Die Schutzhütte in Bozen - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Die Schutzhütte in Bozen

„Schutzhütte B 1 Refugio“ und von Projekt „Dorea“ aus Bozen: Freiwillige der Zivilgesellschaft

Eine Gruppe von sechs Frauen, das ist der harte Kern der Hilfsorganisation „Schutzhütte B1 Refugio“ aus Bozen. Eine von ihnen ist Caroline von Hohenbühel, Kuratorin der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde Bozen und ehemalige Schatzmeisterin der ELKI. Entstanden ist die Gruppe im Frühjahr 2015 aus dem Flüchtlingsnotstand in Bozen, als hunderte von Menschen auf dem Weg nach Norden von Österreich immer wieder abgewiesen und zurückgeschickt wurden und aller Hoffnung beraubt, in Bozen am Gleis 1 des Bahnhofs strandeten. Aus der Erstversorgung mit allem Nötigsten am Bahnhofsgleis entwickelte sich ein mehr und mehr ausgereiftes Konzept, nicht nur der Flüchtlingshilfe, sondern der Hilfe für die Bedürftigsten der Gesellschaft.

Der Fokus von „Schutzhütte B 1 Refugio“, B1 steht für binario 1, das italienische Wort für Gleis, liegt auf jenen, die durch alle Maschen fallen. Das können Migranten sein, ebenso wie misshandelte Frauen oder Obdachlose, aus der Bahn geworfene Menschen. Gemeinsam haben sie, was sie nicht haben: Obdach, Arbeit, Rechte, das Lebensminimum, ein warmes Essen, jemanden an ihrer Seite. Caroline von Hohenbühel: „Wir helfen vulnerablen Migranten, die nirgends aufgenommen werden und auf der Straße ohne Hilfe landen – wir geben Ihnen eine Stimme und kämpfen für ihre Rechte. Wir machen Lösungsmöglichkeiten dieser Probleme vor.“ Die Schutzhütte will vor allem auch den öffentlichen Stellen zeigen, dass es sehr wohl Wege gibt, auch diesen Menschen zu helfen und sie im günstigsten Fall zur Gesellschaft zurückzuführen.

Nach dem Bahnhofsnotstand konnte Schutzhütte für ein Jahr lang ein Haus für Migranten mit Wohnraum und als Anlaufpunkt ein Büro und eine qualifizierte Kraft zur Verfügung zu stellen, um Hilfe zu leisten bei Asylanträgen, beim Regeln von Dokumenten usw. Sprachkurse in beiden Südtiroler Landessprachen wurden angeboten, Menschen wurden auf Schule bzw. den Arbeitsmarkt vorbereitet, ärztliche Betreuung, Wohnungen und Arbeitsplätze vermittelt.

Im Winter 2019/20 und bis zum Ende des ersten Lockdowns, kam ein weiteres Mosaikstück dazu. Das Winterhaus. Eine Winternotschlafstelle, wo 50 Obdachlose und Migranten, darunter viele Frauen, von 100 Freiwilligen betreut wurden. Diese Erfahrung wurde in einem im Dezember 2020 herausgekommenen Buch verarbeitet: Das Winterbuch, herausgegeben von Caroline von Hohenbühel, Maria Lobis, Marion Maier und Rudolf Nocker.

Aus dem Winterhaus ging das Projekt Dorea für obdachlose Frauen hervor. In einer Wohnung werden zurzeit fünf Frauen betreut und auf den Arbeitsmarkt vorbereitet, zusammen mit weiteren Frauen nehmen sie an FSE-Kursen teil. Die Einkünfte aus dem Winterbuch sind in das Projekt Dorea investiert worden.

Im wieder von Corona gezeichneten, selbst für Südtirol außerordentlich kalten Winter 2020/21, verwirklichte das Team von Schutzhütte ein weiteres Projekt: eine temporäre Tagesstätte. Wo die Stadt Bozen und das Land Südtirol versagten, hatten die Freiwilligen der Schutzhütte Erfolg. Sie eröffneten im Pfarrheim der Dompfarre in Bozen eine Tagesstätte für insgesamt 180 Obdachlose. In den meisten Flüchtlings- und Obdachlosenunterkünften kommen die Menschen nur für die Nacht unter und so müssen sie tagsüber bei Eiseskälte im Freien ausharren. Die Freiwilligen der Schutzhütte verteilten insgesamt 180 Ausweise an Menschen, die damit das Recht erwarben, sich für mehrere Stunden in der Tagesstätte aufzuhalten, wo ihnen neben warmem Tee und Keksen auch Sprachkurse, Hilfe bei der Erstellung eines Lebenslaufs und Arbeitsvermittlung angeboten wurde. Es gab auch einen Computer, der abwechselnd benutzt werden konnte. Rund 50 Freiwillige hatten während fast drei Monaten täglich vier oder mehr Turnusse abgedeckt.

Die Tagesstätte ist seit Anfang März geschlossen, aber Caroline von Hohenbühel und das Team der Schutzhütte sind schon wieder am Planen. Sie hoffen in Kürze zwei weitere Wohnungen für das Projekt Dorea zur Verfügung stellen zu können. In einem alten Hof in Bozen sollen vier obdachlose Männer aus dem Bahnhofspark in Bozen unterkommen. In Blumau, wenige Kilometer nördlich von Bozen, wird in Zukunft ein ganzes Haus für das Projekt Dorea und Familien in Wohnungsnot zur Verfügung stehen. Im ersten Stock sollen die Frauen unterkommen, die Betreuung brauchen, in den beiden oberen Stockwerken ist Platz für vier Familien, die Arbeit aber keine Wohnung haben.

Schutzhütte und Dorea werden finanziell von der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde Bozen aus Mitteln des 8xMille Fonds und vom Lutherischen Weltbund, LWB, unterstützt. Auch von Seiten der EKD und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien ELKI haben die Freiwilligen Nothelfer aus Bozen Unterstützung erfahren.

nd

30.03.2021