Wort zum Monat Oktober 2021 - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Wort zum Monat Oktober 2021

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.
(Hebräer 10,24)

 Gemeinsam ins Ziel


„Special Olympics“, so nennt sich die größte Sportbewegung für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen. Bei einem ihrer Rennen soll Folgendes passiert sein:
Einer der Läufer stolpert kurz vor dem Ziel und stürzt. Aus ist sein Traum, auf dem Siegertreppchen zu stehen. Da passiert es: Der Gegner, der einen leichten Vorsprung hat, bemerkt, dass sein Verfolger hingefallen ist. Und: Er macht auf dem Absatz kehrt und läuft zurück. Tröstend umarmt er den, der am Boden liegt. Auch die anderen Läufer unterbrechen ihr Rennen. Alle kommen sie zu dem, der gefallen ist. Sie umringen ihn, dann helfen sie ihm auf und laufen miteinander weiter, in einem Tempo, bei dem alle mithalten können. Gemeinsam kommen sie ins Ziel.
Wie wäre das, auch in anderen Zusammenhängen, die Menschen um mich nicht in erster Linie als Konkurrent*innen, Gegner*innen oder gar Feind*innen zu sehen? Wie wäre es, wenn Mitleid und Barmherzigkeit größer wären als Ehrgeiz und Siegeswillen?
Und wir uns aufmachen zu anderen Menschen, besonders zu denen, die am Boden sind, auf einen Weg, der uns gemeinsam ins Ziel bringt?

 

Gebet (Giovanni Mazzillo & Evert Sanders)
Mein Nächster, Jesus, ist jeder Mensch, einfach deswegen, weil er ein Mensch ist
und weil Du für jedes menschliche Wesen Fleisch und Blut geworden bist,
indem Du schließlich bis zu den Rändern unserer Straßen hinabgestiegen bist.
Kurvenreiche Straßen,
auf denen man heute immer noch auf viele Arten sein Leben riskiert,
weil die Habsucht dazu führt, Mitmenschen wie Einwegflaschen zu behandeln.
Genau hier suchst Du uns, Du barmherziger Samariter,
und obwohl Du Dich mit Blut und Dreck befleckst,
nimmst Du uns in die Arme und pflegst uns;
Du führst uns behutsam heim, damit unsere Wunden so wenig wie möglich schmerzen.
Heute bitten wir Dich um die Fähigkeit, uns ebenso zu verhalten,
indem wir weder auf Etikette und noch weniger auf Obliegenheiten achten, die unserer harren.
Denn Du Selber erwartest uns –
in der Liebe, in der wir Tag für Tag handeln sollen.

 

Pfarrerin Kirsten Thiele, Neapel

Foto di Vicki Nunn da Pixabay