Losung vom 1.Juli

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1 Juli
Wort zum Tag – 01.07.2020
Meinst du, dass sich jemand so heimlich verbergen könne, dass ich ihn nicht sehe? – spricht der Herr – Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt? (Jer.23,24)
Wenn jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt. (1.Kor.8,3)
Monatsspruch Juli:
Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. (1.Könige 19,7)
Der weite Weg zum Frieden (zu Könige 18 und 19)

Elia ist erschöpft. Nicht irgendeine Arbeit hat ihn bis an den Rand seiner Kräfte gebracht. Nicht irgendwelche Sorgen haben ihn zermürbt, und nicht irgendwelche Ängste haben ihn überrollt. Er hat kein „Burn-out“, wie wir es heute nennen würden.

Nein, Elia ist erschöpft vom Töten. 450 Baalspropheten hat er an den Bach Kischon geführt. Und er „schlachtete sie daselbst“, heißt es fast lapidar. (1.Könige 18,40)

Nun aber ist er der, dem andere nach dem Leben trachten.

Da verzieht sich Elia in die Wüste und verkriecht sich unter einem Ginsterstrauch. Was er getan hat, holt ihn ein. „Ich bin nicht besser als meine Väter“, klagt er.

In der Tat, Elia ist nicht besser als seine Väter. Auch er hat den Kreislauf nicht durchbrochen, sondern ist in der Spur von Gewalt und Krieg geblieben, die alles nur schlimmer macht. Sinnlos erscheint ihm das eigene Leben. Er flüchtet sich in einen Schlaf, aus dem er am liebsten nie wieder erwachen möchte…Da kommt ein Engel, rührt ihn an mit der Hand, so stelle ich mir vor, die warm ist und doch fest und so anders als jedes Schwert. Anrührend ist auch, was er sagt: „Steh auf und iss!“

Noch warmes Brot und einen Krug mit Wasser findet Elia neben seinem Lager. Er isst und trinkt, doch noch einmal übermannt ihn die Erschöpfung. Da kommt der Engel ein zweites Mal, wieder rührt er Elia an: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“

Nun steht Elia auf, er isst und trinkt. So sehr stärken ihn Wasser und Brot, dass er vierzig Tage lang gehen kann, vierzig Tage und Nächte, ein weiter Weg, eine Fastenzeit auch, in der sich Fragen stellt und er sich selbst ertragen muss mit allem, was er getan hat. Blutige Bilder und quälende Fragen gehen mit ihm, durch Körper und Kopf.

Elia geht und geht, bis er zum Horeb kommt, den man auch Gottesberg nennt. Vielleicht wird Gott ihm dort auf neue Weise begegnen.

Zunächst aber scheint sich Elia auch hier noch einmal verstecken zu wollen, er zieht sich in der Nacht in eine Höhle zurück.

Gott aber sucht ihn auf durch ein Wort: „Was machst du hier, Elia?“

„Ich habe geeifert für den Herrn, den Gott Zebaoth (Gott der Heerscharen)“, antwortet Elia, und vielleicht will er sagen: ich habe mir angemaßt, was dir gehört – Zorn, Eifersucht und Rache. Ich habe getötet und war so vermessen zu meinen, ich tat es für dich.

„Geh heraus“, sagt das Wort, „und tritt hin auf den Berg vor den Herrn!“

Da kommt ein Wind, der die Berge zerschmettert. Und dann ein Erdbeben, das die Grundfesten erschüttert. Und schließlich ein Feuer, das alles zunichte machen könnte. Gott aber ist in keinem von diesen.

Gott zeigt sich endlich im Ton eines leisen Wehens. Zart, kaum vernehmbar. Und doch spürbar auf und unter der Haut.

Du hast einen weiten Weg vor dir!

Wie weit ist der Weg, frage ich mich, auf dem wir das Bild eines Gottes hinter uns lassen, der uns ermächtigen soll, in seinem Namen Kriege zu führen und andere zunichte zu machen?

Den Menschen ins Feld führen, mit Worten und Waffen, auf der Zunge oder auf dem Helm, um andere zu bekämpfen und niederzumachen.

Wie weit ist der Weg zu einem neuen, lebendigem Bild, zu einem Gott, der sich nicht im Sturmgebraus oder Gewitter verbirgt, sondern im sanften Sausen?

Zu ihm, dessen Anblick niemals eindeutig ist, der sich nicht erfassen oder dingfest machen lässt, dessen wir niemals habhaft werden. Und der sich doch erkennen lässt im Engel, der uns stärkt, im Wort, das uns den Weg weist, in der Zartheit des Lebens, die uns eine Gänsehaut auf den Rücken treibt.

Wie weit ist der Weg, bis wir uns senden lassen? Um selbst zu Engeln zu werden, die einander stärken, mit einer klaren Berührung, mit frischem Wasser und duftendem Brot.

Du hast einen weiten Weg vor dir.

Was dich stark macht, sind nicht die Waffen, ist nicht die Lust an der Macht und nicht das Niedermachen derer, die du für Feinde hältst.

Stark wirst du, wenn du erkennst, wie du verstrickt bist in Geschichten und Geschichte. Wenn du der Schuld ins Auge siehst und deine Verantwortung wahrnimmst. Und bereit wirst, auszusteigen aus dem, was Krieg bringt und Tod.

Du hast einen weiten Weg vor dir.
Den weiten Weg, der zum Frieden führt.
Du wirst die Klarheit des Engels erlernen, der die Müden stärkt.
Du wirst lernen, abzusehen von dir selbst.
Und schließlich andere stärken, mit Brot und Wasser.
Und deinem Bleiben in der Nacht. 

Segenswunsch: Friedensengel

Ich wünsche dir einen Engel,
der dich aus dem Schlaf der Erschöpfung weckt.
Er stärke dich mit dem Wasser der Liebe
und dem Brot des Lebens.
Er ermutige dich, aufzustehen
und den neuen, weiten Weg zu gehen.
Er gebe deinem Blick eine andere Richtung
und leite deine Füße auf dem Weg des Friedens.

(Tina Willms)

Pfarrerin Kirsten Thiele