
Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und sie es in Fülle haben. (Joh.10,10)
Andacht von Pfarrerin Kirsten Thiele
Leben in Fülle – was bedeutet das eigentlich? Fülle steht zwischen den beiden anderen Polen: auf der einen Seite Überfülle und auf der anderen Seite Mangel.
Überfülle kennen wir, meine Generation ist in Überfülle aufgewachsen, von allem genug und mehr als genug. Die Generation davor ist in Mangel aufgewachsen, in und nach dem Krieg.
Und jetzt, wo Mangel wieder Gesprächsthema wird – es mangelt ja an allem Möglichen, und der Krieg steht vor der Haustür – da merken wir, dass Überfluss auf der einen Seite immer mit Mangel auf einer anderen Seite zu tun hat. Wer zu viel hat, hat es auf Kosten anderer, oft auf der anderen Seite der Erde. Oder auf der anderen Seite der sozialen Skala. Weder das Eine noch das Andere tut uns gut, und Jesus verheißt dagegen eben: Fülle.
Weder zu viel, noch zu wenig. Sondern eben genug, durchaus reichlich, aber für ALLE.

Die Sicherheit und der Überfluss sind abhandengekommen. Und sie können nicht einmal mehr ansatzweise überdecken, was dahinter durchscheint: Den Wunsch nach einem erfüllten Leben. Voller Trost und Zufriedenheit. Gefüllt mit Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit.
Mit Menschenliebe und Toleranz. Und das ist harte Arbeit. Denn wir sind anders aufgewachsen. Vielleicht sollten wir doch wieder einmal mehr auf das schauen, was Jesus und mit ihm viele andere vorgelebt haben. Und so leben, wie Gott es sich von Anfang an vorgestellt hat.
Damit wirklich alle Leben in Fülle haben können. Dazu gehört neben Brot und Wasser, welches in vielen Teilen der Welt gerade Mangelware wird, auch Kleidung. Ein Zuhause, aus dem man nicht flüchten muss, sondern wo man leben kann. Möglichkeit zur Bildung, Anerkennung der Würde, Gerechtigkeit auf allen Ebenen und Frieden, umfassender Frieden.
So hat Gott die Welt gewollt, und so hat Jesus es vorgelebt, und so sollten auch wir als Ebenbilder Gottes, als gute Verwalter seiner Erde, leben – mit Gottes Hilfe.
Pfarrerin Kirsten Thiele, Verona-Gardone