„Kirche ist vor allem durch die Diakonie sichtbar“ - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

„Kirche ist vor allem durch die Diakonie sichtbar“

Christine Fettig, Konsistorialrätin aus Triest
Christine Fettig ist seit Jahren in ihrer Gemeinde Triest immer dort, wo gerade jemand gebraucht wird. Auf der Synode 2020 wurde die langjährige Synodale ins Konsistorium gewählt. Eines ihrer Themen ist die Gendergerechtigkeit.

Gendergerechtigkeit ist ein vieldiskutiertes Thema, nicht nur in den Kirchen. Ihnen ist es ein besonderes Anliegen, sie haben auch in der Gender-Kommission an der Erstellung des Grundsatzpapiers mitgearbeitet, das bei der Synode verabschiedet werden soll. Sind Sie optimistisch?

Christine Fettig: Dieses Thema wird leider immer noch als „reines“ Frauenthema angesehen, dabei ist die ganze Gesellschaft davon betroffen. Das hat auch die Beteiligung der Gemeinden gezeigt. Alle waren aufgerufen, sich einzubringen, aber wir haben nur sieben Rückmeldungen erhalten. Gender ist ein Thema, das gerade auch von den jungen Menschen als sehr wichtig erachtet wird. Ich würde mich freuen, wenn unser Dokument von der Synode angenommen wird. Es ist wichtig, dass wir als Kirche eine Position beziehen, die sich an unseren Werten festmacht und gleichzeitig signalisiert, dass wir eine eigenständige Kirche sind, die mit der Zeit zu gehen weiß. Und es würde mich nicht zuletzt auch deshalb freuen, weil wir mit LWB Generalssekretär Martin Junge einen Ehrengast haben, dem dieses Thema ebenso ein wichtiges Anliegen ist.

Sie sind seit wenigen Monaten im Amt. Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?

Christine Fettig: Ein knappes halbes Jahr. Das erinnert mich an meine Schulzeit und daran, dass es immer wieder Parallelen im Leben gibt. Ich wurde 1966 eingeschult, ein Kurzschuljahr, von April bis November. Ebenso wie mein zweites Schuljahr, das von Dezember bis Juli ging. Schlussendlich ist es damals auch gelungen, alle Inhalte in der verkürzten Zeit unterzubringen. Es tut mir leid, dass unsere bisherige Zusammenarbeit im Konsistorium nur online vonstatten ging, der persönliche Austausch fehlt, aber wir haben das Beste daraus gemacht! Auf der anderen Seite ist das digitale Format auch eine Chance. Ich habe an vielen Sitzungen teilnehmen können, von Kommissionen, vom Frauennetzwerk, von den Gemeindepräsidenten, ohne wertvolle Zeit für Transfer zu verlieren. Und ich habe dadurch wichtige Einblicke gewinnen können in das Universum ELKI.

Und nun ist auch die Synode online…

Christine Fettig: Wir hätten uns alle eine Präsenz-Synode gewünscht, aber wir müssen realistisch sein. Und wir können uns glücklich schätzen, dass unser Synodal-Präsident Wolfgang Prader ein IT-Experte ist und das Dekanat sich so kompetent dieser Angelegenheit annimmt. Es ist eine enorme Verantwortung und technisch und organisatorisch ein großer Aufwand. Was mich dabei freut, ist dass dieses Format allen Gemeindegliedern und auch Interessierten die Chance gibt, in eine Synode hinein zu schnuppern. Ich hoffe sehr, dass davon Gebrauch gemacht wird.

Glauben Sie, dass die digitale Modalität auch nach der Pandemie genutzt werden wird?

Christine Fettig: Für Sitzungen ganz bestimmt. Es ist ein nützliches Mittel, spart Zeit und Kosten. Wichtig ist meiner Ansicht nach, ein Wechsel von persönlichen und online Treffen. Ich muss zugeben, dass ich in den wenigen Monaten meiner Amtszeit gemerkt habe, dass der Zeitaufwand tatsächlich erheblich ist. Zu den Kirchengremien kommen ja auch Treffen in der Ökumene, mit den Partnern u. a. m. Ohne das digitale Format hätte ich dieses Pensum neben meiner Arbeit wahrscheinlich gar nicht geschafft.

Haben Sie konkrete Vorstellungen für die Zeit nach der Pandemie?

Christine Fettig: Ich hoffe einfach, dass es weitergeht. Es liegt so vieles lahm und es gibt so viele wichtige Themen: OPM, Digitalisierung, Gendergerechtigkeit, Diakonie, Jugend. Wir müssen einfach unbeirrt weitermachen. Ich hoffe sehr auf einen positiven Impuls durch Covid. Auf den Willen zum Aufbruch.

Wie sehen Sie die Verantwortung der ELKI in der Gesellschaft?

Christine Fettig: Wir sollten gerade im Bereich Diakonie sichtbarer arbeiten, um auf nationaler Ebene wahrgenommen zu werden. Wenn die Gemeinden sich zusammentun, kann mehr erreicht werden. Einige Gemeinden hätten Mittel, aber keine Leute, bei anderen ist es umgekehrt. Für mich läuft die Sichtbarkeit einer Kirche vor allem über die Diakonie, deswegen heißt es hier über die lokale Reichweite hinauszugehen.

Als Konsistoriums-Mitglied erhalten Sie Einblick in alles…

Christine Fettig: Auf jeder Konsistoriums-Sitzung geht es um Entscheidungen für die ELKI und für 15 Gemeinden. Es geht um Kostenvoranschläge und Finanzierungen, um Personalfragen, um zukunftsweisende Entscheidungen. Das ist sehr viel und will gut vorbereitet sein. Und hier haben wir alle im Dekanat einen zuverlässigen und bestens organisierten Partner. Ich bin immer auf dem neuesten Stand und alle meine Fragen werden umgehend behandelt. Die Arbeit im Konsistorium ist anstrengend aber auch sehr motivierend. Jede Gemeinde ist eine Welt für sich. Diese zu entdecken, ist sehr spannend!

nd

14.04.2021