Heute schon an morgen denken! - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Heute schon an morgen denken!

Passionsschritte | Tag Sieben 

Vierzig Tage Passionszeit. Quadragesima. Vierzig Tage, um das Leiden Christi zu begleiten und sich auf das Hoffnungslicht des Auferstehungstages vorzubereiten. Vierzig Schritte. Martin Luther interpretierte diese Zeit vor allem als einen inneren Weg. Nicht als eine Zeit des flüchtigen Verzichts, als Fastenzeit, sondern vielmehr als eine Zeit des Innehaltens, des Bewusstwerdens und der Besinnung. Eine Zeit der Annäherung. Schritt für Schritt. Die Pfarrerinnen und Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche begleiten diese vierzig Tage mit kurzen Meditationsanregungen.

 

Pfarrer Martin Krautwurst, Evangelisch-Lutherische Gemeinde Meran

„Fastenzeit“, „Verzicht üben“, „Sieben Wochen ohne!“ – Ich gebe zu, in diesem Jahr fällt mir das Fasten nicht leicht. Auf so Vieles muss ich derzeit schon verzichten: Freunde treffen, ins Theater gehen, Kinoveranstaltungen besuchen, die Restaurants sind geschlossen, die Kinder dürfen uns nicht besuchen…

Das Gemeindeleben liegt zwar nicht lahm, aber es ist ganz anders als gewohnt. Während in dieser Zeit die ersten Touristen unsere Kirche zum Gottesdienst füllen, lese ich nur die Zahlen der Aufrufe unserer Homepage im Internet. Während schöne Konzerte die Christuskirche zum Klingen bringen, senden wir „nur“ digitale Aufnahmen zu unseren Musikliebhabern. Da fehlt etwas, da fehlt Begegnung und Gespräch, da fehlen das Drücken und Händeschütteln, da fehlt das gewohnte Leben, das sonst mit Sonnenstrahlen unsere Stadt erfüllt.

Auf einem Kalenderblatt leuchten mir die bekannten Worte von Martin Luther entgegen: „Man soll bauen, als wollt‘ man ewig leben; und leben, als sollt‘ man morgen sterben.“

So ähnlich hat es sein Text mit dem Apfelbäumchen auch schon gesagt: Wenn du denkst, dass nicht mehr geht, dann handle. Setze etwas in Bewegung, gib die Hoffnung nicht auf, halte an deinem Glauben fest, so dass das Leben wieder seinen Raum und seine Zeit findet.

Und so fange ich an zu planen. Den Urlaub, Reisen und Begegnungen, denn ich weiß, nach der Dunkelheit der Nacht geht die Sonne wieder auf. Nach der Einsamkeit und Entbehrung, warten liebe Menschen und Ereignisse auf mich.

Eine gute Passionszeit Ihnen allen.

24.02.2021