Wort zum Monat August – 01.08.2021 - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Wort zum Monat August – 01.08.2021

Herr, neige dein Ohr und höre! Herr, öffne deine Augen und sieh her! (2.Könige 19,16)

Muss man Gott wirklich bitten, dass er hinhört und hinsieht? Tut er das nicht ohnehin schon?

Sicher, Gott hört und sieht, davon geben die biblischen Texte ja Zeugnis. Und dennoch, Gott möchte, dass wir ihn bitten. Nicht, um ihn zu erweichen, nicht, um ihn unserem Willen zu beugen.

Sondern so, dass wir unsere Sorgen und Ängste vor ihm ausbreiten. So hatte es der israelitische König Hiskia gemacht, als die Übermacht der Feinde sein Volk zu erdrücken drohten: Herr, höre doch unsere Bitte um Hilfe. Herr, schau doch hin, wir schaffen das nicht alleine!

An einer ganz anderen Stelle, im Buch Exodus, wird beschrieben, wie Gott auf die Schreie seines Volkes hört – obwohl sie nicht mal direkt zu ihm gebetet hatten, sondern wohl einfach nur Stoßseufzer in ihrem Herzen gen Himmel schickten, ohne direkte Adresse.

Und Gott nimmt es sich zu Herzen, er macht sich die Not zu eigen und handelt. In Exodus3,7-8 heißt es: „Ich habe das Elend meines Volkes (in Ägypten) gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette (aus der Ägypter Hand) und sie herausführe aus diesem Land in ein gutes und weites Land, in dem Milch und Honig fließt.“

So beginnt die große Befreiungsgeschichte Gottes – Gott sieht das Leid, und er hört die Schreie, die aus dem Mund der Unterdrückten kommen. Hier hat sich Gott ein für alle Mal auf die Seite der Schwachen, der Unterdrückten, der Unfreien gestellt – und das gilt als Beispielgeschichte dafür, wer Gott bis heute ist und wie er handelt. Er sieht, er hört, und er führt hinaus.

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ (Psalm 31,9) – das ist die Erfahrung mit Gott, der aus Leid und Unrecht hinausführt und wieder Raum zum Leben schenkt und Luft zum atmen.

Aber wir stecken noch mitten drin im Unheil: die Pandemie ist nicht vorüber, die Umweltkatastrophen – wie vor kurzem die Überschwemmungen in Deutschland, Holland, Belgien – nehmen an Zahl und an Gewalt zu, überall auf unserer Erde. Wie gehe ich damit um? Meine ich, Gott schläft wohl und lässt uns damit alleine? Oder traue ich ihm noch zu, dass er hinsieht und hinhört, und dass er uns hinausführen will in eine neue Freiheit, dass er unser Leben will, nicht unseren Tod?

Lasst uns diesen Sommer verantwortungsvoll erleben. Lasst uns nicht aufhören, nur weil wir Urlaub haben, Gott unsere Sorgen und Ängste hinzuhalten. Denn ich bin sicher, Gott macht keinen Urlaub, sondern neigt sein Ohr uns zu und streckt uns seine Hand entgegen. Im Gebet bekomme ich die Kraft, die ich brauche, um weiterzugehen, trotz all dem, was schlecht ist. Und manches scheint nur schlecht, in meinen Augen. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf: Gott sieht genau hin, und er hört genau hin. Darauf vertraue ich, darum bete ich, darauf verlasse ich mich. Und so gehe ich trotz allem froh und entspannt in den Urlaub – denn selbst da sieht und hört Gott!

Ich werde nun einen Monat Pause machen mit den „Worten zum Tag“, wundert euch also nicht, es geht mir gut und ich mache auch ein wenig Urlaub. Und ich wünsche jeder und jedem einen wundervollen Monat August, einen erholsamen Sommer und offene Augen und Ohren!

Segenswunsch: Ohren und Augen (Tina Willms)
Ich wünsche dir Ohren, die dir zugeneigt sind,
gespannt auf das, was du zu sagen hast,
aufmerksam für das, was zwischen den Zeilen schwingt.
Und Augen, die dich offen ansehen,
mit einem klaren Blick, dem du vertrauen kannst und der erkennt, wer du bist.
Ich wünsche dir, dass Gott dir begegnet durch Menschen,
die dich verstehen und sehen.

Pfarrerin Kirsten Thiele, Neapel

Foto di Prawny da Pixabay