
Erinnerung, ein Funke
Am Holocaust-Gedenktag ist es notwendig und wichtig, über Schuld, Verantwortung, Antisemitismus und die Hoffnung auf Menschenrechte in der heutigen Zeit nachzudenken.
„Entschlossenes“ Gedenken
Die Resolution 60/7 der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 1. November 2005 hat den 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt.
Seitdem gedenkt die Welt jedes Jahr dem Jahrestag der Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee.
Der diesjährige Tag des Gedenkens steht unter dem Motto „Holocaust-Gedenken für Würde und Menschenrechte“.
Dabei handelt es sich nicht nur um einen weiteren Slogan, sondern um eine eindringliche Mahnung: Erinnerung ist keine Stilübung, sondern eine Frage der Würde, der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit.
Auch die christlichen Kirchen waren in die während der Shoah begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verstrickt.
Daraus erwächst eine bleibende Verantwortung, eine tägliche Aufgabe und eine Haltung in Demut und klarer Solidarität.
Die Bischöfe der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland haben in ihrer Botschaft zum 27. Januar eindringlich daran erinnert.
Wir leben in einer Zeit, in der Antisemitismus wieder zunimmt.
In vielen europäischen Ländern, insbesondere in Deutschland, fühlen sich jüdische Frauen und Männer nicht sicher. Institutionen, Synagogen und Orte des jüdischen Lebens sind Ziel von Drohungen und Angriffen.
Gedenken als Verantwortung
Die lutherische Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt erinnerte nach ihrem Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem daran, dass Erinnerung kein abstrakter Akt ist, sondern eine existenzielle Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft.
Sich immer wieder und schmerzhaft an die Shoah zu erinnern bedeutet, sich damit auseinanderzusetzen, wohin Antisemitismus, Judenhass, Entmenschlichung und Gleichgültigkeit führen können.
Die lutherische Bischöfin Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), betonte, dass der 27. Januar kein Tag sei, den man einfach nur „begeht”.
Es ist ein Tag, an dem man innehält und nachdenkt, auch ganz in der Stille.
Jedes Jahr aufs Neue drohen diese unvorstellbaren Zahlen der Shoah, uns sprachlos zu machen. Und doch suchen wir weiterhin nach Worten, um ein Leid zu beschreiben, das sich nicht fassen lässt.
Bei dieser Suche nach Worten wird Erinnerung zu einer konkreten Verantwortung: Wir müssen Namen und ihre Geschichten bewahren und der Versuchung widerstehen, die Augen zu verschließen, nichts mehr hören zu wollen, abzustumpfen.
„Nie wieder“ ist kein Satz aus der Vergangenheit, sondern eine tägliche Aufgabe, die aus dem christlichen Glauben hervorgeht, der immer auch eine Frage der Einstellung ist.
Heute tragen Antisemitismus und die Verachtung der Würde anderer Menschen alte und neue Masken, verwenden alte und neue Parolen und nutzen alte und neue Plattformen. Aber die Methoden bleiben dieselben: Entmenschlichung, Abwertung, Ausgrenzung.
In der Bibel steht: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ (Jesaja 43,1)
Diese Worte sind nicht abstrakt gemeint, sondern richten sich an jeden Menschen, ohne Ausnahme. Darin liegt Trost und Auftrag zugleich: Leben muss geschützt werden, heute und in Zukunft
Wurzeln und Worte
Als Christen dürfen wir nicht vergessen, dass die Wurzeln unseres Glaubens im Judentum liegen: Jesus war Jude; viele der Begriffe, die wir im Gottesdienst verwenden – „Halleluja“, „Amen“ – kommen aus dem Hebräischen.
Wenn diese Wurzeln entfernt oder verschwiegen werden, verliert man schnell die Orientierung. Die Geschichte der Kirche, die von heftigen antisemitischen Kontroversen und Gewalttaten geprägt ist, belegt dies.
Ebenso wenig vergessen dürfen wir die antijüdischen Schriften des späten Luther, die dann aufgegriffen und bis zur Zeit des Nationalsozialismus instrumentalisiert wurden. Allzu oft haben die Kirchen zugesehen, anstatt sich zu widersetzen.
Ein Funken Hoffnung
In unseren Gesellschaften scheint mitunter eine Art „Wettbewerb“ darüber entbrannt zu sein, wer der wahre Hüter der Erinnerung ist.
Die Erinnerung wird als Maßstab für die Beurteilung der Missstände unserer Zeit herangezogen, und es werden Parallelen gezogen – manche fragwürdig, andere unerträglich. Das führt letztendlich zu Spaltungen: Einige werden wütend, andere empören sich, wieder andere verschließen sich.
Die Shoah bleibt jedoch ein so schreckliches Ereignis, dass man sich ihr nur „mit Furcht und Zittern“ nähern kann. Jeder gewagte Vergleich, jede Instrumentalisierung, jede oberflächliche Verwendung der Erinnerung ist eine weitere Wunde auf den bereits offenen Wunden.
Aber auch die Weigerung, sich mit dem Schrecklichen auseinanderzusetzen, das wir von diesem Übel geerbt haben, birgt die Gefahr, genauso viel Oberflächlichkeit zu offenbaren.
Dennoch ist Erinnerung nicht nur eine schmerzhafte Pflicht: Sie ist auch ein Funke, der die Gegenwart entzünden kann.
Die Bibel mahnt immer wieder zur Erinnerung: zur Erinnerung daran, wie die „Väter“ glaubten, lebten und beteten; zur Erinnerung an ihre Befreiungen, ihre Untreue, ihre Rückkehr. Erinnerung ist niemals neutral: Sie orientiert, korrigiert, eröffnet neue Zukunftsperspektiven.
Heute müssen wir zur ursprünglichen Funktion der Erinnerung zurückkehren, anstatt sie für unsere Zwecke anzupassen. Wozu dient das Gedächtnis, wenn nicht in erster Linie zum Erinnern?
Um uns an die tragischen Geschehnisse der Vergangenheit zu erinnern und uns gleichzeitig vor Augen zu führen, wie wir sie überstanden haben und dass wir sie überstanden haben.
Dieses „Überstandensein“ ist kein Triumph, sondern ein Aufruf: wachsam zu sein, nicht gleichgültig zu bleiben, nicht der moralischen Erschöpfung nachzugeben.
In Zeiten voller Verzweiflung und Lethargie kann die Erinnerung zu einer Quelle der Hoffnung werden.
Keine naive Hoffnung, sondern die wachsame Hoffnung derer, die gesehen haben, wohin Hass führen kann, und sich deshalb jeden Tag aufs Neue dafür entscheiden, auf der Seite des Lebens, der Menschenrechte und der Würde jedes Einzelnen zu stehen.
„Nie wieder“ gehört nicht der Vergangenheit an. Es ist die Aufgabe, die jeden Morgen auf uns wartet.

Unbegrenzter Reichtum, eine Gefährdung für die Demokratie
Oxfam prangert globale Oligarchie an: eine lutherische Reflexion über Ungleichheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit heute.
Ungleichheit und Demokratie: eine lutherische Lesart
Das Bild, das der jüngste Oxfam-Bericht „Im Abgrund der Ungleichheit. Wie man entkommt und die Demokratie schützt” zeichnet, ist erschreckend: 2025 war „ein weiteres Rekordjahr für Milliardäre”.
Zum ersten Mal gibt es weltweit mehr als 3.000 Milliardärinnen und Milliardäre. Ende November 2025 erreichte ihr Gesamtvermögen einen Rekordwert von 18,3 Billionen Dollar, was einem realen Anstieg von 81 % gegenüber März 2020 entspricht.
Allein im letzten Jahr wuchs ihr Vermögen um 2,5 Billionen Dollar. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 16,2 % – dem Dreifachen des Durchschnitts der vorangegangenen fünf Jahre.
Das sind Zahlen, die nicht nur eine „florierende“ Wirtschaft beschreiben, zumindest nicht für einige.
Sie beschreiben eine Welt, in der die Macht einiger weniger zur ungeschriebenen Regel im Leben vieler wird.
Wenn extremer Reichtum zu politischer Macht wird
Oxfam weist darauf hin, dass die zwölf reichsten Milliardäre der Welt mehr Vermögen besitzen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, also mehr als vier Milliarden Menschen.
Diese Distanz ist nicht nur ökonomischer Art, sie ist eine Frage der Macht.
Laut den im Bericht zitierten Analysen ist in Staaten mit massiver Vermögensungleichheit die Gefahr eines Rückbaus demokratischer Rechte bis zu siebenmal höher als in Staaten, in denen es mehr gesellschaftlichen Ausgleich gibt. Milliardäre haben eine 4.000-fach höhere Wahrscheinlichkeit, ein politisches Amt zu bekleiden und politische und richterliche Entscheidungen zu beeinflussen als Durchschnittsbürger.
Das Ergebnis ist ein Teufelskreis: Extremer Reichtum fördert politischen Einfluss, politischer Einfluss schützt und vermehrt extremen Reichtum.
Oxfam spricht offen vom „Aufstieg einer oligarchischen Macht, die nach dem Gesetz des Reichsten regiert“, während Milliarden von Menschen in Armut leben und Grundrechte ausgehöhlt werden.
Für die evangelisch-lutherischen Kirchen ist diese Sprache nicht fremd: Wenn Geld zum obersten Kriterium für kollektive Entscheidungen wird, handelt es sich nicht nur um ein wirtschaftliches Problem.
Das ist Götzendienst. Es ist die Logik des Mammons, die an die Stelle des Vertrauens in Gott und der gegenseitigen Verantwortung tritt.
Der Schrei der Letzten, überall auf der Welt und auch in Italien
Es geht aber nicht nur um eine „statistische Diskrepanz“. Die Weltbank hat die internationale Armutsgrenze für 2025 auf 3 Dollar pro Tag aktualisiert und zeigt damit, dass die Zahl der Menschen, die in Armut leben, viel höher ist als bisher angenommen.
Hinzu kommen polarisierte Reallöhne und zunehmende Ernährungsunsicherheit, trotz einer Erholung der Einkommen in einigen Regionen der Welt.
Auch Italien und Deutschland ist in diesem Bericht ein wichtiger Abschnitt gewidmet.
Dort zeichnet sich das Bild eines Landes ab, das von einem „Italia di mezzo“, einem „mittleren Italien“ geprägt ist: mittelgroße Städte, Vororte, hügelige und städtisch-ländliche Gebiete, die nicht im klassischen Sinne „randständig“ sind, aber ihre wirtschaftliche und symbolische Zentralität verloren haben.
Diese Gebiete sind gekennzeichnet durch stagnierende Einkommen, eine schrumpfende Mittelschicht, den Abbau öffentlicher Dienstleistungen, eine Krise der Kleinstunternehmen und eine zunehmende Anfälligkeit für Umweltveränderungen.
Es ist also nicht verwunderlich, dass sich gerade hier ein Großteil der Unzufriedenheit mit der Demokratie oder der sogenannten Anti-System-Wähler konzentriert.
In Deutschland hingegen ist dem Bericht zufolge die Zahl der Milliardäre um ein Drittel auf 172 gestiegen.
Im Durchschnitt verdienen diese Superreichen in weniger als anderthalb Stunden das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland.
Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit, warnte, dass die wachsende Zahl von Milliardären auf der einen Seite und sich verfestigende Armut auf der anderen Seite einen idealen Nährboden für antidemokratische Kräfte schaffen.
Ungleichheit ist nicht nur ein „soziales“ Thema: Sie wird zum politischen Zündstoff, zu einem fruchtbaren Boden für diejenigen, die schnelle, oft autoritäre Lösungen versprechen und Sündenböcke anstelle von Rechten und öffentlichen Maßnahmen anbieten.
Eine theologische Herausforderung: gegen die Vergötterung des Reichtums
Die lutherische Tradition betrachtet Reichtum an sich nicht als etwas Schlechtes.
Sie warnt jedoch eindringlich vor seiner Macht, Beziehungen zu verzerren und andere zu Werkzeugen zu machen.
Heute zeigen die Daten von Oxfam genau das: Dort, wo eine kleine Elite Reichtum und Einfluss konzentriert, läuft die Demokratie selbst Gefahr, „von innen heraus“ korrumpiert zu werden.
Wirtschaftliche und Machtprozesse, die konkreten Formen des Götzendienstes ähneln.
Geld entscheidet also mehr als Würde, und die Steuerpolitik wird den Interessen einiger weniger unterworfen.
Ohne dabei die Rolle der Medien und digitalen Plattformen zu vernachlässigen, die sich in den Händen großer Konzerne konzentrieren und Narrative produzieren, die extremen Reichtum als reines „individuelles Verdienst” rechtfertigen und jeden Versuch, ihn zu begrenzen oder umzuverteilen, diskreditieren.
Vor diesem Hintergrund ist die Forderung von Oxfam nach globalen Standards für die Besteuerung von Vermögen, Stärkung der Sozialsysteme und Einrichtung eines internationalen Gremiums zur Bekämpfung von Ungleichheit nicht nur eine rein technische Agenda.
Vielmehr handelt es sich um einen Aspekt der öffentlichen Ethik, der auch die christlichen Kirchen vor eine Frage stellt: Welches Bild von Menschlichkeit vertreten wir, wenn wir akzeptieren, dass wenige über das Schicksal vieler entscheiden?
Das Engagement der evangelisch-lutherischen Kirche
Die lutherischen Kirchen haben zwar keinen Einfluss auf die globale Finanzwelt, dürfen sich jedoch nicht auf eine allgemeine Verurteilung beschränken.
Lutherische Diakonie und das öffentliche Engagement der Gemeinden sind konkrete Möglichkeiten, um mit Taten zu zeigen, dass eine andere Wirtschaft möglich ist.
In Italien geht das Engagement der ELKI in diese Richtung: Mittel aus den OPM-Steuergeldern der evangelisch-lutherischen Kirche werden für soziale, karitative, bildungsbezogene und kulturelle Maßnahmen – oft in Randgebieten oder benachteiligten Kontexten – bereitgestellt. Die Vergabe erfolgt über Aufrufe zur Einreichung von Vorschlägen, wie zum Beispiel den für die Mikroprojekte, der bereits Dutzende von Initiativen im gesamten Staatsgebiet unterstützt hat.
Diese Maßnahmen allein ändern zwar nichts an den globalen Statistiken, aber sie stellen die Logik des „Rette sich, wer kann“ in Frage und bekräftigen, dass jeder Mensch mehr ist als sein Einkommen.
In einer Gesellschaft, die von wachsenden Ungleichheiten geprägt ist, geht das Engagement der evangelisch-lutherischen Kirche von der Erkenntnis aus, dass jeder Beitrag wichtig ist.Mikroprojekte
Dies gilt umso mehr für den Aufbau von Bündnissen mit jenen, die sich für eine gerechtere Steuerpolitik oder für einen universellen Sozialschutz und zugängliche öffentliche Dienstleistungen einsetzen.
Echte demokratische Teilhabe, auch für diejenigen, die heute keine Stimme haben, muss auch die Kirchen betreffen.
Es handelt sich um Entscheidungen, die das Evangelium widerspiegeln und gleichzeitig auf die Dringlichkeit reagieren, die Oxfam so treffend zusammenfasst: „Dem Abgrund zu entkommen“ ist keine Option für Idealisten, sondern eine Mindestvoraussetzung für den Erhalt der Demokratie.
„Siehe, ich mache alles neu“: eine Hoffnung, die niemanden freispricht
Die vom Lutherischen Weltbund für 2026 gewählte Jahreslosung – „Siehe, ich mache alles neu“ (Offb 21,5) – ist keine spirituelle Flucht.
Sie wird zu einem konkreten Kriterium: Alles, was einem würdigen Leben für die Mehrheit, Gerechtigkeit und Teilhabe entgegensteht, ist im Sinne des Evangeliums nichts „Neues“, sondern eine Wiederholung alter Herrschaftsformen.
Die lutherische Tradition lädt uns daher dazu ein, Gebet und bürgerliche Verantwortung, die Verkündigung des Evangeliums und das Engagement für gerechtere Strukturen miteinander zu verbinden.
Die Aufgabe ist klar: die Vergötterung des Reichtums entlarven, sich auf die Seite derjenigen stellen, die zurückbleiben, und eine Politik der Gerechtigkeit und alltägliche Praktiken des Teilens unterstützen.
Nicht aus Moralismus, sondern weil der evangelische Glaube in jedem von Ungleichheit gezeichneten Gesicht das Antlitz Christi erkennt.

Neapel: Einführung der neuen Pfarrerin
Am 1. Februar 2026 feierte Neapel die Amtseinführung der neuen lutherischen Pfarrerin Elisa Schneider mit einem Festgottesdienst.
Neapel heißt Elisa Schneider willkommen
Am Sonntag, dem 1. Februar 2026, feierte die Evangelisch-Lutherische Gemeinde von Neapel um 16 Uhr den Einführungsgottesdienst der neuen Pfarrerin Elisa Schneider.

Der Gottesdienst fand in der evangelisch-lutherischen Kirche in der Via Carlo Poerio 5 statt, für die musikalische Gestaltung sorgte der Lutherische Chor unter der Leitung von Carlo Forni. Den Vorsitz hatte der Dekan der ELKI, Pastor Carsten Gerdes.
Im Anschluss an den Gottesdienst waren alle Anwesenden zu einem geselligen Beisammensein im Palazzo Alabardieri (Via Alabardieri 38) eingeladen: eine Gelegenheit, die neue Pfarrerin zu begrüßen, als Gemeinde zusammenzukommen und die Freude über diesen Neuanfang zu teilen.
Eine Rückkehr, die nach Zuhause duftet
Für Elisa Schneider ist die Ankunft in Neapel keine „erste Begegnung“, sondern eine Rückkehr.
Bereits 2018 lebte und arbeitete sie während ihres Auslandsvikariats ein Jahr lang in der lutherischen Gemeinde von Neapel.
Menschen, Gesichter, Geschichten und Begegnungen aus dieser Zeit haben ihren persönlichen und beruflichen Werdegang tief geprägt.
Seit Dezember 2025 wirkt sie als Pfarrerin der Gemeinde von Neapel, zu der auch Bari, Ischia, Capri und andere Orte gehören.
Nun wird dieser neue Abschnitt des Weges offiziell ihrer seelsorgerischen Betreuung, ihrer Predigt und ihrem Zuhören anvertraut.
Eine Biografie, die Orte, Sprachen und Begegnungen vereint
Elisa Schneider wuchs in Deutschland (insbesondere in Baden-Württemberg und Hessen) und Italien auf, was es ihr schon in jungen Jahren ermöglichte, sich zwischen verschiedenen Kulturen und Sprachen zu bewegen.
Sie studierte Evangelische Theologie in Berlin, Wien und Marburg, war anschließend Vikarin in Hanau und dann Pfarrerin in verschiedenen Kontexten: auf dem Land in Nordhessen und in der Stadt Frankfurt am Main.
Diese Vielfalt an Orten und Gemeinschaften lehrte sie, dass Glaube nicht abstrakt existiert, sondern im Dialog, in der Begegnung und im gemeinsamen Suchen. Genau diese Sensibilität bringt sie nun mit nach Neapel: eine Theologie, die den Menschen, ihren Fragen, ihren biografischen und existenziellen Randgebieten Aufmerksamkeit schenkt.
Theologie der Diaspora, Musik und Kunst
Zu den Themen, die ihr besonders am Herzen liegen, zählt Elisa Schneider die „Theologie der Diaspora“: die Reflexion darüber, was es bedeutet, Kirche zu sein, wo man eine Minderheit ist, oft „verstreut“ über große Gebiete, in pluralistischen und säkularisierten Kontexten.
In dieser Hinsicht ist die Erfahrung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien (ELKI) ein wertvolles Laboratorium: Gemeinden, die oft klein sind, aber fähig, Beziehungen aufzubauen, Räume zum Zuhören zu schaffen und eine lebendige und dialogorientierte lutherische Tradition zu bewahren.
Neben dem Studium und der Seelsorge ist die Musik – insbesondere der Gesang – eine ihrer großen Leidenschaften.
Die Verbindung zwischen Kirche und Kunst, zwischen Liturgie und ästhetischen Ausdrucksformen, zwischen Evangelium und zeitgenössischer Kreativität ist einer der Schwerpunkte, die die neue Pfarrerin sicherlich auch in der neapolitanischen Gemeinde pflegen wird.
Eine offene Gemeinde: Einladung zur Begegnung
Für Elisa Schneider sollte die lutherische Gemeinde in Neapel ein offener Raum sein:
- für alle, die sich für kulturelle Angebote und die Geschichte der Gemeinde interessieren.
- für alle, die spirituelle Orientierung suchen;
- für alle, die schon lange zur Gemeinde gehören;
- für alle, die gerade erst in die Stadt gekommen sind oder zum ersten Mal eine lutherische Kirche besuchen.
„Unsere Gemeinde“, schreibt sie, „ist ein offener Ort für Austausch und Begegnung, Orientierung und Gebet. Sie sind herzlich willkommen – mit ihren Fragen, Ideen und Geschichten.“
Der Einsetzungsgottesdienst am 1. Februar sollte genau das sein: eine Einladung zur Begegnung, ein Zeichen des Vertrauens in die Zukunft und in das Versprechen, dass der Heilige Geist weiterhin Ämter, Berufungen und Gemeinden hervorbringt, die in der Lage sind, in den Städten von heute dem Evangelium zu dienen.

Paul Gerhardt: Vom Vertrauen singen in Krisenzeiten
Questa è una introduzione
Ein Dichter jenseits der Krisen
Paul Gerhardt hat seine Lieder nicht in ruhigen Zeiten geschrieben.
Sein Leben war geprägt vom Dreißigjährigen Krieg, tödlichen Pestepidemien und innerprotestantischen Streitigkeiten.
Das siebzehnte Jahrhundert, in dem er lebte, war nicht das Jahrhundert der beschaulichen Salons, sondern ein entstelltes Europa: verwüstete Landschaften, entvölkerte Städte, Gemeinschaften, die durch „religiöse“ Konflikte gespalten wurden, bei denen es oft viel mehr um Macht als um das Evangelium ging.
Vor diesem Hintergrund entstanden Verse wie „Nun laßt uns gehn und treten, mit Singen und mit Beten
zum Herrn, der unserm Leben
bis hierher Kraft gegeben”.
Oder das berühmte Passionslied „O Haupt voll Blut und Wunden”.
Nicht Parolen wohlmeinender Gefühle, sondern Akte des spirituellen Widerstands.
Im Jahr 2026, 350 Jahre nach seinem Tod in Lübben, soll an Paul Gerhardt erinnert werden: Die sogenannte „Paul-Gerhardt-Stadt” und viele andere deutsche Städte bereiten ein Gedenkjahr mit zahlreichen Veranstaltungen vor.
Es ist nicht nur Nostalgie: Es ist die Gelegenheit, diese in einer Zeit des Zusammenbruchs entstandenen Texte neu zu lesen und uns zu fragen, ob sie uns angesichts unserer heutigen Fragilität etwas zu sagen haben.
Worte aus Wunden entstanden
Rund 140 Kirchenlieder sind überliefert: Dazu gehören„Befiehl du deine Wege“, „Nun ruhen alle Wälder“ und viele andere.
Jahrhundertelang kursierten diese Verse in den Gemeinden, lange bevor sie in die Hände von Bach gelangten.
Der Leipziger Kantor verarbeitete sie in seinen Passionen und im Weihnachtsoratorium und erkannte in diesen Worten ein theologisches und poetisches Gefüge, das die Tiefe seiner Musik tragen konnte.
Was bei Gerhardt auffällt, ist die Mischung aus Realismus und Zuversicht.
Gerhardt leugnet den Schmerz nicht, er tut ihn nicht als vorübergehende Phase ab, die schnell überwunden werden muss: Krieg, Trauer und Krankheit sind Teil seiner persönlichen und pastoralen Erfahrung.
Doch innerhalb dieser Szenarien enden die Lieder nicht in Klage, sie verfallen weder in Verzweiflung noch in Angst!
Sie öffnen sich Gottes Verheißung, einem Vertrauen, das nicht psychologische Sicherheit, sondern radikale Hingabe ist.
Aus diesem Grund sprechen viele seiner Verse auch heute noch „mitten ins Herz“, wie ein Artikel der EKD zum Gedenkjahr unterstreicht.
Nicht weil sie eine einfache Sprache verwenden, sondern weil sie zwei Dinge miteinander verbinden, die wir oft zu sehr trennen: Klarheit angesichts der Trümmer der Welt und die Hartnäckigkeit der Hoffnung.
Natur, Schöpfung und Freude: nicht Ästhetik, sondern Theologie
„Narcissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide“: Gerhardts Blumenbilder sind nicht nur Dekoration.
In einer Zeit, die von weitverbreitetem Tod geprägt ist, wird der Blick auf die Schönheit der Natur zu einer konkreten Möglichkeit, zu verkünden, dass die Welt nicht dem Chaos überlassen ist.
In seinem Blick auf die Schöpfung finden wir eine typisch lutherische Intuition: Gott lässt sich nicht nur im Außergewöhnlichen begegnen, sondern auch im Alltag auf den Feldern, in den Gärten, in den Jahreszeiten.
Die Aufmerksamkeit für Pflanzen – Tulpen, Narzissen, Rosen, Lilien, Ölbaum, Weinrebe und Weizen – ist keine Folklore: Es ist Liturgie, die in die Erde eindringt, Theologie, die lernt, den Blick über die Trümmer hinaus zu heben.
Deshalb lautet die Aufforderung der Kirchen in Deutschland, „Paul-Gerhardt-Beete“ anzulegen.
Ein Projekt (#PaulGerhardtBlume), das genau darauf abzielt, die Hoffnung auf ein Wiederaufblühen in dieser Zeit und in dieser Gesellschaft sichtbar und konkret zu machen.
Es ist eine pädagogische Geste: Angesichts der Klimakrise und der Gewalt zerstörerischer Kriege besingt der Glaube die Schönheit der Natur und ist daher auch dazu aufgerufen, sie zu verteidigen und zu bewahren.
Die Blumen von Gerhardt sind kein Mittel, unsere Spiritualität zu unterdrücken, sondern eine Erinnerung an unsere Verantwortung gegenüber der Welt und unseren Mitmenschen.
Innere Konflikte, lutherisches Gewissen
Gerhardts Biografie ist nicht geradlinig. Als ordinierter lutherischer Pfarrer gerät er bald in Konflikt mit den Behörden.
In Berlin wird er aus der Nikolaikirche als Pfarrer entlassen, weil er ein Edikt ablehnt, das den Konflikt zwischen Lutheranern und Calvinisten entschärfen soll.
Dahinter verbirgt sich ein typisches Merkmal der lutherischen Tradition: Das Gewissen ist keine Variable, die aus Gründen der politischen Zweckmäßigkeit manipuliert werden kann.
Gerhardt lässt sich nicht auf einen Kompromiss ein, den er in diesem Moment als ambivalent empfindet, und zahlt einen konkreten Preis für diese Entscheidung.
Es geht nicht darum, die Konfrontation zu befürworten. Es handelt sich auch nicht um Fundamentalismus, sondern um das Bewusstsein, dass jeder Frieden, auch der religiöse, nicht einfach dadurch erreicht werden kann, dass man theologische Differenzen zum Schweigen bringt oder im Namen der öffentlichen Ordnung dazu auffordert, „ein Auge zuzudrücken”.
In einer Zeit, in der auch die Kirchen zwischen politischem Druck, internen Machtkämpfen und öffentlicher Präsenz navigieren müssen, wirft Gerhardts Geschichte eine unbequeme Frage auf: Wie weit kann man Kompromisse eingehen, ohne den Kontakt zum Evangelium zu verlieren?
Ein Erbe, das Konfessionen verbindet
Dass man heute selbst im katholischen Gesangbuch „Gotteslob” einige Lieder von Gerhardt findet, sagt etwas Einfaches, aber Entscheidendes aus: Das in lutherischen Kontexten entstandene spirituelle Erbe gehört nicht mehr nur den evangelischen Kirchen.
Es ist Teil eines größeren Bestands, der konfessionelle und kulturelle Grenzen überschreitet.
Die Entscheidung, im Jahr 2026 mit Festivals, Ausstellungen, Musikwettbewerben und Tagungen an Gerhardt zu erinnern, zeigt, wie seine poetische und biblisch geprägte Sprache weiterhin eine Quelle der Inspiration für die Auseinandersetzung mit Schmerz, Vertrauen und Trost darstellt.
Nicht als Museumsstück, sondern als lebendiges Instrument für Predigt, Liturgie und Seelsorge.
Für die lutherischen Kirchen in Italien ist dieses Erbe nicht abstrakt: Gerhardts Kirchenlieder Paraphrasen, Übersetzungen und Bearbeitungen bereichen weiterhin Gottesdienste, ökumenische Feiern und Momente der Begegnung und Begleitung.
In der täglichen Arbeit der Gemeinden erweist sich seine Fähigkeit, inmitten der Wunden der Geschichte von Gott zu sprechen, als wertvoller Verbündeter.
2026: Nicht nur Feierlichkeiten
Das Jubiläumsprogramm in Deutschland – Konzerte, Konferenzen, Preisverleihungen, Schulinitiativen – würde Gefahr laufen, eine reine „Kulturveranstaltung” zu bleiben, wenn es uns nicht mit einer konkreten Frage zurückließe: Was machen wir heute mit dem geistigen und musikalischen Schatz, den wir erhalten haben?
In einem Europa, das von neuen Kriegen, Polarisierungen und sozialen Spannungen sowie spiritueller Erschöpfung geprägt ist, besteht die Versuchung, immer neue, immer wirkungsvollere Worte zu suchen und jene zu vergessen, die bereits gewaltige Stürme überstanden haben.
Paul Gerhardts Lieder entstanden in einer zerrissenen Welt, die von Spaltungen, auch religiösen, gezeichnet war, und sie antworteten mit etwas sehr Unzeitgemäßem: einem hartnäckigen Vertrauen in Gott, das den Schmerz nicht auslöscht, sondern ihn durchdringt, das nicht das Opfer verherrlicht, sondern das Leben erhält, das nicht vor dem Konflikt flieht, sondern ihn ins Gebet einbringt.
Gerhardt scheint in seinen Schriften, Gedichten und Hymnen die „hartnäckige und entgegengesetzte Richtung” von Fabrizio De André vorwegzunehmen: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“. Auch – und vielleicht vor allem – wenn alles um uns herum in eine andere Richtung zu gehen scheint.

Neujahrsbotschaft: Wenn Gott alles neu macht
Nel messaggio di Capodanno 2026, la Segretaria della Federazione Luterana Mondiale, Anne Burghardt, invita le Chiese luterane ad accogliere il rinnovamento di Dio nella storia.
Un nuovo anno sotto una promessa antica
“Ecco, io faccio nuove tutte le cose” (Ap 21,5): la parola biblica scelta come motto per il 2026 non è uno slogan motivazionale, è una promessa.
Nel suo messaggio di Capodanno, la segretaria generale della Federazione Luterana Mondiale (LWF), Anne Burghardt, parte da qui: da una frase dell’Apocalisse che collega il desiderio umano di cambiamento con la fedeltà di Dio nel tempo.

Questa promessa non resta sospesa in un futuro lontanissimo: si estende – dice Burghardt – dalla prima comunità cristiana, che viveva all’ombra di un impero aggressivo, fino alle chiese di oggi, alle prese con guerre, crisi sociali, precarietà, sfiducia.
La domanda, allora, è semplice e scomoda: come viene accolta questa parola? Con speranza o con paura? Con desiderio o con resistenza?
Quando il “nuovo” consola e quando inquieta
Per chi vive nel dolore – un bambino che ha perso i genitori in guerra, una giovane costantemente attaccata sui social, un adulto schiacciato dalla disoccupazione – l’idea che Dio faccia “nuove tutte le cose” suona come una boccata d’ossigeno. È la notizia che si spera di sentire da tempo: qualcosa può cambiare davvero.
Ma non tutti la vivono allo stesso modo.
Per chi si sente arrivato, protetto dal proprio benessere o dal proprio potere, quella promessa può suonare minacciosa:
“Che bisogno c’è che Dio cambi le cose proprio adesso, quando la mia vita funziona?”
Il messaggio di Capodanno mette a nudo questa ambivalenza: il Vangelo non è un ritocco cosmetico su esistenze già soddisfatte. È un rinnovamento radicale che riguarda tanto le ferite del mondo quanto le sicurezze personali.
Il “nuovo” di Dio non è il “nuovo” del potere
Qui la lettura diventa anche molto lucida sul piano pubblico.
La storia è piena di leader che hanno promesso di “fare nuovo” il Paese, la società, la storia: rivoluzioni a parole, spesso costruite sulle paure della gente, sulle ideologie, sul proprio tornaconto.
Perciò a volte il presunto “nuovo” è solo il ritorno di vecchi fantasmi – nazionalismi, esclusioni, violenza – rimessi in circolo.
Altre volte, invece, introduce davvero qualcosa di radicale, ma schiacciando i bisogno dei molti a beneficio di vantaggi per pochi.
La promessa di Dio si muove su un altro piano.
Non nasce dal calcolo politico, non passa sopra le persone, non rimette in gioco logiche di dominio. È una promessa che attraversa il tempo – “Io sono l’Alfa e l’Omega” (Ap 1,8) – e tiene insieme consolazione delle vittime, giustizia, libertà, dignità.
Per la tradizione luterana è un promemoria duro e necessario:
ogni volta che la parola “rinnovamento” viene usata nello spazio pubblico, va verificata alla luce di questa differenza. Non tutto ciò che si presenta come “nuovo” è in linea con il Dio che fa nuove tutte le cose.
La luce di Cristo che cambia la prospettiva
Una delle immagini più forti del messaggio è quella della luce.
Come la stessa opera d’arte appare diversissima a seconda della luce che la illumina, così la realtà cambia se la si guarda alla luce di Cristo.
Alla luce del Vangelo il prossimo, l’altro e l’altra, non sono concorrenti o problemi: sono persone create a immagine di Dio.
Insieme a questo anche il creato non è appannaggio di poche persone, né i beni una corsa all’accumulo per sé: la prospettiva di Dio guarda alla condivisione ed alla responsabilità.
Perciò non siamo chiamati e chiamate a vivere in modalità difensiva, ma disponibili alla metanoia, cioè al cambiamento.
Ad un radicale cambiamento interiore e perciò anche spirituale.
Il rinnovamento di Dio non è quindi un “reset” magico del mondo, ma un cambiamento di sguardo: Dio rende nuove le persone attirandole in una prospettiva diversa, dove conta la giustizia, la cura dell’altro, la capacità di mettersi in discussione.
Una chiamata per le chiese luterane oggi
In questa chiave, il messaggio di Capodanno non è una meditazione intimista per iniziare bene il nuovo anno: è anche una chiamata molto concreta.
Le Chiese luterane nel mondo, inclusa la Chiesa Evangelica Luterana in Italia (CELI), sono invitate a chiedersi cosa significa, oggi, partecipare alla promessa di Dio di fare nuove tutte le cose.
E dove occorre smettere di limitarsi a “gestire l’esistente” e osare percorsi nuovi, anche faticosi.
Una sfida che la CELI ha provato e prova a raccogliere in molti ambiti: giustizia di genere, migrazioni, pace, giovani, periferie sociali, ambiente: la fede è perciò chiamata a farsi azione, non solo analisi.
Il cuore del messaggio è perciò chiaro: il rinnovamento che viene da Dio non elimina la responsabilità umana, semmai la attiva.
Dio entra nella storia anche attraverso scelte, strutture, progetti, parole che le Comunità possono mettere in campo.
E la “nuova creazione” iniziata nell’incarnazione non è un’idea astratta, ma un processo in cui le Chiese sono chiamate a farsi coinvolgere.
Entrare nel 2026 con stupore, non con rassegnazione
Alla fine per Anne Burghardt la domanda iniziale torna: come accogliere questa promessa?
La risposta è duplice: con realismo, senza negare le crisi, la stanchezza, le ingiustizie, le paure; ma anche con stupore ostinato, lasciandosi cioè sorprendere da come Dio continua a lavorare nella storia, spesso in modo discreto, attraverso persone e comunità che scelgono di vivere un’altra logica.
“Fare nuove tutte le cose” non significa perciò cancellare il passato, ma redimerlo.
Per le chiese luterane, il 2026 si apre così: come un tempo in cui guardare il mondo alla luce del Cristo incarnato, crocifisso e risorto, e lasciarsi cambiare il modo di pensare, di credere e di agire.

Carsten Gerdes Wunsch: Weihnachten steht Kopf
Zu Weihnachten wünscht der Dekan der ELKI, Carsten Gerdes, Veränderungen ohne Angst entgegenzugehen und Weihnachten neu zu entdecken.
Die Weihnachtswünsche der ELKI für Sie
Ein Weihnachtsbaum, der Kopf steht – mit diesem Bild beginnt der Dekan der evanglisch-lutherischen Kirche in Italien dieses Jahr seine Botschaft. Nicht um der Extravaganz Willen, sondern als Zeichen, das einlädt, inne zu halten, im Fluge dieser Zeiten, nicht weiterblättern.
Die Klarheit ist entwaffnend: Weihnachten ist nicht immer so, wie wir es erwarten. Unsere Traditionen geben uns Halt, aber im wahren Leben läuft nicht alles nach Plan, das Leben stellt uns auf die Probe.
Und auch Weihnachten hat diese Kraft, neu zu sein, anders, uns aus der Bahn zu werfen.
Die Worte des Dekans bringen keine vorgefertigten Lösungen oder Nostalgie, sondern wollen Raum schaffen für neue Gedanken:
Was geschieht, wenn wir akzeptieren, das sich alles verändert? Was, wenn sich gerade dort, wo alles „auf den Kopf gestellt” zu sein scheint, eine neue Möglichkeit verbirgt?
Eine wertvolle Botschaft, die uns ermutigen will, nach vorne zu blicken – gerade jetzt, an Weihnachten.
Liebe Leserinnen und Leser,
nein, weder der Techniker hat einen Fehler gemacht noch die Redaktion.
Und auch Sie halten Ihr Gerät richtig herum. Der auf den Kopf gestellte Baum soll einfach die daruntergeschriebene Botschaft unterstreichen.
Der Satz setzte sich in meinem Kopf fest, während ich über die Vorbereitung des Familiengottesdienstes bei uns am Lago Maggiore am Heilig Abend nachdachte. Dieser wird in diesem Jahr nämlich tatsächlich anders werden als die Jahre zuvor: Ohne Krippenspiel der Kinder, zum Teil draußen an Stationen um die Kirche herum.
Ja, die meisten von uns wünschen sich eigentlich genau das Gegenteil: Weihnachten soll so sein wie immer! Vertraute Abläufe und Inhalte verleihen uns Sicherheit. Sie haben sich ja auch über die Jahre bewährt.
Der geschmückte Baum, die bekannten Lieder, das Zusammensein in Familie, das gemeinsame Essen, „es begab sich aber zu der Zeit…“. Wie wunderbar! So soll es wieder sein. Manchmal aber treten dann doch Veränderungen ein. Zumeist ungewollt.
Plötzlich wird etwas, manchmal alles anders. Weihnachten, das bisherige Leben, wird wie auf den Kopf gestellt. Und wir haben Mühe, das anzunehmen oder wollen es auch gar nicht, weil das vorige sich ja doch richtig angefühlt hat. So kann Weihnachten schwer werden, wenn es anders wird.
Dennoch möchte ich, auch wenn es manchen schwer fällt, dazu ermuntern, das Neue, das Andere nicht gleich abzulehnen. Vielmehr auf sich wirken zu lassen, genau hinzuschauen, hinzuhören, was es uns sagt, was es bei uns auslöst.
Denn schon mit dem ersten Weihnachten hat Gott uns gesagt: Ab jetzt wird alles anders. Ich mache alle neu. Ich komme zu euch Menschen. Mitten unter euch, werde ich mein neues Reich aufbauen. Ab jetzt soll Liebe herrschen, wo Hass regierte. Miteinander statt Nebeneinander, Vergeben statt Nachtragen, Frieden einziehen in die Hütten und Häuser…
Ach, wenn Weihnachten doch wirklich alles anders würde!!
Wünscht sich Ihr Pastor und Dekan Carsten Gerdes

Augsburg 2030: LWB beginnt mit Vorbereitungen für Vierzehnte Vollversammlung
Besprechungen und feierliche Veranstaltungen in Augsburg, Deutschland, haben in dieser Woche den offiziellen Startschuss für die Vorbereitungen auf die Vierzehnte LWB-Vollversammlung und das 500-jährige Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses 2030 gegeben.
Historische Reformationsstadt wird Veranstaltungsort der Vollversammlung zum 500-jährigen Jubiläum der Confessio Augustana
(LWI) – Der Lutherische Weltbund (LWB) hat mit den Vorbereitungen auf seine Vierzehnte Vollversammlung begonnen, die im Juni 2030 in Augsburg, Deutschland, stattfinden soll.
Unter Leitung von LWB-Generalsekretärin, Pfarrerin Dr. Anne Burghardt, war in dieser Woche eine Delegation aus dem LWB-Büro der Kirchengemeinschaft in Genf für verschiedene Veranstaltungen und Besprechungen mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) und dem Deutschen Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) in Augsburg zu Besuch. Die ELKB wird – mit der Unterstützung des DNK/LWB – Gastgeberin der Vierzehnten LWB-Vollversammlung sein, die in der historischen Reformationsstadt Augsburg stattfinden wird. Der Zeitpunkt der Vollversammlung fällt mit dem 500-jährigen Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses zusammen, das im Juni 1530 in ebendieser Stadt vorgelegt wurde und in dem die lutherischen Reformatorinnen und Reformatoren ihren Glauben niedergeschrieben hatten. Es ist eine der zentralen lutherischen Bekenntnisschriften und verbindet Kirchen in aller Welt.
An den Besprechungen und Veranstaltungen teilgenommen haben neben der Delegation aus Genf unter anderem Landesbischof Christian Kopp von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Bischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, die LWB-Vizepräsidentin für die Region Mittel- und Westeuropa und Vorsitzende des DNK/LWB, Eva Weber, Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg, und Bischof Jerzy Samiec von der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen (EAKP), die Gastgeberin der Dreizehnten LWB-Vollversammlung 2023 in Krakau war.
In einer Feierstunde am 2. Dezember gab EAKP-Bischof Samiec den „Staffelstab der Vollversammlung“ offiziell an den bayrischen Landesbischof Kopp weiter.
Die Vorsitzende des DNK/LWB, Bischöfin Kühnbaum-Schmidt,unterstrich die Bedeutung der Confessio Augustana, die „bis heute das Fundament unserer lutherischen Identität [ist] – und zugleich eine Einladung zu einem verantwortlichen und offenen ökumenischen Miteinander. Sie zeigt uns, dass Kirche dort lebendig ist, wo sie in Bewegung ist: hörend, lernend, verbindend. Es ist deshalb von großer Bedeutung, dass wir 2030 in Augsburg, am Ursprungsort dieses Bekenntnisses, zusammentreffen. Die Vollversammlung in Augsburg wird ein Raum sein, in dem wir gemeinsam nach vorne schauen: Wie wir als weltweite Kirche Verantwortung übernehmen, wie wir Versöhnung leben und wie wir im Vertrauen auf Christus Wege öffnen, die Mut machen.“
„Es hat große Bedeutung, dass wir den offiziellen Startschuss für unsere Vorbereitungen hier in Augsburg geben“, erklärte LWB-Generalsekretärin Burghardt. „Hier haben die Reformatorinnen und Reformatoren ihr Verständnis von unserem gemeinsamen Glauben formuliert und übergeben. Hier haben der LWB und die Römisch-katholische Kirche 1999 die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre unterzeichnet. Und heute sind wir dankbar, dass wir dieses nächste Vorhaben und die Vorbereitungen auf das Jubiläum dieser Bekenntnisschrift und die Einladung der globalen lutherischen Kirchengemeinschaft in die historische Reformationsstadt zusammen mit unserer bayrischen Gastgeberin und dem Deutschen Nationalkomitee des LWB angehen können.“
Neben LWB-Generalsekretärin Burghardt waren aus dem Büro der Kirchengemeinschaft der Assistierende Generalsekretär für ökumenische Beziehungen, Prof. Dr. Dirk Lange, der Europareferent Pfr. Dr. Ireneusz Lukas und der Chef des Stabs der Generalsekretärin, Pfr. Árni Svanur Daníelsson, mit in Augsburg. Sie alle haben auch an der Versammlung des DNK/LWB teilgenommen, die ebenfalls in dieser Woche in Augsburg stattfindet.
Weitere Punkte auf der Tagesordnung waren Treffen mit kommunalen Führungskräften der Stadt Augsburg und Führungskräften der Kirchen vor Ort sowie Besichtigungen zentraler Orte der Reformation und der ökumenischen Geschichte der Stadt. Augsburg ist weithin als „Friedensstadt“ bekannt – ein Erbe, das auch 1999 bekräftigt wurde, als LWB und Römisch-katholische Kirche hier die richtungweisende GER unterzeichneten.
Eine LWB-Vollversammlung findet alle sechs bis sieben Jahre statt und ist das höchste Entscheidungsgremium der weltweiten lutherischen Kirchengemeinschaft, die mehr als 78 Millionen lutherische Gläubige aus aller Welt in 154 Mitgliedskirchen und 99 Ländern vertritt. Die Treffen und Veranstaltungen in dieser Woche waren der erste Schritt auf dem Weg hin zur nächsten Vollversammlung 2030, bei der die weltweite Kirchengemeinschaft auch einen für die Identität, die Mission und das Zeugnis der lutherischen Kirchen in aller Welt entscheidenden Moment feiern wird.

Melanchton Zentrum
Protestantisches theologisches Zentrum in Rom: Studium, Forschung, internationale und ökumenische Kurse für Studierende, Doktoranden und Forscher aus ganz Europa.
Ein internationaler Bezugspunkt
Das Melanchthon Zentrum ist ein wichtiger Bezugspunkt für die protestantische Theologie in Italien.
Das Zentrum wurde 2002 von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien (ELKI) und der Waldensischen Theologischen Fakultät gegründet, um Studierenden und Forschenden einen Ort zu bieten, an dem sie sich im einzigartigen Kontext der Stadt Rom mit Theologie, Ökumene und Kirchengeschichte auseinandersetzen können.
Dank eines internationalen Netzwerks, zu dem die EKD, die GEKE, DNK/LWB, europäische Universitäten und ein aktiver Freundeskreis gehören, ist das Zentrum heute eine Drehscheibe für Bildung, Forschung und Begegnung für den europäischen Protestantismus.
Das Melanchthon Zentrum zu besuchen bedeutet, Theologie an dem Ort zu erleben, an dem die Geschichte der Kirche ihren Ursprung hatte und sich gewandelt hat.
Das Zentrum bietet ein Jahr theologischer Studien in Rom mit einem Programm für Theologiestudenten und -studentinnen aus ganz Europa, die folgende Einrichtungen besuchen können:
• die päpstlichen Universitäten,
• die Waldensische Theologische Fakultät,
• Seminare und Fachkurse des Zentrums.
Die Referenzsprache ist Italienisch.
Das Zentrum bietet außerdem:
• Kurzkurse und Intensivseminare,
• Fortbildungskurse für Pfarrer/innen, Dozenten/innen und Forscher/innen,
• Workshops zu Ökumene und Kirchengeschichte mit Schwerpunkt auf dem römischen Kontext.
Und regelmäßige öffentliche Initiativen, Konferenzen und Workshops, die Experten aus aller Welt zusammenbringen, um Themen zu behandeln, die nur Rom bieten kann: christliche Archäologie, Geschichte des Papsttums, ökumenischer Dialog, Schnittstelle zwischen Glauben und Kunst.
Das Zentrum unterstützt außerdem Wissenschaftler, die für zwei bis zwölf Monate in Rom leben möchten, um Forschungen zur Geschichte und Theologie der Stadt durchzuführen. Es stehen Studienplätze und ein internes Studentenwohnheim zur Verfügung.
Die Stärke des Melanchthon Zentrums liegt in der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit europäischen akademischen Einrichtungen, darunter:
• Universitäten in Deutschland und der Schweiz,
• Institut für deutsche Geschichte in Rom
• Pädagogisch-Theologisches Institut Kassel,
• Konfessionskundliches Institut Bensheim.
In Deutschland gibt es außerdem einen aktiven Freundeskreis, der ehemalige Studenten, Dozenten und Förderer zusammenbringt.

Die Gemeinde Ispra-Varese zu Gast in Turin
Ein Wochenende zusammen

Am letzten Wochenende, 18./19.10.2025, hat sich eine Gruppe von 10 Erwachsenen und 6 Jugendlichen aus der Evangelisch-Ökumenischen Gemeinde Ispra-Varese auf den Weg gemacht, um die Schwestergemeinde in Turin zu besuchen. Pfarrer Tobias Brendel und sein Hund Otto erwarteten die Gruppe an der neuen Pfarrwohnung in Turin. Von dort aus markierte ein Mittagessen in der Pizzeria um die Ecke den Auftakt zur gemeinsamen Zeit – bevor bei herrlichem Herbstwetter die Stadt unter der Führung von Pfarrer Brendel besichtigt wurde.

Für die Jugendlichen aus beiden Gemeinden, die sich teils schon aus dem Konfirmandenunterricht kannten, gab es ein Extraprogramm: einen Besuch im lokalen Schokoladenmuseum, dank der Organisation durch eine Turiner Familie. Gegen Abend stand Zeit für Unternehmungen in Kleingruppen auf dem Plan, die für Weinproben, Aperitivi, Stadtbummel oder private Treffen mit Gemeindemitgliedern genutzt wurde. Danach trafen sich alle wieder in einer Trattoria zum Abendessen.
Nach einer erholsamen Nacht in der Casa Don Bosco bildete der Besuch des Gottesdienstes den feierlichen Höhepunkt des Aufenthalts. Im Anschluss bot der Kirchenkaffee die Möglichkeit, weitere Gemeindemitglieder kennenzulernen und sich auszutauschen.

Dankbar für die herzliche Gastfreundschaft und die bereichernden Begegnungen machten sich Pfarrerin Magdalena Tiebel-Gerdes, Pfarrer Carsten Gerdes und die Reiselustigen aus Caldana auf die Heimreise. Mit der Gewissheit, dass Gemeindereisen eine tolle Möglichkeit sind, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken – außerhalb des regulären Alltags in der eigenen Gemeinde. Gleichzeitig fördern sie das Bewusstsein für die ELKI-Realität und die Vielfalt der unterschiedlichen Gemeinden.

Kinder schützen
Der Lutherische Weltbund ruft dringend dazu auf, Kinder vor und in Konflikten zu schützen.
Gewalt verhindern, Bewusstsein schaffen, Dialog fördern
Kinder in bewaffneten Konflikten schützen: Anlässlich des Weltfriedenstages schließt sich der Lutherische Weltbund (LWB) einem Aufruf von religiösen Verantwortlichen, Organisationen der Vereinten Nationen (UN) und der Zivilgesellschaft an, in dem dringend ein besserer Schutz für Kinder in Kriegsgebieten gefordert wird.
Mit der Kampagne soll auf eine traurige Realität aufmerksam gemacht werden: Weltweit leben heute 473 Millionen Kinder in Konfliktgebieten, 48,8 Millionen sind auf der Flucht. Im Jahr 2024 dokumentierten und überprüften die Vereinten Nationen 41.370 schwere Verstöße gegen Kinderrechte – ein Höchststand in den letzten 25 Jahren.
„Als Glaubende beten und arbeiten wir für den Frieden und wollen die am meisten gefährdeten Menschen schützen“, sagte LWB-Generalsekretärin Anne Burghardt. „Jedes Kind ist von Gott geliebt. Als Gemeinschaft setzen wir uns für den Schutz von Kindern ein und respektieren die Würde jedes Einzelnen.“
Text der Erklärung: Erklärung: Engagement für Kinder in Kriegsgebieten
Als Religionsgemeinschaften, internationale Organisationen, Zivilgesellschaft und Menschen guten Willens erheben wir gemeinsam unsere Stimme, um auf das Leid der Kinder im Krieg aufmerksam zu machen, die Unantastbarkeit und den Wert ihres Lebens zu bestärken, ihre Menschenwürde zu wahren und ihren Schutz als unschuldige, besonders schutzbedürftige und wertvolle Mitglieder einer jeden Gemeinschaft zu fordern. Die wiederholten Verstöße gegen humanitäres Völkerrecht und Menschenrechtsnormen sind keine Einzelfälle. Sie spiegeln eine weitreichende und alarmierende Aushöhlung der gemeinsamen moralischen Grundsätze wider, für die Glaubensgemeinschaften seit Jahren einstehen und zu deren Entstehung sie beigetragen haben.
Über alle Kulturen hinweg erinnern uns heilige Texte, Gebete und Praktiken an gemeinsame ethische Gebote: Schwache schützen und nach Frieden streben. Bereits lange vor der Kodifizierung von humanitärem Recht und Menschenrechtsgesetzen riefen uns Glaube und moralische Werte zu Mitgefühl, zum Schutz der Schwachen, zur Stärkung von Beziehungen, zur Wahrung der Menschenwürde und zur Förderung des Rechts auf Leben auf.
Die Kindheit ist eine Zeit des Wachstums, der Identitätsfindung und der Verbundenheit. Wenn ein Kind zur Flucht gezwungen wird, ein Elternteil zu verliert oder Hunger und Verletzung erdulden muss, wird diese Zeit zerstört. Abgesehen von dem unmittelbaren Leid werden die Folgen häufig übersehen, doch sie sind dennoch verheerend: Mangelernährung und Verwendung von Nahrungsmitteln als Waffe; Versagen der Gesundheitssysteme, Ausbreitung von Krankheiten und Unterbrechung von Impfprogrammen; toxischer Stress und andere psychische Probleme; Bildungsabbrüche, Entwicklungsstörungen und frühzeitiges Heiraten und die Spaltung von Gemeinschaften mit der Folge, dass Vertrauen und Solidarität verloren gehen und unsere gemeinsame Zukunft – die Zukunft unserer Kinder – gefährdet wird.
Die schweren und zunehmenden Verstöße gegen humanitäres Völkerrecht und Menschenrechte wie etwa gezielte Angriffe auf Kinder, ihre Schulen, Krankenhäuser, in denen sie behandelt werden, und Unterkünfte, in denen sie Zuflucht suchen, sind zutiefst beunruhigend und könnten zur Norm werden.
Das MUSS aufhören. Wir dürfen nicht schweigen. Veränderung ist möglich und wurzelt in den moralischen Lehren unseres Glaubens und den universellen Rechtsgrundsätzen, mit denen Gerechtigkeit und Frieden gesichert werden sollen. Wir sind überzeugt, dass internationale Organisationen, lokale Gemeinschaften und Kinder selbst für Heilung und Wandel sorgen können. Wir glauben an die Kraft der Hoffnung, der Solidarität, der Sensibilisierung und des Bewusstseins und sind uns bewusst, dass sowohl die gesellschaftliche Sensibilisierung als auch das Handeln und Sprechen aus unserem eigenen Gewissen heraus die Richtschnur für kollektive Verantwortung und gemeinsames Handeln sein müssen. Gemeinsam können wir Gewalt verhindern, das Bewusstsein für ihre verheerenden Auswirkungen schärfen und Räume für Dialog und gegenseitiges Verständnis schaffen, die dazu beitragen können, den Lauf der Geschichte zu wenden.
Wir müssen handeln ─ um unserer Kinder willen.
Am Weltfriedenstag 2025 fordern wir daher gemeinsam alle Staaten und Verantwortlichen in der Politik auf:
- Erfüllen Sie Ihre rechtlichen Verpflichtungen und halten Sie sich an das humanitäre Völkerrecht und die internationalen Menschenrechtsnormen, die uns alle vor Gewalt und Missbrauch schützen, insbesondere vor Gewalt und Missbrauch gegen Kinder in Zeiten des Krieges.
- Setzen Sie sich für einen sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand in allen Konfliktgebieten ein und fordern Sie alle Parteien nachdrücklich auf, dem Dialog und einer friedlichen Lösung höchste Priorität einzuräumen und dringend Maßnahmen zur Deeskalation zu ergreifen, damit Kinder und Zivilbevölkerung geschützt werden.
- Schützen Sie Kinder vor Gefahren und Gewalt in jeglicher Form entsprechend Artikel 38 der Kinderrechtskonvention, der die Staaten zu Maßnahmen zum Schutz und zur Sorge für Kinder im Zusammenhang mit bewaffneten Konflikten verpflichtet. Hierzu gehört auch das Verhindern des Zusammenbruchs öffentlicher Gesundheitssysteme und die Gewährleistung einer sicheren und ungehinderten Versorgung mit Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser, medizinischer Hilfe sowie psychologischer und psychosozialer Unterstützung.
- Achten und schützen Sie Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen; unterlassen Sie deren Nutzung für militärische Zwecke; ermöglichen Sie ein sicheres und nachhaltiges Lernen für vertriebene und geflüchtete Kinder.
- Unterstützen Sie eine transparente Überwachung, Berichterstattung und Rechenschaftsmechanismen bei schweren Verstößen gegen die Rechte von Kindern. Beenden Sie die Straflosigkeit und fördern Sie Gerechtigkeit, Dialog und Versöhnung durch terminlich festgelegte Maßnahmenpläne entsprechend internationalen Rahmenwerken.
- Bekämpfen Sie die vielfältigen Ursachen gewaltsamer Konflikte einschließlich derer, die mit Ressourcenknappheit, Vertreibung, globaler Erwärmung und anderen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Faktoren in Zusammenhang stehen.