
Der CO₂-Fußabdruck des Krieges
Wie sehr die Umwelt durch Kriege belastet wird? Das Umweltnetzwerk versucht, die Auswirkungen von Kriegen auf die Schöpfung zu erklären.
Kriege und die Schöpfung
Wie sehr verschmutzt ein Krieg die Umwelt? Das lässt sich nicht leicht sagen; dennoch können wir versuchen, ein Gesamtbild zu rekonstruieren. Dabei haben wir uns auf Daten gestützt, die von Climatalk* und Scientists for Global Responsibility (SGR)° gesammelt wurden.
Zunächst ein Paradoxon: Der Krieg ist einer der größten CO₂-Emittenten weltweit und bleibt dennoch nahezu vollständig aus der globalen Klimabilanz ausgeklammert. Dies geht auf das Kyoto-Protokoll von 1997 zurück, das auf Wunsch der USA die Emissionen des Verteidigungssektors nicht in die Berechnung des CO₂-Fußabdrucks einbezieht. Das nachfolgende Pariser Abkommen von 2015 hat diese Ausnahmeregelung zwar aufgehoben, doch bleibt die Meldung dieser Daten freiwillig; daraus ergibt sich, dass nahezu kein Land davon berichtet. Es wird geschätzt, dass militärische Aktivitäten in einem Jahr etwa 5,5 % der globalen Emissionen ausmachen – ein Anteil, der dem der zivilen Luftfahrt entspricht.
Ein alarmierender Rekord
SGR beziffert die Emissionen aus militärischen Aktivitäten auf 500 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr, also etwa 1 % des globalen Gesamtwerts; die Gesamtschätzung des militärischen CO₂-Fußabdrucks erreicht 2.750 Millionen Tonnen. Würden die Streitkräfte der Welt als ein einziges Land betrachtet, läge dieses Land weltweit an vierter Stelle bei den Treibhausgasemissionen.
An dieser Stelle betrachten wir die Situation in Bezug auf die Konflikte in der Ukraine, in Gaza und im Iran.
- Ukraine – In den ersten sieben Monaten des Konflikts in der Ukraine wurden die direkten Emissionen auf etwa 100 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente geschätzt. Die drei wichtigsten Faktoren waren: 1) der Wiederaufbau nach dem Konflikt (50 %; dies ist eine Vorausabschätzung dessen, was nach dem Krieg wieder aufgebaut werden muss, nämlich zerstörte Gebäude (Beton und Stahl mit sehr hoher CO₂-Belastung bei der Herstellung), die Wiederherstellung von Infrastruktur wie Brücken, Straßen und Eisenbahnen, der Wiederaufbau von Energie- und Industrienetzen sowie die Sanierung kontaminierter oder verwüsteter Gebiete); 2) Waldbrände (24 %) undn 3) Methanverluste aus den beschädigten Nord-Stream-Gaspipelines (15 %).
- Gaza – In den ersten 15 Monaten des Krieges Israels in Gaza überstiegen die Emissionen 31 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Zudem wird geschätzt, dass allein die CO₂-Kosten für den Wiederaufbau des Gazastreifens die jährlichen Emissionen von 135 Ländern zusammen übertreffen werden.
- Iran – Der Krieg im Iran verursacht in diesem März 2026 eine schwere Umweltkatastrophe, die von Experten als eine atmosphärische „Ölkatastrophe“ beschrieben wird – ausgelöst durch Bombardierungen von mehr als 30 Energieanlagen, darunter Lagerstätten und Raffinerien. Der Konflikt führt zu massiver Umweltverschmutzung mit unmittelbaren Folgen für die öffentliche Gesundheit und das Ökosystem und wird von einigen Beobachtern als regelrechter „Ökozid“ bezeichnet. Die wichtigsten Ursachen und Schadstoffe sind:
- Black Carbon und Ruß: Die unvollständige Verbrennung von Erdöl und seinen Derivaten setzt enorme Mengen an Black Carbon (feine atmosphärische Partikel, PM2.5) frei, die in Lunge und Blut eindringen und Schwermetalle wie Nickel und Vanadium transportieren.
- Giftige Gase: Ölbrände setzen außerdem Schwefeldioxid, Stickoxide, Benzol und andere hochgiftige flüchtige organische Verbindungen frei.
- Saurer Regen: Die Bombardierungen führen zur Bildung von saurem Regen, der die Umwelt zusätzlich schädigt.
Die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt treten sofort auf, können jedoch jahrzehntelang anhalten, da die Schadstoffe, die heute Atemwegserkrankungen und ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko verursachen, Böden und Grundwasser kontaminieren.
Bislang wurden infolge der Angriffe auf nukleare Anlagen keine erhöhten Strahlenwerte festgestellt.
Anna Belli, Rom
Note e riferimenti
*Climatalk: eine in Österreich registrierte Non-Profit-Organisation mit über 100 Mitarbeitenden aus mehr als 30 Ländern. Die meist jungen Mitwirkenden sind Fachleute aus verschiedenen Disziplinen und möchten junge Menschen dabei unterstützen, sich für den Umweltschutz einzusetzen. Offizielle Website: http://climatalk.org
°Scientists for Global Responsibility (SGR): eine unabhängige, im Vereinigten Königreich registrierte Organisation, die sich mit den Beziehungen zwischen Wissenschaft, Design und Technologie einerseits sowie militärischen, ökologischen und politischen Aspekten andererseits befasst. Zu ihr gehören Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Sozial- und IT-Fachleute sowie Architektinnen, Architekten und Ingenieurinnen und Ingenieure. Offizielle Website: https://www.sgr.org.uk/