Neues Format – neue Erkenntnisse? - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Neues Format – neue Erkenntnisse?

Die Vizepräsidentin Ingrid Pfrommer über Herausforderungen einer Online-Synode

Im Vorfeld der Synode sind Abende mit Probeläufen für die 2. Sitzung der XXIII. Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien keine Seltenheit. Für die erste Online-Synode der ELKI muss alles gut vorbereitet und getestet werden. Eine völlig neue Erfahrung und eine Chance Neues zu lernen, meint Ingrid Pfrommer, seit der Synode 2020 Vizepräsidentin der ELKI. Zum ersten Mal ist sie zusammen mit Präsident Wolfgang Prader für die gesamte Planung der Synode verantwortlich.

Hätten Sie damit gerechnet, dass Ihre zweite Synode online ablaufen würde?

Ingrid Pfrommer: Ehrlichgesagt nicht. Es war mir schon klar, dass mit dem Jahresende 2020 die Pandemie nicht überwunden sein würde, aber mit einem solchen Wiederansteigen der Fälle hätte ich nicht gerechnet.

Keine leichte Entscheidung…

Ingrid Pfrommer: Nein, aber im Januar hatten wir keinen Zweifel mehr. Wir wollten den Termin nicht wieder verschieben, weil Kirche in dieser Zeit noch wichtiger als sonst ist und die Synode ein wichtiger Anhaltspunkt, ein Fixpunkt im Kirchenjahr ist. Wir haben vorgezogen, auf Nummer sicher zu gehen. Auch weil man eine solche Veranstaltung mit 56 Synodalen online nicht einfach so, wenige Wochen vorher improvisieren kann. Es muss ja alles bis ins kleinste Detail vorbereitet werden. Ich bin überglücklich, dass Präsident Wolfgang Prader ein Computerexperte ist und dass uns das Dekanat so kompetent und kreativ unterstützt. Ich selbst lerne sehr viel in diesen Tagen! Und was die Planung betrifft, so haben wir natürlich auch Ideen vom Konsistorium eingeholt.

Neben der Synode ist die wichtigste Aufgabe des Präsidiums ja die Vertretung der ELKI nach außen, sie sind sozusagen die Botschafter der ELKI. Nun sind sie aufgrund der Verspätung der Synode 2020 ja erst seit Oktober 2020 im Amt. Aber konnten Sie trotz Covid Kontakte knüpfen?

Ingrid Pfrommer: Als Gemeindepräsidentin von Turin war ich mit den anderen ELKI-Gemeinden ohnehin schon sehr in Kontakt und auch mit anderen Kirchen, das hat mir geholfen. Zu Synoden anderer Kirchen zu reisen, war natürlich nicht möglich; ich hoffe, wir können das nachholen, sobald die Impfkampagne abgeschlossen ist und wir uns wieder freier bewegen können. Es ist immer besser sich von Angesicht zu Angesicht auszutauschen, zumal, wenn man sich noch nicht kennt!

Sie haben den Schwerpunkt dieser ELKI-Synode auf sechs Themen gelegt, die für die Kirche und die Gesellschaft sehr relevant sind: Gendergerechtigkeit, Umwelt, Diakonie, die Verarbeitung der Corona Virus-Pandemie, Digitalisierung und Jugend. Welche Themen sind ihnen persönlich besonders nahe?

Ingrid Pfrommer: Mir sind alle sechs Themen nahe. Diakonie natürlich in besonderem Maße, weil ich ja selbst beruflich im sozialen Bereich arbeite. Und in Bezug auf die Umwelt sehe ich eine ganz große Verantwortung und Dringlichkeit. Gerade auch das letzte Jahr hat uns doch deutlich vor Augen geführt, wohin uns der Missbrauch mit der uns anvertrauten Welt führt. Wir sind eine kleine Kirche, aber ich bin überzeugt davon, wenn viele sich zusammentun und gemeinsam handeln, kann sich daraus Großes ergeben.

Stichwort kleine Kirche. Zur diesjährigen Synode wird – natürlich immer online – neben den Gästen der Partnerkirchen auch der Generalsekretär des Luther Weltbundes, Martin Junge als Ehrengast erwartet. Waren Sie überrascht über seine Zusage?

Ingrid Pfrommer: Eigentlich nicht. Über unseren Dekan, Heiner Bludau, kam ein direkter Kontakt zustande. Ich empfinde Pastor Martin Junge als einen sehr konkreten Menschen, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Ich glaube, für ihn selbst und auch für den LWB spielt groß oder klein keine Rolle. Wir sind wichtig, wie jede andere Kirche wichtig ist und ich habe den Eindruck, dass es ihn freut, zu unserer Diasporakirche zu kommen.

Mit welcher Haltung sehen sie der Synode entgegen?

Ingrid Pfrommer: Welche Haltung? Freude und auch Sorge, dass alles problemlos abläuft. Aber vor allem mit großer Neugierde. Man kann ja nicht vorsehen, wie es sich entwickeln wird. Für mich persönlich hoffe ich, konzentriert alles mitverfolgen zu können und Hilfe zu sein. Eines steht fest: es werden die persönlichen Gespräche fehlen. Die von Mensch zu Mensch gelebte Kirche. Aber vielleicht wird sich Anderes, Neues ergeben…Wir sind offen! Und ich bin sehr optimistisch!

nd

05.04.2021