
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Matthäus 5,9)
So lautet eine der neun Seligpreisungen, die Jesus in seiner Predigt auf dem Berg ausgesprochen hat. Vielleicht die, die von allen diesen Sätzen am öftesten und am lautesten wieder aufgenommen und ausgesprochen wurde in den 2000 Jahren seitdem. Weil Frieden immer wieder und an so vielen Orten dieser Welt fehlt. Und natürlich auch, weil so ziemlich alle Menschen dieses Ziel erreichen möchten: in Frieden leben.
Nur, wann ist eigentlich eine Situation erreicht, die man dann Frieden nennen kann? Ganz sicher noch lange nicht, wenn die Waffen schweigen. Mit dem Aufhören des Schießens ist kein Frieden erreicht, sondern nur ein erster Schritt in diese Richtung gegangen. Dem werden viele weitere folgen müssen, um irgendwann an einen Moment zu gelangen, den man dann als Frieden bezeichnen kann. Auf so einem schwierigen Weg befinden sich gerade die Menschen, die in Israel und Palästina leben. Wir können hoffen, beten und sie dabei unterstützen, dass es gelingen möge.
Wenn schon das Ziel „Frieden“ schwer zu definieren ist, um wieviel mehr unterscheiden wir Menschen uns bei der Wahl der Mittel, um dorthin zu kommen.
„Frieden schaffen ohne Waffen“ lautete das Motto meiner Jugend. Unterm Strich hat es funktioniert: die Bundeswehr wurde immer kleiner, die Zahl ihrer Waffen verringerte sich und die Jahrzehnte, die ich in Westeuropa erlebte, waren für mich Frieden.
Jetzt gerade ändern sich die Zeiten oder zumindest die Stimmen und Meinungen: Frieden schaffen geht nur mit mehr Waffen, rufen sie und entsprechend handeln die Mehrheiten. Wiedereinführung der Wehrpflicht, Ausbau der Rüstungsindustrie, Vorbereiten für den Ernstfall sind die neuen Schritte.
Und nun?
Vielleicht ist die Zahl der Waffen überhaupt nicht entscheidend, sondern die Zahl der Menschen, die Frieden stiften. Die müssen wir erhöhen, nicht, indem wir Programme erfinden, sondern indem jede und jeder von uns damit bei sich beginnt. Jeden Tag, an dem ich das Haus verlasse, gerate ich in Situationen, in denen ich Frieden stiften kann. Ich muss sie nur erkennen und bereit sein, zu handeln: ein Lächeln, ein Blickkontakt, ein fröhlicher Gruß zu einem anderen Menschen. So beginnt Frieden.
Selig sind, denen das jeden Tag gelingt!
Carsten Gerdes, Pastor in Ispra-Varese und Dekan der ELKI