Wichtig ist, Dinge in Gang zu setzen - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Wichtig ist, Dinge in Gang zu setzen

Interview mit der Vizedekanin der ELKI, Kirsten Thiele

Ein Kompromiss. Die Vizedekanin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien freut sich dennoch auf die Online-Version der 2. Sitzung der XXIII. Synode. Es ist keine Wahl-Synode, aber es stehen doch wichtige Entscheidungen an. Die Verabschiedung eines Papiers zur offiziellen Position der ELKI zum Thema Gender-Gerechtigkeit liegt ihr besonders am Herzen.

Eine Synode online. Wie stellen Sie sich das vor?

Kirsten Thiele: Es war eine schwere Entscheidung für das Synodalpräsidium und das Konsistorium. Auf den Herbst konnten wir die Synode nicht wieder verschieben, zu Vieles wird jetzt gerade verschoben. Eine Präsenz-Synode hätte den geltenden Bestimmungen zur Eindämmung der Pandemie widersprochen und hybrid, also zum Teil in Präsenz und zum Teil online, das hätten wir technisch nicht gepackt.

Werden die Synodalen mit dem Online-Format klarkommen. Es sind ja doch auch ältere Menschen darunter?

Kirsten Thiele: Das macht mir keine Sorgen. Durch Corona waren wir doch alle mehr oder weniger online. Und wer sich ganz schwertut, kann sich immer noch an den Pfarrer oder einen anderen Synodalen aus seiner Gemeinde wenden.

Es stehen wichtige Themen zur Diskussion, die sich auch in den sechs Arbeitsgruppen ausdrücken: Gender, Umwelt, Digitalisierung, Diakonie, Jugendarbeit und die Verarbeitung der Coronazeit.

Kirsten Thiele: Mir liegt das Genderpapier sehr am Herzen. Ich hoffe, es kommt dieses Mal zur Abstimmung. Es muss ja nicht alles drinnen sein, wir dürfen uns nicht in der Vielzahl von Aspekten verzetteln. Wichtig ist, dass wir ein offizielles Dokument der ELKI zu diesem Thema verabschieden, als Grundlage für alles künftige Arbeiten. Aber natürlich sind auch die anderen Themen wichtig. Die Umwelt… Es scheint, als ob durch Corona alle anderen wichtigen Themen an Bedeutung verloren hätten. Aufgehoben seien. Keine Rede mehr von Friday for Future. Im Gegenteil. Wir werden wieder angehalten, Plastik zu verwenden. Das nehme ich mit Grauen zur Kenntnis.

Umwelt war ja das Thema der Synode von 2019, die basierend auf den Zielen der Agenda 2030 auch mit einer wichtigen Entscheidung abgeschlossen wurde. Vieles des anfänglichen Elans scheint auf der Strecke geblieben. Wie erklären Sie sich das?

Kirsten Thiele: Die Synodalen sind oft mit Begeisterung dabei und merken vielleicht erst danach, dass bestimmte Ziele mit einem hohen Einsatz verbunden sind, der nicht immer zu gewährleisten ist. Ich glaube, jetzt sind wir auf einem guten Weg, wir haben zwei Umwelt-Referenten, die ein Netzwerk aufbauen werden, als Unterstützung für die Gemeinden. Es kommt etwas in Gang. Das macht mir Mut. Es geht schließlich um unser Überleben. Um die Zukunft der nachkommenden Generationen. Es ist nicht immer leicht, von der Entscheidung zur Handlung zu kommen. Deshalb erhoffe ich mir auch zunächst eine Grundsatzerklärung zur Genderfrage. Details können später hinzukommen. Wichtig ist, anfangen.

Die Verarbeitung der Coronazeit ist auch ein Thema. Wie sehen Sie die Kirche, Post-Corona?

Kirsten Thiele: Es mag seltsam klingen. Aber trotz oder vielmehr gerade wegen geschlossener Kirchen, hat Kirche an Relevanz gewonnen. Kirche ist erfindungsreich geworden. Hat neue Formate gefunden. Nicht nur unsere. Weltweit. Verbunden durch eine große Solidarität. Spendenaufrufe sind ergangen. Die Kirche(n) sind den Menschen nah gewesen. Das ermutigt mich. Es ist ja nicht unsere Kirche. Es ist die Kirche Gottes. Und gerade in solchen Notzeiten haben wir eine so wichtige Rolle. Sind Hoffnungsträger. Bringen Licht. Wir alle haben in diesem Jahr unser Kreuz getragen. Und die Kirche mit uns!

nd