Wir Lutheraner unterscheiden uns durch unsere Freiheit - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Wir Lutheraner unterscheiden uns durch unsere Freiheit

Cordelia Vitiello, gesetzliche Vertreterin der ELKI und Ratsmitglied des LWB

Sie ist eine Frau mit vielen Ressourcen und Verpflichtungen. Gesetzliche Vertreterin der ELKI, Präsidentin des Evangelischen Krankenhauses Bethanien in Neapel, Ratsmitglied des Lutherischen Weltbundes, involviert in verschiedene diakonische Projekte in ihrer Heimat, Neapel und Umgebung. Mit einer deutschen Mutter und einem neapolitanischen Vater repräsentiert Cordelia Vitiello auch die bi-kulturelle Seele der ELKI. Und sie war es auch, die, ganz am Anfang der Pandemie, Covid am eigenen Leib erfahren hat. Zwei endlos lange Wochen in einem Krankenhaus in Catanzaro.

… eine Synode nur sieben Monate nach der letzten…

Cordelia Vitiello: Ja, letztes Jahr konnten wir trotz Covid die Erfahrung einer Synode in Präsenz erleben – unter Beachtung aller Sicherheitsmaßnahmen natürlich. Jetzt bereiten wir uns auf die neue Erfahrung einer Synode im Onlinemodus vor. Aber wir wollten nicht noch einmal auf das Ritual der Synode im Frühjahr verzichten. Auch das ist für das Leben der Kirche von Bedeutung. Es wird ein Experiment sein und wer weiß, vielleicht können wir auch als Modell dienen für andere.

Sehen Sie die Zukunft der Kirche digital?

Cordelia Vitiello: Der digitale Modus ist wichtig für die Zukunft, keine Frage. Er ermöglicht viele Dynamiken, öffnet viele Türen, gibt uns Sichtbarkeit. Durch die Covid bedingte, experimentelle Online-Präsenz sind wir auch für viele neue Sympathisanten sichtbarer geworden. Die Pandemie hat den Digitalisierungs-Prozess beschleunigt. Das Online-Format hat uns geholfen, trotz der Trennung, Nähe zu vermitteln. Diese Erfahrung müssen wir ausbauen und auch in Zukunft nutzen, für jene, die aus welchen Gründen auch immer, an der Teilnahme verhindert sind, die entfernt sind. Aber wir dürfen dabei nie vergessen, wie wichtig die Begegnung von Mensch zu Mensch, die menschliche Nähe ist, die unseren Gemeinden Leben gibt

Fünfzehn lange Monate der Pandemie – ein besonderer Moment.

Cordelia Vitiello: Ein ganz besonderer historischer Moment, ein Moment, in dem es noch wichtiger ist, in unserem unmittelbaren Umfeld Gutes zu tun, als Bürger und als gläubige Christen. Unsere Kirche, unsere Gemeinden sind durch diakonische Aktivitäten fest im Territorium verwurzelt. Covid oder nicht Covid, es gibt immer Menschen in Not, denen wir beistehen müssen.

Die Kirche lebt also durch Diakonie?

Cordelia Vitiello: Ohne Zweifel, aber nicht nur. Spiritualität ist ebenso wichtig, und wir Lutheraner zeichnen uns durch unsere besondere Spiritualität aus. Wir müssen uns unserer Geschichte bewusst sein und gleichzeitig dem Neuen öffnen. Wir müssen in der Lage sein, alle anzusprechen, insbesondere auch die jungen Menschen. Auch, gerade auch, weil dieses sich ganz allgemein immer mehr vom kirchlichen Umfeld entfernen.

Im Mittelpunkt der Synode stehen mehrere Themen von großer Aktualität: Umwelt, Jugend, diakonisches Handeln, Geschlechtergerechtigkeit, um nur einige zu nennen…

Cordelia Vitiello: Wir Lutheraner zeichnen uns durch unsere Freiheit aus. Ich sage immer, dass wir, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien, für eine, ich nenne es „gute“ Politik stehen, eine Politik im Dienst der Menschen. Wir kümmern uns um Migranten, Ausgegrenzte, Bedürftige, wir segnen – dies auch im Zusammenhang mit Gendergerechtigkeit – grundsätzliche alle Paare. Wir schauen der Realität ins Gesicht, wir geben Hilfe und Trost, und wir reagieren auf die Bedürfnisse einer Gesellschaft, die im kontinuierlichen Wandel begriffen ist.

Außerdem wird es eine Arbeitsgruppe geben, die sich mit der Verarbeitung der Corona-Zeit befasst. Sie selbst haben die Krankheit erlebt. Was erwarten sich Ihrer Meinung nach jene, die diese Gruppe wählen?

Cordelia Vitiello: Es war ein sehr heikler Moment, für jeden von uns. Jeder hat es anders erlebt, lebt es anders. Der eine hat Angst, der andere will es einfach nur hinter sich bringen, nicht daran denken. Andere möchten ihr Leben ändern oder haben es schon getan. Wieder andere haben das Bedürfnis, zusammen mit anderen, einen Sinn in dem Ganzen zu entdecken oder wollen verstehen wie die Zukunft aussehen kann… ich denke, das Wichtigste ist, ein Zeichen der Hoffnung zu setzen und vorwärts zu gehen. Unsere Mission und unsere Werte zu verwirklichen.

Ehrengast der Synode ist Pfarrer Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes. Wie sehen Sie als Ratsmitglied des LWB seine Anwesenheit und die Tatsache, dass er die Einladung angenommen hat?

Cordelia Vitiello: Ich denke, es ist eine sehr bedeutungsvolle und starke Geste, auch der Nähe zu unserer Kirche. Ein starkes Signal für uns, als Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien. Aber auch ein Zeichen, dass wir zwar eine kleine Realität sind, uns aber dennoch in einem weiten Feld bewegen und dass es zwischen uns und der Weltkirche eine gute und direkte Verbindung gibt.

 nd

19.04.2021