Ehe

 

Nach lutherischem Verständnis ist die Ehe kein Sakrament, aber sie ist deshalb für uns nicht von geringerer Bedeutung.  Vor Gott und der (Hochzeits-) Gemeinde versprechen Mann und Frau einander Liebe und Treue bis zum Ende ihres Lebens und empfangen den Segen Gottes für den gemeinsamen Weg.
Trotz allem, was dagegen spricht, finden Paare in großer Zahl nach wie vor den Mut, sich auf das lebenslange Abenteuer Ehe einzulassen. Wir finden das gut, ermutigen dazu und möchten die Paare nach Kräften bei der Verwirklichung ihres Entschlusses unterstützen. Die Institution der Ehe ist gerade deshalb eine Hilfe zur Gestaltung des gemeinsamen Lebens, weil sie nicht von jedem Paar neu erfunden werden muss, sondern einen vorgegebenen Raum anbietet, den das Paar bei der Hochzeit betritt. Dieser Raum muss dann aber von dem Paar gestaltet werden und das bleibt eine lebenslange Aufgabe. Das Trauversprechen in Verbindung mit dem gelebten Glauben an die Verheißungen Gottes gibt die notwendige Kraft dazu.

In der Praxis finden bei uns sehr verschiedene Formen von Trauungen statt. Oft sprechen die Paare unterschiedliche Sprachen, kommen manchmal aus fernen Ländern und nicht selten gehören sie unterschiedlichen Konfessionen an. Voraussetzung für eine Trauung oder einen Gottesdienst zur Eheschließung bei uns ist die Mitgliedschaft zumindest von einem der beiden Partner in einer lutherischen oder mit ihr verbundenen Kirche. Das Pfarramt der Heimatgemeinde muss zustimmen. Die konkreten Fragen der Vorbereitung, sowohl was das Verständnis der Ehe als auch was den Ort und die Form der Trauung betrifft (auch konfessionsverbindende Trauungen im Zusammenwirken mit einem römisch-katholischen Priester sind von uns aus möglich), werden vorher langfristig im persönlichen Gespräch mit dem Pfarrer geklärt.

Gelegentlich wird in diesem Zusammenhang die Frage nach der Haltung unserer Kirche zur Scheidung gestellt. Ohne damit in Frage zu stellen, dass das Trauversprechen gilt „bis der Tod euch scheidet“, müssen wir erkennen, dass Menschen schuldig werden und Ehen scheitern.  Im Vertrauen auf die Vergebung Gottes und in der Hoffnung auf einen neuen Anfang ist unsere Kirche deshalb bereit – wenn die Fragen des Scheiterns geklärt sind – auch Geschiedene zur Trauung zuzulassen.