Monatsspruch März – 01.03.2021 - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Monatsspruch März – 01.03.2021

Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien. (Lk.19,40)

Es scheint, als ob die Jünger um Jesus beim Einzug nach Jerusalem Comedy machen. Zunächst bittet Jesus seine Jünger, ein Eselsfohlen zu besorgen. Dann setzt er sich auf dieses kleine Tier, um darauf in die Stadt zu reiten. Die Menschen fangen an, sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen und ihre Kleider und Palmzweige auf die Straße zu legen. Dabei singen sie lautstark:

„Gelobt sei, der da kommt, der König, im Namen des Herrn!“

Ich denke dabei eher an Fangesänge von Fußballfans als an ein Anbetungskonzert.

Der Einzug Jesu in Jerusalem wird zur Parodie auf das Gehabe der Mächtigen, die hoch zu Ross auf dem roten Teppich daherkommen. Die Pharisäer fürchten, dass König Herodes und Statthalter Pilatus hier keinen Spaß verstehen. So bitten sie, diese Vorstellung zu unterbinden. Jesus antwortet schroff: „Wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien!“

Die Erzählung bricht ab und wir bleiben zurück mit einem Bild.
Schreiende Steine! Können Steine schreien?
Vor dem jüdischen Hintergrund sagt dieses Bild: Die Wahrheit lässt sich nicht unterdrücken.
Sie setzt sich durch, auch wenn man Verbote verhängt.

Wegen Corona-Virus wurde vor genau einem Jahr ein Versammlungsverbot erlassen, das auch Gottesdienste betraf. Mitten in einer weltweiten Notlage gab es über Nacht plötzlich keinen Raum mehr, um gemeinsam zu singen, zu beten und Trost zu erfahren.

Gemeinsam zum Schweigen verdammt? Nein!
Denn Gottes Lob lässt sich niemals unterbinden.
In der Corona-Krise ist es in unzähligen Initiativen digital erschallt – Gott sei Dank!
Gleichzeitig steckt in Jesu Rede noch mehr: Denn Steine können doch schreien.
Denken wir an die Bilder von zerbombten Städten, in denen Wohnen eine Zumutung ist.
Und an die „Stolpersteine“ zur Erinnerung an die Juden aus unseren Städten und Gemeinden, die im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.

 Wie kann ich mich für Gerechtigkeit einsetzen, bevor noch mehr Steine zum Himmel schreien?

„Wenn die Sterne zur Anbetung gemacht wurden, werde ich es auch tun.
Wenn die Berge sich in Ehrfurcht verneigen, werde ich es auch tun.
Wenn die Ozeane Deine Größe brüllen, werde ich es auch tun.
Denn wenn alles existiert, um Dich hoch zu erheben, so werde ich es auch tun.
Wenn der Wind dorthin geht, wohin Du ihn schickst, werde ich es auch tun.
Wenn die Felsen in der Stille schreien, werde ich es auch tun.
Wenn die Summe all unserer Lobpreisungen noch schüchtern ist,
dann singen wir wieder hundert Milliarden Mal:
Gott des Heils und der Gerechtigkeit.“

 Pfarrerin Kirsten Thiele, Neapel

Foto di sarajuggernaut da Pixabay