{"id":36127,"date":"2025-02-16T11:39:12","date_gmt":"2025-02-16T10:39:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.chiesaluterana.it\/?page_id=36127"},"modified":"2025-02-16T11:44:50","modified_gmt":"2025-02-16T11:44:50","slug":"segnung-gleichgeschlechtlicher-paare","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.chiesaluterana.it\/de\/segnung-gleichgeschlechtlicher-paare\/","title":{"rendered":"Segnung gleichgeschlechtlicher Paare"},"content":{"rendered":"<section class=\"news-container\">\n    <div>\n        \n<figure style=\"margin-top:0;margin-bottom:0\" class=\"wp-block-post-featured-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1280\" src=\"https:\/\/www.chiesaluterana.it\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/coppie_omosessuali.jpg\" class=\"attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail wp-post-image\" alt=\"dettagli mani coppia che si tengono\" style=\"border-top-left-radius:35px;border-top-right-radius:35px;object-fit:cover;\" \/><\/figure>\n\n\n<div class=\"wp-block-group news-content has-nero-color has-bianco-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-51b086615f9580a670295f681370d7a3 has-global-padding is-layout-constrained wp-container-core-group-is-layout-ef45bfdb wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"border-bottom-left-radius:35px;border-bottom-right-radius:35px;padding-top:44px;padding-right:55px;padding-bottom:100px;padding-left:55px\">\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-container-core-group-is-layout-25e2a4be wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"padding-left:50px\">\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-container-core-group-is-layout-af9f0f3b wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"padding-right:130px\"><h1 style=\"font-style:normal;font-weight:600\" class=\"wp-block-post-title has-h-2-font-size\">Segnung gleichgeschlechtlicher Paare<\/h1>\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\"><div class=\"social-share__container\">\n    <div>\n        <p>Teilen<\/p>\n        <div class=\"social-share\">\n            <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.chiesaluterana.it%2Fde%2Fsegnung-gleichgeschlechtlicher-paare%2F\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><i class=\"icon-facebook-share\"><\/i><\/a>\n            <!--<a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?url=https%3A%2F%2Fwww.chiesaluterana.it%2Fde%2Fsegnung-gleichgeschlechtlicher-paare%2F&text=Segnung+gleichgeschlechtlicher+Paare\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><i class=\"icon-x\"><\/i><\/a>-->\n            <a href=\"https:\/\/t.me\/share\/url?url=https%3A%2F%2Fwww.chiesaluterana.it%2Fde%2Fsegnung-gleichgeschlechtlicher-paare%2F&#038;title=Segnung+gleichgeschlechtlicher+Paare\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><i class=\"icon-telegram\"><\/i><\/a>\n            <a href=\"https:\/\/wa.me\/?text=https%3A%2F%2Fwww.chiesaluterana.it%2Fde%2Fsegnung-gleichgeschlechtlicher-paare%2F\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><i class=\"icon-whatsapp\"><\/i><\/a>\n            <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/shareArticle?mini=true&#038;url=https%3A%2F%2Fwww.chiesaluterana.it%2Fde%2Fsegnung-gleichgeschlechtlicher-paare%2F&#038;text=Segnung+gleichgeschlechtlicher+Paare\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><i class=\"icon-linkedin\"><\/i><\/a>\n        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Positionspapier der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien<br>Von der Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien am 14. Mai 2011 mit Beschluss 2011\/7\u00a0 verabschiedet.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ELKI verabschiedet eine Stellungnahme zu Segen und Segnung von hetero- und homosexuellen Menschen in vielf\u00e4ltigen Partnerschaften. Im H\u00f6ren auf Gottes Wort und in der Wahrnehmung gesellschaftlicher Ver\u00e4nderungen nimmt sie ihre Aufgabe wahr, Christen auf ihrem Lebensweg zu begleiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Bereich von Ehe, Familie und gelebter Sexualit\u00e4t nehmen wir eine Vielfalt von Lebensgemeinschaften wahr, die Menschen verantwortlich und selbstbestimmt w\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verantwortlich gestaltete Lebensgemeinschaften sind angelegt auf Freiwilligkeit, Dauerhaftigkeit, Vertrauen und Gewaltfreiheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Homosexualit\u00e4t geh\u00f6rt zu den Auspr\u00e4gungen menschlicher Geschlechtlichkeit insgesamt; Homosexuelle erfinden ihre Pr\u00e4gungen nicht, sie finden sie vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daraus ergeben sich berechtigte Forderungen nach Gleichwertigkeit bis hin zur Gleichstellung von homosexuellen Lebensgemeinschaften, die die o.g. Merkmale verantwortlich gelebter Partnerschaft erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Segen Gottes l\u00e4sst alle Menschen Gottes Zuwendung leibhaft erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-viola-chiaro-color\">1. Einleitung: Standortbestimmung<\/mark><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Kirchen befinden sich heute in einem Prozess der Bewusstseinsbildung von gesellschaftlichen Entwicklungen und Bed\u00fcrfnissen in Ehe, Familie und gelebter Sexualit\u00e4t, die neu und anders in die kirchliche Realit\u00e4t einbezogen werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Synode der ELKI hat mit ihrem Beschluss 2010\/24 einen Meinungsbildungsprozess eingeleitet, der ein Positionspapier der Kirche zum Thema Segen in besonderen Lebenssituationen zum Ziel hat. Diese \u201dLebenssituationen\u201c betreffen Menschen, die in verbindlicher hetero- oder homosexueller Partnerschaft leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die rechtliche und kirchliche Verankerung von hetero- und homosexuellen Partnerschaften hat in verschiedenen L\u00e4ndern und Kirchen einen h\u00f6chst unterschiedlichen Stand der Wahrnehmung und Diskussion erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Mitglied des Lutherischen Weltbundes (LWB) sieht sich die ELKI hier eingebunden in einen Prozess der Lutherischen Kirchen, der 2007 mit dem Lund Papier \u201cEhe, Familie und menschliche Sexualit\u00e4t\u201d eingeleitet wurde und 2012 seinen Abschluss finden soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgende Stellungnahme ist das Ergebnis der Bewusstseinsbildung innerhalb der ELKI.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-viola-chiaro-color\">2.Gelebte Sexualit\u00e4t<\/mark><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Merkmale einer verantwortlich gelebten Beziehung sind angelegt auf Freiwilligkeit, Dauerhaftigkeit, Vertrauen und Gewaltfreiheit. Unbeschadet der sexuellen Pr\u00e4gung bleibt es Aufgabe jedes Menschen damit verantwortlich umzugehen. Die folgenden \u00dcberlegungen sind dazu hilfreich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>2.1. Homosexualit\u00e4t in der Humanwissenschaft<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die soziologische und psychologische Forschung, ebenso wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich eindeutig davon distanziert, dass Homosexualit\u00e4t eine krankhafte Form von Sexualit\u00e4t ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der wissenschaftlichen Bearbeitung dieser Frage, ob Homosexualit\u00e4t eine krankhafte Form von Sexualit\u00e4t sei, glaubte man f\u00fcr lange Zeit eine Ursache der Homosexualit\u00e4t in den lebensgeschichtlichen Umst\u00e4nden und Besonderheiten der Betroffenen finden zu k\u00f6nnen. So etwa in einer St\u00f6rung der sexuellen Identit\u00e4tsfindung beim Heranwachsen, oder z.B. durch Kontakt mit Homosexualit\u00e4t vor einer gefestigten sexuellen Pr\u00e4gung. Daraus ergab sich der Ansatz, dass Homosexualit\u00e4t durch Seelsorge und entsprechende Therapie beeinflussbar und behandelbar w\u00e4re und somit \u201egeheilt\u201c werden k\u00f6nne. Diese Theorie konnte wissenschaftlich nicht best\u00e4tigt werden, da sich eine sexuelle Identit\u00e4t auf sehr viel komplexeren Wegen bildet und festigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die genetische Verankerung, also eine biologische Determination, hat in der Diskussion nach der Ursache der Homosexualit\u00e4t eine Rolle gespielt. Der Enthusiasmus \u00fcber den Erkenntnisgewinn in der Genforschung hat dazu verleitet, genetisch definierte Ursachen als Grund f\u00fcr die Homosexualit\u00e4t zu vermuten. Diese Hypothese konnte wissenschaftlich nie best\u00e4tigt werden. Mittlerweile gelten monokausale Begr\u00fcndungen wie ein \u201everantwortliches Gen\u201c f\u00fcr einen so komplexen Sachverhalt als wissenschaftlich \u00fcberholt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch vermutete St\u00f6rungen des Hormonhaushaltes bei Homosexuellen waren Gegenstand von Untersuchungen, die keinen ernst zu nehmenden Beitrag in der Sache erbringen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der Grundlage der biomedizinischen Forschung zeigt sich, dass Homosexualit\u00e4t zu den Auspr\u00e4gungen menschlicher Geschlechtlichkeit geh\u00f6rt, also eine nat\u00fcrliche Gegebenheit darstellt. Aus diesen Gr\u00fcnden ist die moralische Verurteilung der Homosexualit\u00e4t durch nichts zu rechtfertigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Merkmale einer verantwortlich gelebten Beziehung sind angelegt auf Freiwilligkeit, Dauerhaftigkeit, Vertrauen und Gewaltfreiheit. Unbeschadet der sexuellen Pr\u00e4gung bleibt es Aufgabe jedes Menschen damit verantwortlich umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>2.2. Gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Homosexualit\u00e4t<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach wie vor ist Homosexualit\u00e4t in der Gesellschaft nicht allgemein akzeptiert; auch eine unkritische Lesart der Bibel tr\u00e4gt dazu bei. Das Einbringen biblischer Perspektiven in gegenw\u00e4rtige ethische Fragestellungen hei\u00dft u. E. nicht, nur das Vergangene w\u00f6rtlich zu wiederholen, sondern sich mit dem Kontext der Vergangenheit auseinanderzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zus\u00e4tzlich fordert der Respekt vor der Autonomie des Einzelnen in einer pluralistischen Gesellschaft die Toleranz und die Achtung von unterschiedlichen Formen der Lebensf\u00fchrung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter dem Begriff \u201eToleranz\u201c verbergen sich jedoch verschiedene Einstufungen, die<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>von blo\u00dfer Duldung \u00fcber<\/li>\n\n\n\n<li>die Gleichg\u00fcltigkeit bis hin zur<\/li>\n\n\n\n<li>Achtung vor dem Anderssein reichen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anerkennung bedeutet jedoch mehr als die h\u00f6chste Stufe dieser Einstufungen. Anerkennung vollzieht sich auf gleicher Augenh\u00f6he. Daraus ergeben sich Forderungen nach Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung bis hin zur Gleichstellung der Homosexualit\u00e4t in allen Lebensfragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>2.3. Rechtliche Rahmenbedingungen zu Fragen der Homosexualit\u00e4t in der EU, in Deutschland und in Italien<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Homosexualit\u00e4t gibt es seit Menschengedenken. Bereits im kaiserlichen China, im babylonischen Gilgamesch-Epos, in der griechischen Antike und im antiken Rom wird Homosexualit\u00e4t beschrieben. Man geht davon aus, dass ausschlie\u00dflich homosexuell gepr\u00e4gte Menschen in der Bev\u00f6lkerung (nach WHO) bei M\u00e4nnern 4%, bei Frauen 2% ausmachen. Kultur- und Sozialwissenschaftler nehmen an, dass dieser prozentuelle Anteil \u00fcber die verschiedenen Epochen hinweg relativ konstant geblieben ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Homosexualit\u00e4t stand jedoch immer im Blickfeld der Strafgesetzgebung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Erst 1963 hat der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte festgestellt, dass das Verbot einvernehmlicher Homosexualit\u00e4t zwischen Erwachsenen gegen die Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention verst\u00f6\u00dft.<\/li>\n\n\n\n<li>1994 hat das Europ\u00e4ische Parlament eine Entschlie\u00dfung zur Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben in der EU verabschiedet.<\/li>\n\n\n\n<li>2001 erfolgte in Deutschland durch das Gesetz \u00fcber die eingetragene Lebenspartnerschaft ein wichtiger Schritt f\u00fcr die zivilrechtliche und \u00f6ffentlich-rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen. Es wird die Eintragung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften erm\u00f6glicht, die dem Partner in wesentlichen Punkten eine dem Ehegatten vergleichbare Rechtsstellung verschafft (Erbrecht, Mietrecht, Namensrecht, Unterhaltsanspruch, Zeugnisverweigerungsrecht, Besuchsrecht im Krankenhaus), sich aber dennoch deutlich von der Ehe abgrenzt.<\/li>\n\n\n\n<li>Italien ist in der Umsetzung der Beschl\u00fcsse des Europ\u00e4ischen Parlamentes s\u00e4umig, sodass im Verglich zu anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern ein gro\u00dfer Nachholbedarf besteht. Insgesamt ist jedoch davon auszugehen, dass sich \u2013 wenngleich mit Verz\u00f6gerung \u2013 die in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern bew\u00e4hrten Regelungen auch in Italien durchsetzen werden.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ELKI bef\u00fcrwortet die Umsetzung der rechtlichen Regelungen von Lebenspartnerschaften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Christliche Perspektiven<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>3.1.&nbsp; Wie wir die Bibel lesen \u2013 hermeneutische Kl\u00e4rung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Christen ihre Bibel aufschlagen, tun sie dies im Vertrauen darauf, dass durch das vielgestaltige Zeugnis der Heiligen Schrift, Gottes Wort und Weisung heute vernehmbar werden. Zugleich ist deutlich, dass die biblischen Zeugnisse eine Geschichte haben. Die Suche nach Gottes Wort und Willen zu einer bestimmten Zeit hat konkrete Weisungen hervorgebracht, die nicht zu aller Zeit und nicht f\u00fcr alle Zeit uneingeschr\u00e4nkte G\u00fcltigkeit beanspruchen k\u00f6nnen. Die Bibel in ihrer vielgestaltigen und oft sogar widerspr\u00fcchlichen Form ist selbst ein Beispiel f\u00fcr diese nicht abrei\u00dfende Suche nach Gottes Weisung im jetzt und hier. Einzelne biblische Aussagen k\u00f6nnen so nicht isoliert als Gottes Wort f\u00fcr heute verstanden werden. Nicht umsonst schreibt Paulus deshalb: \u201eDer Buchstabe t\u00f6tet, der Geist aber macht lebendig\u201c (2 Kor 3,6). Zum sinnvollen und richtigen Verst\u00e4ndnis biblischer Aussagen muss deshalb ein Kriterium, ein Ma\u00dfstab gefunden werden, nach dem biblische Einzelaussagen beurteilt und eingeordnet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Martin Luther benennt als Zentrum und Ma\u00dfstab aller christlichen Verk\u00fcndigung \u201ewas Christum treibet\u201c (Martin Luther in der Vorrede auf die Episteln S. Jacobi und Judae, 1522); d.h. alles, was Gottes uneingeschr\u00e4nkte Liebe gegen\u00fcber seiner Sch\u00f6pfung und seinen Gesch\u00f6pfen zum Ausdruck bringt, kann als Mitte der Schrift angesehen werden. Insbesondere alttestamentliche Kult- und Reinheitsgebote haben deshalb f\u00fcr den christlichen Glauben ihre praxisleitende Funktion verloren. Pointiert kann Martin Luther 1525 schreiben: \u201eKein P\u00fcnktlein geht uns an bei Mose.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>3.2. \u201eHomosexualti\u00e4t\u201c im Zeugnis der Schrift<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem oben beschriebenen Hintergrund ist es nicht ausreichend, einzelne Bibelstellen zum Thema \u201eHomosexualit\u00e4t\u201c f\u00fcr die ethische Beurteilung derselben heranzuziehen. Richtig ist zun\u00e4chst, dass in der Bibel homosexuelle Praktiken eindeutig verurteilt werden. Zu nennen sind da: Leviticus 18,22; 20,13; R\u00f6mer 1,24ff; 1. Kor.,6,9ff. Wichtig ist jedoch, diese Praktiken, bei denen in der Regel keine gleichberechtigten Partner beteiligt waren, nicht mit dem zu verwechseln, was wir heute unter Homosexualit\u00e4t verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im einzelnen gilt es dazu zu bedenken:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die aus dem Buch Leviticus stammenden Beurteilungen homosexueller Praktiken sind im Zusammenhang der israelitischen Kult- und Reinheitsgebote zu sehen, die f\u00fcr christliches Leben keine Handlungsrelevanz mehr haben. Wer einzelne dieser Gebote f\u00fcr weiterhin relevant und g\u00fcltig h\u00e4lt, m\u00fcsste nach dem Selbstverst\u00e4ndnis dieser Texte alle diese Gebote gleicherma\u00dfen f\u00fcr g\u00fcltig halten. Doch welche Relevanz hat heute zum Beispiel folgendes Gebot: \u201eLege kein Kleid an, das aus zweierlei Faden gewebt ist\u201c ( Lev 19,19c)?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So antwortet Jesus, als er nach dem h\u00f6chsten Gebot gefragt wird ( Mt 22,34-40), mit zwei Zitaten aus der Thora. Das zweite Zitat stammt aus dem Buch Leviticus. Ein Zitat, das nach Jesu Verst\u00e4ndnis \u201eGesetz und Propheten\u201c, also die ganze Thora, besser zusammenfasst als alle Ge- und Verbote im Einzelnen:\u201eDu sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst\u201c (Lev 19,18). Also nicht das einzelne Kult- und Reinheitsgebot der Thora ist entscheidend, sondern die Gesamtrichtung des Handelns.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die von Paulus in R\u00f6mer 1,24ff verurteilte \u201eHomosexualit\u00e4t\u201c ist im Zusammenhang seiner Argumentation zu lesen. Alle Menschen k\u00f6nnen gleicherma\u00dfen ohne Ausnahme in ihrer schuldhaften Gebrochenheit dem Willen Gottes nicht entsprechen und bed\u00fcrfen der Rechtfertigung Gottes. Paulus hat dabei nicht das Thema der Homosexualit\u00e4t an sich im Blick, sondern eine fehlgeleitete Gottesverehrung, f\u00fcr die er als Beispiel homosexuelle Praktiken anf\u00fchrt. Verst\u00e4ndlich sind die paulinischen Aussagen nur auf dem Hintergrund heidnischer Kultprostitution als Beispiel f\u00fcr G\u00f6tzendienst. Die von Paulus genannten sexuellen Handlungen fanden weder unter gleichberechtigten Partnern statt, noch waren sie Ausdruck verantwortlich gestalteter Sexualit\u00e4t. Ohne diesen heidnisch-kulturellen Hintergrund hat das paulinische Urteil \u00fcber Homosexualit\u00e4t keinen Bestand.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>3.3. Ehe, Familie und Sexualit\u00e4t<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach biblischem Verst\u00e4ndnis vollzieht sich menschliches Leben als Leben jenseits von Eden. M\u00e4nner und Frauen leben \u201enach dem Fall\u201c, also in einem Zustand, der von Zerrissenheit und Schuld gepr\u00e4gt ist. Auch menschliche Sexualit\u00e4t findet nicht mehr im Garten Eden statt. Die S\u00fcndenfallgeschichte erz\u00e4hlt davon, wie Gott, nachdem Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen haben, das Leben beschreibt, das sie nun erwartet. Von M\u00fchsal und Schmerz, von Dornen und Disteln werden Arbeit und Leben gepr\u00e4gt sein. Unter diesem \u201ejenseits von Eden\u201c steht alles Nachdenken \u00fcber Liebe, Partnerschaft und Ehe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vielzahl der Lebens- und Beziehungsformen, die wir heute vorfinden, ist eine Konsequenz unserer br\u00fcchigen Existenz. Immer wieder neu machen sich M\u00e4nner und Frauen auf die Suche nach tragf\u00e4higen und belastbaren Beziehungsformen. Die Ehe ist davon die grundlegende Form. Daneben gibt es jedoch andere Lebensformen von verantwortlich gelebter Partnerschaft. Kirchliche Aufgabe ist es, Menschen in all diesen Lebensformen zu begleiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>3.4. Zum Segen und zur Segenspraxis<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ursprung des Segens ist immer Gott, von ihm geht aller Segen aus. In ihm erfahren Menschen die bedingungslose Zuwendung Gottes. Gott segnet Menschen in ihrer jeweiligen Geschichte und schenkt ihnen durch seine Zuwendung eine dankbare Sicht auf ihr Leben. So k\u00f6nnen sich Menschen durch Gottes Segen unabh\u00e4ngig vom Urteil Anderer als geliebte und akzeptierte Gesch\u00f6pfe erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Zuwendung Gottes kann nur empfangen werden. Der einzelne kann sich Gottes Segen nicht selber zusprechen, sondern muss ihn vom anderen zugesprochen bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der kirchliche Begriff des Segens ist abzugrenzen vom umgangssprachlichen Gebrauch. Beim Segnen geht es nicht darum, menschliche Verhaltensweisen und Beziehungen abzusegnen. Vielmehr soll der Segen Menschen auf ihrem Lebensweg ermutigen und st\u00e4rken, das eigene Leben dankbar wahrzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der kirchlichen Tradition werden Menschen in unterschiedlichsten biografischen Situationen nicht nur seelsorgerlich begleitet, sondern auch gesegnet. Solche Segensriten zum \u00dcbergang finden wir au\u00dfer bei der Segnung eines Paares auch f\u00fcr Menschen in Krankheitszeiten und Krisen, auch bei Abschieden und bei Neuanf\u00e4ngen. Menschen sollen sich in \u00dcbergangssituationen ihres Lebens und in Krisenzeiten auf die segnende N\u00e4he Gottes verlassen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Segnung eines Paares passt sich so in eine Kultur des Segnens ein, die sich an der Vielfalt von \u00dcbergangssituationen im Verlauf eines Menschenlebensorientiert. Die Segnung, in der Gottes Zuwendung und sein Geleit zugesprochen werden, gilt deshalb auch Lebensgemeinschaften, die auf Dauer angelegt sind und verantwortlich gelebt werden, seien sie hetero- oder homosexuell. Die Segnung zu Beginn des gemeinsamen Weges soll diesen Paaren&nbsp; innere Kraft&nbsp; schenken, ihre Partnerschaft in ethischer Verantwortung zu gestalten und unter dem Beistand Gottes zu leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So gesehen ist der Segen ein Schatz, der uns als Kirche anvertraut ist. Diesen Schatz darf die Kirche keinem Menschen, der um den Segen bittet, vorenthalten. Die Grundbotschaft der Bibel, dass Gottes Wirken, dass sein Segen st\u00e4rker ist als Angst und Tod, gilt vorraussetzungslos f\u00fcr alle Menschen, unabh\u00e4ngig von ihrer Lebensform.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Indem die Kirche Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation segnet, bringt sie die volle Akzeptanz der Gesegneten zum Ausdruck. Dies gilt uneingeschr\u00e4nkt auch f\u00fcr kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Pastorinnen und Pastoren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>3.5. Gottesdienstliche Begleitung von Menschen in besonderen Lebenssituationen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Segnungen finden als \u00f6ffentliche Gottesdienste oder in \u00f6ffentlichen Gottesdiensten statt. Sie geschehen in einer liturgischen Form, die sich von der einer Trauung klar unterscheidet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Segenshandlung kann stattfinden, wenn:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>mindestens einer der Partner\/Partnerinnen Mitglied der ELKI oder Mitglied einer mit ihr in voller Kirchengemeinschaft stehender Kirche ist.<\/li>\n\n\n\n<li>der Kirchenvorstand der betr. Gemeinde vor Ort seine Zustimmung gegeben hat.<\/li>\n\n\n\n<li>der Pfarrstelleninhaber\/ die Pfarstelleninhaberin, der\/die Segnung vollziehen soll, seine\/ihre Zustimmung gibt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die KommissionChristiane Groeben (Vorsitzende),&nbsp;Uwe Habenicht,&nbsp;Oswald Mayr,&nbsp;Ingrid Rauh,&nbsp;Lore Sarpellon<\/em><\/p>\n<\/div>\n\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n    <\/div>\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":36130,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"class_list":["post-36127","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Segnung gleichgeschlechtlicher Paare - 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