Theologische Grundlagen - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Theologische Grundlagen

  • Die Evangelisch-Lutherische Kirche wurzelt in der Einen, Apostolischen, Heiligen und Allgemeinen Kirche, derer legitime und unmittelbare Erbin sie ist. Ihre Geschichte umfasst damit auch das historische Zeitalter der Kirche der Apostel bis zur Reformation selbst im 16. Jh.. Das Handeln Martin Luthers hatte nicht die Gründung einer neuen Kirche zum Ziel, sondern die Reformation der bestehenden Kirche. Grundsätzlich erkannte Martin Luther die historischen Traditionen der Kirche als gültig an, er wollte lediglich diejenigen abschaffen, die im Kontrast zur Botschaft des Evangeliums standen. Noch heute bezeugen Liturgie, Theologie, Verfassung und Kunst das reiche Erbe der 2000jährigen Geschichte des Christentums.
  • Die Hauptbotschaft ist die Rechtfertigung aus Gnade allein durch den Glauben. Wie können wir Gott recht sein? Was gibt unserem Leben seinen höchsten Sinn und Wert? Die Antwort ist, dass der Mensch keine Möglichkeit hat, seine Egozentrik zu überwinden und zu Gott aufzusteigen. Gerechtigkeit, Sinn und Wert können ihm nur als Gabe Gottes verliehen werden. Gott selbst ist in Jesus Christus Mensch geworden und hat am Kreuz Sünde und Tod besiegt, damit alle, die an ihn glauben, gerettet werden. Gott rechtfertigt den Menschen nicht aufgrund seiner etwaigen Verdienste, sondern weil er ihn liebt, ohne dafür jegliche Gegenleistung zu verlangen. Was kann der Mensch dem Heilswerk Gottes hinzufügen? Nichts! Er kann sich nur dem Werk Gottes anvertrauen! Der Glauben vereint den Gläubigen mit Christus und lässt ihn an dessen Liebe, dessen Gerechtigkeit und dessen ewigen Leben teilhaben. Kurz gesagt: allein aus Gnade, allein aus Glauben, allein Christus. Sola gratia. Sola fide. Solus Christus.
  • Allein die Bibel besitzt Autorität in Glaubensfragen: sola scriptura. Luther gründet seine Reformation auf die Bibel, die er der päpstliche Autorität entgegensetzt: die menschliche Stimme kann nicht über dem Wort Gottes stehen. Luther bestreitet allerdings nicht, dass die Bibel von Menschenhand geschrieben wurde. Und in gewissem Maße nahm er den geschichtskritischen Ansatz vorweg. Die Bibel ist nicht einfach identisch mit dem Wort des lebenden Gottes: Die Bibel bezeugt Gottes Wort, verkündet es und lässt es aktuell werden: Auf diese Weise wird die Schrift selbst zum Wort Gottes. Im Mittelpunkt der Bibel steht das Evangelium Jesu Christi, das als Interpretationsschlüssel dient und dessen volle Geltung in der Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium deutlich wird.
  • Alle Glaubenden nehmen am Priestertum aller Gläubigen teil. Jesus Christus ist der alleinige Mittler zwischen Mensch und Gott. Durch ihn hat jeder Glaubende ein direktes Verhältnis zu Gott. Durch die Taufe und den Glauben nehmen alle Glaubenden am Priestertum der Gläubigen teil. Es besteht keinerlei wesentlicher qualitativer Unterschied zwischen den Pfarrern und Pfarrerinnen und den anderen Mitgliedern der Kirche. Der einzige Unterschied liegt in der Funktion und ist repräsentativer Art. Aus diesem Grund leben die Pfarrer und Pfarrerinnen ein „normales“ Leben: Sie können, zum Beispiel, heiraten. Alle anderen üben ihr Priestertum durch die Verkündigung des Evangeliums in Familie, Freundeskreis, Arbeitsumfeld und in manchen Fällen auch in der Öffentlichkeit aus, wenn die Kirche sie als LaienpredigerIn beauftragt.
  • Die Kirche ist die Versammlung der Gläubigen. Nicht der Klerus bildet die Kirche, zu der die Gläubigen beitreten können oder auch nicht, sondern alle Glaubenden sind Leib Christi und Volk Gottes und bilden somit die Kirche. Die äußeren Zeichen der Kirche sind die Verkündigung des Evangeliums und die Verwaltung der Sakramente, weil durch sie der Geist den Glauben an Jesus Christus wachsen lässt, und die Glaubenden die Kirche bilden. Allein diese zwei Kennzeichen der Kirche, Evangelium und Sakramente,  sind von Gott gegeben und unabdingbar. Die Organisation der Kirche, die Ämter und die Riten sind menschliche Traditionen, die sich in verschiedenen Zeitaltern und Kulturen ändern können. In den lutherischen Kirchen gibt es im allgemeinen Bischöfe und Hierarchien, die allerdings in einen demokratischen und synodalen Prozess eingebunden sind.
  • Der Glaubende handelt aus seinem Glauben heraus. Der Gerechtfertigte ist frei: Frei, weil er unter der Gnade Gottes lebt und nicht mehr unter dem Gesetz; frei, weil er seiner Existenz nicht mehr einen Sinn und eine Rechtfertigung geben muss, und sich also seinem Nächsten zuwenden kann. Im Mittelpunkt der lutherischen Ethik steht die Befolgung des ersten Gebots, das besagt, Gott über Alles zu lieben und seinen Willen zu befolgen. Das bedeutet nicht, sein Leben nach einer Liste mit Regeln auszurichten, sondern, es im Lichte der Liebe Christi zu gestalten und frei und verantwortungsbewusst im Sinne des Nächsten zu handeln. Im täglichen Leben dient der Christ, sowohl in der Kirche als auch in der Familie und im Arbeitsumfeld, Gott und dem Nächsten, und wird so Mitarbeiter Gottes in der Welt.
  • Die Evangelisch-Lutherische Kirche ist eine ökumenische Kirche. Die Kirchenspaltung steht im Kontrast zu ihrer Grundlage, d.h. zur einen Kirche in Jesus Christus. Die lutherische Kirche fühlte sich schon immer zur Ökumene berufen, was für sie heißt, Christus in den Mittelpunkt zu stellen. Das Ziel der Ökumene ist nicht alle Kirchen in einer einzigen kirchlichen Institution zu vereinen, sondern die gegenseitige Anerkennung und eine Struktur synodaler Art, in der die Besonderheiten der einzelnen Kirchen nebeneinander bestehen und kein Grund für eine Spaltung sind. Mit den evangelisch-reformierten Kirchen haben die Lutheraner die volle gegenseitige Anerkennung erreicht. Dasselbe gilt für die lutherischen Kirchen in Skandinavien und die anglikanische Kirche in England. Mit der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen vereint uns der gemeinsame Glauben der ersten Jahrhunderte. Nach der Reformation hat die römisch-katholische Kirche leider viele das Papsttum und die Rolle der Kirche betreffenden Dogmen, aufgestellt, die uns trennen. Diese Schwierigkeiten bestehen nicht im Dialog mit den orthodoxen Kirchen, in Bezug auf die allerdings die trennende Rolle der verschiedenen Traditionen und Kulturen verstehend überwunden werden muss.