option wird, ist auf lange Sicht das Lebensrecht von Schwachen, Alten, Schwerkranken und Behinderten nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich. Die \u201eschiefe Bahn\u201c ist l\u00e4ngst betreten: das belgische Gesetz sieht Euthanasie auch f\u00fcr psychiatrische Patienten vor und solche, die sich nicht im terminalen Stadium einer&nbsp;Krankheit befinden. Die Grauzonen sind nicht verschwunden, sondern eher gr\u00f6\u00dfer geworden;&nbsp;die Akzeptanz auch von unfreiwilliger Euthanasie ohne Einwilligung nimmt zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3.<\/strong>&nbsp;Die \u00c4ngste der Menschen, nicht in W\u00fcrde sterben zu k\u00f6nnen, sind ernst zu nehmen. Die angemessene Antwort darauf kann aber nicht die Freigabe der aktiven Euthanasie sein, sondern&nbsp;die Verbesserung palliativer Ma\u00dfnahmen, effektive Schmerzbek\u00e4mpfung, der Ausbau von h\u00e4uslicher Pflege und Hospizen sowie eine st\u00e4rkere Beachtung des Patientenwillens.<br>Wir bef\u00fcrchten, dass die technische und billige L\u00f6sung der Euthanasie, zumal in Zeiten des Abbaus sozialer Leistungen in ganz Europa, die Bem\u00fchungen um eine menschliche Sterbebegleitung mit Hilfe der oben genannten Ma\u00dfnahmen konterkarieren wird.&nbsp; Ein \u201eRecht auf einen selbstbestimmten Tod\u201c gibt es nach christlichem Verst\u00e4ndnis nicht, wohl aber&nbsp; das Recht, im Sterben nicht allein gelassen zu werden, das Recht auf Schmerzlinderung und Basisversorgung und auf menschlichen Beistand, der solidarisch um die eigene Ohnmacht angesichts des Todes wei\u00df. Der Philosoph <em>Emmanuel L\u00e9vinas <\/em>spricht vom \u201eethischen Widerstand\u201c, dem \u201eWiderstand dessen, was keinen Widerstand leistet\u201c im Antlitz des Anderen, in dem mir der unbedingte Imperativ begegnet: \u201eDu sollst mich nicht t\u00f6ten\u201c und \u201eDu sollst mich im Sterben nicht allein lassen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4.<\/strong> Als Christen bem\u00fchen wir uns um differenziertes Denken und genaues Unterscheiden in den zur Diskussion stehenden Fragen. Wir bestehen auf dem fundamentalen ethischen Unterschied zwischen \u201esterben lassen\u201c und \u201et\u00f6ten\u201c, d.h. zwischen passiver und aktiver Euthanasie, auch wenn wir uns bewusst sind, dass es in der medizinischen Praxis strittige Situationen geben kann, z.B. in der Frage der Einstellung der k\u00fcnstlichen Ern\u00e4hrung bei Wachkoma-Patienten. Den Einsatz aller&nbsp;medizinisch m\u00f6glichen Mittel in aussichtslosen F\u00e4llen&nbsp; (\u201eaccanimento terapeutico\u201c) lehnen wir&nbsp;ab; er wird auch von keinem \u00e4rztlichen Kodex gefordert.<br>Entscheidend f\u00fcr die ethische Beurteilung ist nicht der physische Handlungsvorgang, sondern die&nbsp;Intention: im \u201eSterben lassen\u201c verzichtet der Arzt auf die Fortf\u00fchrung seiner Kunst in der Einsicht um die Grenzen der medizinischen Intervention, um der Natur ihren Lauf zu lassen; Ziel ist das \u201eSterben k\u00f6nnen\u201c. In der aktiven Euthanasie beh\u00e4lt er die letzte Gewalt \u00fcber Leben und Tod; Ziel des Handelns ist die Herbeif\u00fchrung des Todes. Dies widerspricht allen \u00e4rztlichen Kodices von der Antike bis heute. Wenn Euthanasie zum Handlungsrepertoire des Arztes wird, f\u00fcrchten wir unabsehbare&nbsp; Konsequenzen f\u00fcr das Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen Arzt und Patient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>5.<\/strong> Die Patientenrechte m\u00fcssen gest\u00e4rkt werden. Der Patient hat ein Anrecht auf vollst\u00e4ndige und&nbsp;wahrheitsgem\u00e4\u00dfe Information \u00fcber seinen Zustand. Er hat das Recht, im vollen Bewusstsein der Konsequenzen eine Behandlung abzulehnen. Patiententestamente geben bei nicht mehr einwilligungsf\u00e4higen Patienten wichtige Anhaltspunkte f\u00fcr den mutma\u00dflichen Willen. Dennoch ist der Arzt nicht nur Erf\u00fcllungsgehilfe des Patientenwillens: es kann von ihm keine unethische&nbsp;Handlung wie die T\u00f6tung auf Verlangen erwartet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>6.<\/strong> Wir verkennen nicht, dass es Grenzsituationen gibt. Diese m\u00fcssen als Ausnahmen und Einzelf\u00e4lle beurteilt werden und d\u00fcrfen gerade nicht als Argument f\u00fcr eine Aufweichung des in der Rechtsordnung verankerten T\u00f6tungstabus&nbsp; dienen. Gerade eine \u00e4u\u00dferste Gewissensentscheidung f\u00fcr eine Handlung der aktiven Euthanasie oder der Suizidbeihilfe braucht den Schutz von Freundschaft und Intimit\u00e4t sowie die Bereitschaft, das Recht zu verletzen und die Konsequenzen auf sich zu nehmen \u2013 in der Hoffnung auf die Gnade Gottes und im Vertrauen, mit der verantworteten Entscheidung auch vor den weltlichen Gerichten bestehen zu k\u00f6nnen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Pfarrkonferenz der ELKI \u2013 M\u00e4rz 2003<\/em><\/p>\n<\/div>\n\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n    <\/div>\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":36163,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"class_list":["post-36161","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - 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