Losung vom 8.Juli

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8 Juli
Wort zum Tag – 08.07.2020
Und der Herr sprach: Weil dies Volk mir naht mit seinem Munde und mit seinen Lippen mich ehrt, aber ihr Herz fern von mir ist und sie mich fürchten nur nach Menschengeboten, die man sie lehrt,darum will ich auch hinfort mit diesem Volk wunderlich umgehen, aufs Wunderlichste und Seltsamste, dass die Weisheit seiner Weisen vergehe und der Verstand seiner Klugen sich verbergen müsse.  (Jes.29,13-14)
Viele, die Jesus zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er dies? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche Taten geschehen durch seine Hände? (Mk.6,2)

Des Menschen Weisheit ist nicht Gottes Weisheit, auch Paulus hat dies immer wieder in seinen Briefen ausgeführt. Nicht mit Gedankengebäuden, nicht mit philosophischen Ausführungen, nicht all unserer Weisheit kommen wir Gott auch nur einen Schritt näher. Und kaufen können wir Gotteserkenntnis auch nicht, genauso wenig wie Sündenerlass. Es geht nicht um unseren Verstand, so wendig er auch sein mag, und es geht nicht um Lippenbekenntnisse.

Sondern wieder einmal geht es um unser Herz! Eine andere Art von Weisheit, die des Herzens. Mit der man sich eher lächerlich macht in unserer Welt, wenn man ihr folgt. Und die doch als einzige in Gottes Wesen vorzudringen vermag. Wie genau, das bleibt „wunderlich“ verborgen, unserem Verstand nicht zugänglich. Weisheit des Herzens, wie auch den Glauben, kann man nicht vererben, nicht erzwingen, nicht beweisen – sondern einfach nur glauben und leben.

Und zum Thema Vererbung, dazu macht Jesus eine wunderliche Erfahrung.

Zum besseren Verständnis eine kurze Zusammenfassung dessen, was vor dem Vers in Mk.6,2 geschah:

Jesus war auf den See gefahren, und als er wieder an Land geht versammelt sich, wie üblich, eine Menschenmenge um ihn herum. Drei Heilungen werden berichtet: Die Austreibung der „Legion“, der unreinen Geister aus einem Menschen, die Heilung einer blutflüssigen Frau und die Auferweckung der Tochter des Jaïrus. Die Menschen, die das mitbekommen, fürchten sich und bitten Jesus, aus ihrem Gebiet wegzugehen. Zu viel Aufsehen, zu viel Unruhe – der bringt ja alles durcheinander. Kranke heilen und Tote auferwecken, das ist nicht vorgesehen, das ist zu wunderlich. Mit dem Verstand nicht fassbar, nicht zu erklären. Und das macht Angst.

Also macht Jesus sich auf den Weg (Mk.6,1-3):

Und er ging von dort weg und kam in seine Vaterstadt, und seine Jünger folgten ihm nach.

Und als der Sabbat kam, fing er an zu lehren in der Synagoge. Und viele, die zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er das? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche mächtigen Taten, die durch seine Hände geschehen?

Ist er nicht der Zimmermann, Marias Sohn, und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Sind nicht auch seine Schwestern hier bei uns? Und sie ärgerten sich an ihm.”

Auch hier, in seiner Heimatstadt Nazareth, Verwunderung und Verärgerung. Nur am Rande: dies ist eine der Stellen, wo wir von Jesu leiblichen Brüdern und Schwestern hören.

Die Leute in seinem Dorf kennen Jesus, er ist der Sohn des Zimmermanns Josef, der Sohn Marias, seine ganze Familie ist bekannt – und nicht als Weise oder Schriftgelehrte, sondern als ganz einfache Handwerker. Und sie definieren ihn über seine Familie die sie kennen.

An anderer Stelle müssen sich Jesus und seine Jünger ebenfalls mit diesem Urteil auseinander setzen, wenn es heißt: „Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen?“ (Joh.1,46)

Wir kennen dich, Jesus, du bist ganz einfacher Herkunft, noch dazu aus einem verrufenen Dorf! Wie also, um Himmels willen, kannst du dann all das vollbringen, was du ja offensichtlich tust? Wie kannst du mit solcher Vollmacht reden? Woher hast du das?

Die Antwort liegt tatsächlich in seiner Herkunft, aber nicht so, wie die Menschen meinen, zu verstehen. Denn schon seine Herkunft ist ja wunderlich, unerklärlich, nur zu glauben: er ist der Sohn des lebendigen Gottes! Sein Vater ist nicht nur Josef, sondern sein wirklicher Vater ist der Schöpfer aller Dinge! Glaube das, wer mag….

Das ist seine Herkunft, daher hat er die Vollmacht, zu heilen und zu trösten. Das ist seine Weisheit, dass er den Menschen ins Herz sehen kann und sie wirklich sieht, bis auf den Grund.

Nicht mit Verstand, sondern aus der Tiefe des Herzens.

Pfarrerin Kirsten Thiele, Neapel