Das Dekanat im digitalen Fieber - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Das Dekanat im digitalen Fieber

Die Online-Synode: Eine Herausforderung für Alexandra, Francesca und Laura
Eine enorme Herausforderung. Angenommen mit Mut zu neuen Kompetenzen und Improvisationstalent. Das Frauenteam im Dekanat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien hat sich nicht abschrecken lassen und sich voll Elan in die Vorbereitung der ersten – und hoffentlich letzten – Online-Synode gestürzt. Verwaltungsleiterin Alexandra Damm und ihre Mitarbeiterinnen, Francesca Conti und Laura Emiliozzi, sind auch bei einer normalen Synode die guten Geister im Hintergrund, die alles vorbereiten, damit es komplikationslos vonstatten geht. Nun haben sie auch noch die Fäden des gesamten technischen Ablaufs der Synode in der Hand. Online- und Abstimmungsplattform, Waiting-Rooms, virtuelle „Räume“ für Arbeitsgruppen und vieles andere mehr…

Die Vorbereitungen laufen seit zwei Monaten auf Hochtouren, Hand in Hand mit dem Synodalpräsidium, Wolfgang Prader und Ingrid Pfrommer und dem Konsistorium. „Jeden Tag öffnet sich mindestens ein neues Feld“, sagt Alexandra Damm. „Aber mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt, kurzfristig zu planen, von Moment zu Moment und vor allem dennoch den Überblick nicht zu verlieren und Ruhe zu bewahren.“

Wie kam es zur Entscheidung, alles in Eigenregie durchzuführen? „Wir haben uns zunächst an Techniker gewandt“, erklärt Francesca Conti, die sich auch sonst um die Homepage und Facebook kümmert. „Aber wir hatten das Gefühl, dass unsere Gesprächspartner nicht richtig verstanden haben, wo die Knackpunkte sind und was wir eigentlich brauchen.“

Eine Synode ist eine komplexe Angelegenheit. Auch wenn bei der 2. Sitzung der XXIII. Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien keine Wahlen anstehen, das Synodalpräsidium und die drei Laienmitglieder des Konsistoriums wurden bei der 1. Sitzung im vergangenen Oktober neu eingesetzt, so gibt es doch Abstimmungen über Beschlussanträge und über den Diskussionsmodus. „Nachdem feststand, dass wir keine fertige Lösung finden würden, haben wir uns selbst auf die Suche gemacht. Und wir haben solange im Internet herumgesucht, bis wir das gefunden haben, was unseren Bedürfnissen am besten entsprochen hat,“ fährt Alexandra Damm fort.

Es folgte eine Zeit intensiven Testens. Tagsüber zwischen den Mitarbeiterinnen im Dekanat und am Abend auch mit dem Präsidenten und der Vizepräsidentin. Stück für Stück setzte sich zusammen, wie eine Veranstaltung mit mehr als 60 Teilnehmern, die wenigsten von ihnen Online-Experten, einfach, aber allen Ansprüchen genügend, zusammengestellt werden kann. Alexandra, Francesca und Laura haben sich nach und nach und ganz selbstverständlich Kompetenzen angeeignet, die sie sich vor Covid noch nicht hätten vorstellen können.

Bei einer normalen Synode, so die drei Mitarbeiterinnen des Dekanats, müssen wir alles auf einmal parat haben. Formulare für Abstimmungsanträge, Fotokopien von Berichten, Beschwerden über ein nicht geputztes Zimmer oder besondere Essenswünsche… Hier haben wir eine Art (virtuelles) Schubladensystem. Sobald eine geschlossen wird, können wir die nächste öffnen. Aber nie alle auf einmal. Und ein Bereich ist dieses Mal natürlich weggefallen: Alles, was mit Reservierung, Übernachtung und Verpflegung zu tun hat.

Wir haben immer gemeinsam überlegt, was wir brauchen. Zum Beispiel, die Modalität Hand heben, um das Wort zu ergreifen oder um die Beendigung der Diskussion zu beantragen oder wie ermöglichen, dass das Präsidium immer den Überblick behalten kann“, berichtet Laura Emiliozzi. Sie ist bei jeder Synode der Jolly, hat keine spezifische Aufgabe, sondern ist überall dort sofort zur Stelle, wo es gerade gebraucht wird.

Ein wichtiges Thema war die Sicherheit. Eine Online-Veranstaltung kann kein Open-Space sein, zu dem jeder Zutritt hat, betont Verwaltungsleiterin Damm. „Wir haben deshalb ein Stufen-System eingeführt.“ Wer an der Synode teilnehmen möchte – und das sind dieses Mal, erklärt Francesca Conti, nicht nur Synodale und Gäste, sondern auch Mitglieder der einzelnen Gemeinden bzw. außenstehende Interessierte, denen das Online-Format die Möglichkeit zur Teilnahme, bzw. auch zum kurzfristigen „Hereinschnuppern“ eröffnet – muss sich über die Homepage der ELKI, www.chiesaluterana/ sinodo2021 anmelden. Die Anfragen werden bearbeitet und jedem Teilnehmer wird ein Link mit Passwort zugewiesen, der zunächst Zutritt in einen virtuellen Warteraum gewährt. Von dort können die Mitarbeiterinnen des Dekanats Einlass geben.

Einige Gäste der Synode, wie z. B. die evangelischen Bischöfe Leon Novak (Slowenien) und Michael Chalupka (Österreich) bzw. der Vertreter der italienischen katholischen Bischofskonferenz, Monsignore Ambrogio Spreafico, sowie Olaf Waßmuth von der Evangelischen Kirche Deutschlands, werden kurze, direkte Grußworte an die Synode richten, andere haben kurze Texte oder Videogrüße geschickt. Der Zeitplan ist in jedem Fall sehr eng bemessen. Die Online-Synode ist um einen Tag verkürzt.

Die ELKI ist eine zweisprachige Kirche und daher kann natürlich auch bei der Online-Synode nicht auf eine Simultanübersetzung verzichtet werden. Eine Herausforderung für die Übersetzerinnen, aber auch für die Organisation der digitalen Plattform, die jedem die Möglichkeit geben muss, von der Simultanübersetzung ins Deutsche oder Italienische Gebrauch zu machen oder aber der Synode direkt, ohne Übersetzung zu folgen.

Der Countdown läuft. In wenigen Tagen ist es soweit. In der Woche vor der Synode werden den Synodalen Probe-Termine angeboten, um sich mit dem Online-Format vertraut zu machen. Im Dekanat ist alles vorbereitet. Alexandra, Francesca und Laura sehen dem Eröffnungstag am 29. April mit relativer Ruhe entgegen. „Jetzt hoffen wir, dass wir an alles gedacht haben und auch Unerwartetes meistern können.“ Etwas Glück, Improvisationstalent und Gottes Segen gehören auch dazu.

nd
24.04.2021

Foto di AnonymAT da Pixabay