Die Sakramente

Der Begriff Sakrament stammt aus dem Lateinischen (“sacramentum”) und bedeutete ursprünglich “Glaubensbekenntnis” oder “Heilswahrheit”. Die evangelische Kirche kennt nur zwei Sakramente, die Taufe und das Abendmahl, da ihrer Überzeugung nach zu einem Sakrament das sichtbare Zeichen und das Stiftungswort Jesu gehören. Sakramente sind von Christus eingesetzte heilige Zeichen. Die weiteren fünf Sakramente der katholischen und orthodoxen Kirche (Beichte, Krankensalbung, Weihe, Ehe und Firmung) sind nach evangelischer Ansicht nicht von Jesus eingesetzt worden.

Das Abendmahl

BEIEINANDER BLEIBEN

Ein geliebter Mensch ist nicht mehr da. Einfach nur weit weg oder ich habe ihn ganz verloren. Es ist nicht zu ändern, aber ich sehne mich nach ihm. Ich möchte festhalten, was mir dieser Mensch bedeutet hat. Ich möchte ihm weiter nahe sein. Wenn ich etwas habe, das mich an diesen Menschen erinnert, das kann helfen. Ein Brief. Ein Gegenstand, den er benutzt hat. Ein Geschenk, vielleicht sogar ein Abschiedsgeschenk. Auch wenn es etwas ganz Alltäglich ist, es wird mir auf einmal sehr kostbar. Und damit ist mir dieser Mensch dann ganz nah.

EIN ABSCHIEDSGESCHENK

Wenn Menschen Jesus begegneten, waren sie von ihm tief beeindruckt. Die Bibel erzählt davon, wie es für sie war, wenn Jesus mit ihnen am Tisch saß und sie gemeinsam aßen. Und manchmal war das Essen eine Heilung: immer dann, wenn jemand, der vorher gemieden oder ausgegrenzt war wieder dazu gehörte. Jesus wusste, dass er bald sterben müsste. Darauf wollte er seine Freunde, die Jünger, vorbereiten. Sie waren ihm damals gefolgt und seitdem immer in seiner Nähe.  Nun würden sie ohne ihn weiterleben müssen. Er sagte ihnen: Bereitet einen Raum für ein besonderes Abschiedsessen vor. Es war der letzte Abend vor seinem Tod. Nach jüdischer Sitte brach Jesus das große Brot auseinander, sprach ein Dankgebet und teilte ihnen das Brot aus. Danach nahm er einen Becher Wein, dankte auch dafür und gab allen davon zu trinken. Das sollt ihr auch so tun, wenn ich nicht mehr mit euch am Tisch sitze, sagte Jesus zu ihnen. Mit dem Brot und dem Wein werde ich bei euch sein. Bleibt zusammen und esst so miteinander, dann bin ich euch nah. Das ist sein Abschiedsgeschenk. Download

Die Taufe nach lutherischem Verständnis


DER SPRUNG INS ANDERE LEBEN!

„Die Stufen waren vom Wasser, das immer wieder auf sie hinaufschwappte bemoost und glitschig. Schon auf der zweiten Stufe rutschte Leo aus und schlitterte ins Wasser … tauchte wieder auf und was er sah, unterschied sich von der Welt, die er verlassen hatte, nur dadurch, dass er es in einer Distanz sah, die er nie wieder überbrücken zu können glaubte.

Leo schwamm zu den Stufen zurück und kletterte aus dem Wasser … Komm, du musst dich umziehen, sagte Judith. Was soll ich anziehen, sagte Leo. Ich habe nur diesen Anzug … Als Leo schließlich neu eingekleidet vor dem Spiegel stand, glaubte er unsichtbar zu sein …Er drehte und wendete sich ein paar Mal hin und her, so als hoffte er, von der Seite oder von hinten ein vertrauteres Bild im Spiegel abzugeben, aber das Spiegel – bild blieb ihm fremd … Es war anders. Er war anders …

Er hatte allzu lange in einer Schale gesteckt, wie in einem Ei und jetzt war diese Schale gesprungen, von ihm abgefallen und er war zum Vorschein gekommen, entschlüpft als der, der er jetzt war. Als der, der er sein sollte. Es ist kein Zufall, sagte er, dass ich heute in den Kanal gefallen bin, korrekt müsste man sagen: Ich bin gesprungen.“ (Aus: Robert Menasse: Selige Zeiten, brüchige Welt, S. 94ff)

Die Geschichte Leos, die Robert Menasse in seinem Roman erzählt, lässt sich als moderne Taufgeschichte lesen: Der Sprung ins Wasser als Beginn eines neuen Lebens: “Es war anders. Er war anders.“

Auf den folgenden Seiten möchte die Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien Sie einladen, in die Geschichte und die Bedeutung der christlichen Taufe einzutauchen, die neben dem Abendmahl das zweite Sakrament der lutherischen Kirche darstellt.

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