Wir ziehen an einem Strang - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Wir ziehen an einem Strang

Jens Ferstl ist seit sechs Monaten Schatzmeister der ELKI

Jens Ferstl, Synodaler der Gemeinde Meran, ist seit Oktober 2020 Schatzmeister der ELKI. Zahlen sind nicht nur seine Leidenschaft, sondern auch sein tägliches Brot. Beruflich befasst er sich mit der Entwicklung von Finanz- und Buchhaltungsprogrammen. In den ersten Konsistoriums-Sitzungen hat er besonders eines geschätzt: die von Anfang an sehr gute Zusammenarbeit und die Teambildung. Die Entscheidung für die Online-Synode trägt er mit, aber glücklich ist er damit nicht.

Synode online. Was bedeutet das für Sie?

Jens Ferstl: Den Großteil meiner beruflichen Tätigkeit wickle ich über Fernwartung ab. Wenn ich denke, dass ich auch die Synode in meinem Büro über den Bildschirm verfolgen muss… Nein, glücklich bin ich damit überhaupt nicht. Aber ich bin beeindruckt, was Synodalpräsidium und Dekanat auf die Beine stellen, wie professionell sie die dreitägige Online-Synode vorbereiten.

…aber Sie wären Ende April lieber in Rom!

Jens Ferstl: Aber sicher, besonders aus zwischenmenschlichen Gründen. Die Synode besteht ja nicht nur aus Plenum und Gruppenarbeiten. Da sind die Gespräche am Mittagstisch und am Abend. Das Sich-Kennenlernen und Sich-Austauschen. Da ergibt sich oft Wichtiges. Wir Meraner Synodale haben uns deshalb seit unserer ersten Synode auf Sizilien 2008 (die Gemeinde Meran ist seit 2008 Mitglied der ELKI, Anm. d. Red.) vorgenommen, uns bei jeder Mahlzeit auf verschiedene Tische zu verteilen und wenn möglich, nicht zusammenzusitzen, um mit anderen Gemeinden ins Gespräch zu kommen und persönliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Aber natürlich, es gibt zurzeit keine Alternative und zum Glück können wir die Synode 2021 zumindest in diesem Format abhalten!

Sie sind erst seit wenigen Monaten im Amt. Einarbeitungszeit hat es ja eigentlich nicht gebraucht, als ehemaliges und langjähriges Mitglied im Finanzausschuss sind sie drinnen in der Materie. Wie ist ihr erster Eindruck?

Jens Ferstl: Ich bin beeindruckt von der Effizienz und der guten Zusammenarbeit im Konsistorium und mit dem Dekanat. Auch wenn Vorbereitung und Sitzungen anstrengend sind, auch wenn ein Tag eben nur 24 und nicht ein paar Stunden mehr hat – ich arbeite gerne mit diesen Menschen und für unsere Kirche. Wir ziehen an einem Strang!

Sie bezeichnen sich selbst als konsensfähig, aber Spielregeln einhalten und gewisse Grundregeln sind ihnen ein Bedürfnis. Sie haben bestimmte Vorstellungen…

Jens Ferstl: Ich habe so meine Ideen und bringe diese auch ein, sie werden kritisch begutachtet und es werden Kompromisse gefunden. Das Schöne ist, dass in den Gremien der ELKI keiner für sich arbeitet, sondern alle zusammen für die gemeinsame Sache. Für unsere Kirche. Dabei ist es von großem Vorteil, dass wir im Dekanat einen Partner haben, der nicht nur das historische Gedächtnis der ELKI ist, sondern uns in allem effizient unterstützt.

Sind sie nach wie vor davon überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, als Schatzmeister zu kandidieren?

Jens Ferstl (lacht): Sagen wir ja. Aber sicher, es ist ein Opfer, der Zeitaufwand und die Verantwortung sind groß. Als Mitglied des Finanzausschusses musste ich getroffene Entscheidungen prüfen, jetzt geht es auch darum, Entscheidungen selbst zu treffen! Als Schatzmeister darf ich Geld verwalten, das mir nicht gehört- – davor habe ich großen Respekt.

Ändert sich der Blickwinkel auf Kirche, wenn man so involviert ist in die Interna?

Jens Ferstl: Ändert sich der Blickwinkel? Sagen wir es so: Was ich vorgefunden habe, ist eine gutgeölte Maschinerie. Ich muss mich nicht um Lohnzahlungen oder um verwaltungstechnischen Alltagskram kümmern. Als Schatzmeister kann und soll ich jetzt die Richtung von Ausgaben beeinflussen, das hat neben rein finanziellen Überlegungen (wie z.B. OPM) in gewisser Weise auch mit meinem persönlichen Bild von Kirche zu tun. Das ist das interessante, reizvolle an dieser Aufgabe; ich bin auf dem Weg, aber bisher war die Zeit noch zu kurz, um mehr darüber zu sagen.

nd

23.04.2021