Gemeinsames Nachdenken eint - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Gemeinsames Nachdenken eint

ASLI-Online-Tagung „Luther und das Abendmahl – Geschichte, Ontologie und Gegenwart“
 „Luther und das Abendmahl.“ Experten aus mehreren Konfessionen, besonders auch aus dem katholischen Umfeld, haben an der Online-Tagung der Akademie für Lutherische Studien in Italien, ASLI, vom 4.-5. Juni teilgenommen. Unter den Teilnehmern auch der Dekan der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien, Heiner Bludau, der zu einem Eröffnungsgruß eingeladen war sowie die Vizedekanin Kirsten Thiele. Eine sehr komplexe theologische Debatte über Luther und seine Lehre aus historischer und theologischer Sicht bis zu den Themen der Gegenwart wie Ökumene und Digitalisierung der Kirche.

Das Abendmahl, bzw. die Kommunion. Ein Faktor, der bis heute noch einen Graben darstellt zwischen Katholiken und den anderen christlichen Kirchen, ein Graben, der offiziell zumindest, im Augenblick nur über eine „Einbahn-Brücke“ überwunden wird. Für Lutheraner, Waldenser, Methodisten usw. ist die Gastfreundschaft am Altar längst selbstverständlich. Einzige Voraussetzung, dass der Gast christlich getauft ist. Die Katholiken hingegen, so die Doktrin, lehnen eine Gastfreundschaft noch ab, auch wenn sie vielerorts auf Gemeindeebene längst gelebt wird. Durch Corona ist ein weiteres Abendmahl-Thema in den Mittelpunkt der theologischen Diskussion gerückt: das digitale Abendmahl. Hier gibt es auch auf evangelischer Seite Widerstände und Perplexitäten.

 Dekan Heiner Bludau zeigt sich sehr erfreut über Ablauf und Ergebnis der Tagung. In seinem Grußwort betonte er, dass mit der Akademie für Lutherische Studien in Italien, ASLI, ein neutraler Ort geschaffen wurde, um sich gemeinsam und konfessionsübergreifend mit Luthers Lehre auseinanderzusetzen und die unterschiedlichen Studienansätze und Forschungsergebnisse auszutauschen und auf hohem theologischem Niveau zu diskutieren. Ohne Zweifel, so Bludau, habe die Pandemie ein Nachdenken über neue Formen des Abendmahls und die Frage, wer legitimiert sei, das Abendmahl zu feiern, forciert. Die Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien, so Bludau, sei bis auf weiteres gegen digitale Abendmahlsfeiern. Eine Diskussion über die Amtsfrage, bzw. ob PrädikantInnen mit einer entsprechenden Zusatzausbildung zur Feier des Abendmahls zugelassen werden sollten, sei in Gang gekommen, aber für ein so wichtiges Thema sei eine Diskussion in der Pfarrkonferenz von Person zu Person und nicht in digitalem Format vorgesehen.

Die ASLI-Tagung, so Bludau, sei für ihn nicht nur von großem theologischen Interesse, sondern auch ein Anlass zur Freude, weil sie gezeigt habe, dass das gemeinsame, konfessionsübergreifende Nachdenken über die Theologie von Luther nicht trennen müsse, sondern vielmehr vereinen könne. Das Abendmahlsthema sei sehr komplex angegangen worden, sowohl unter historischen Aspekten als auch unter Einbezug der jüngsten gesellschaftlichen Entwicklungen. „Angesichts der Mehrheit an katholischen Theologen unter den Referenten der Tagung, fand ich bemerkenswert, dass es nicht um eine Beurteilung der Theologie Luthers ging, sondern ganz eindeutig, um das Bemühen um besseres Verständnis.“ Und dies, so Bludau, „erscheint mir in diesem besonderen historischen Moment von großer Bedeutung, weil noch vor Monatsende Lutheraner und Katholiken in Rom gemeinsam, Seite an Seite, ein einschneidendes Ereignis betrachten werden: die Exkommunizierung Luthers vor 500 Jahren.“

In der Frage der eucharistischen Gastfreundschaft erhofft Bludau eine baldige Verständigung. Katholiken und Lutheraner seien einig in der Annahme der Präsenz Christi durch den Heiligen Geist im Abendmahl; ob diese Präsenz nun real (Luther) oder dem Wesen nach in der Substanz sei (katholische Lehre der Transsubstantiation), sei eine innerkatholische Frage, aber grundsätzlich nicht trennend. In den anderen evangelischen Konfessionen gibt es ebenso unterschiedliche Auffassungen zu diesem Thema. Calvin spricht zum Beispiel von einer geistigen Gegenwart Christi, Altkatholiken und Orthodoxe wiederum glauben an eine bleibende wesenhafte Verwandlung. Unterschiedliche theologische Positionen, die auf der Basis einer gemeinsamen Grundlage gegenseitig respektiert werden sollten. Dann, so der Dekan der ELKI, Heiner Bludau, „müssen sie nicht trennen, sondern können verbinden. Das gemeinsame Diskutieren und Erforschen der lutherischen Glaubenslehre könnte dabei helfen.“

Die Akademie für Lutherische Studien in Italien, ASLI (www.studiluterani.it) ist vor zehn Jahren vom lutherischen Pfarrer Dieter Kampen als Plattform gegründet worden, mit dem Ziel, auf hohem wissenschaftlich-theologischen Niveau Forschung zu betreiben und Luthers Gedankengut in Italien zu verbreiten und zu vertiefen. Die ELKI ist institutionelles Mitglied der Akademie. Abwechselnd werden im zweijährigem Abstand Studientagungen und Konferenzen zu unterschiedlichen theologischen Themen abgehalten, deren Ergebnisse anschließend in Buchform bei der Claudiana veröffentlicht werden. Unterstützt wird die ASLI dabei, je nach Thema, von Universitäten, Institutionen und Kirchen. Der Präsident der ASLI ist der katholische Theologe Franco Buzzi.

 

nd

07.06.21

Foto: Gini George/ Pixabay