Wort zum Tag - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Wort zum Tag

8. Februar 2021 |Mit liebendem Herzen und Beharrlichkeit

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
(Lk 8,4-8)

Eine Saat fällt auf vielerlei Boden.
So ist das im Leben.

Man kann etwas in bestimmter Weise meinen und beabsichtigen. Was daraus wird, das haben wir nicht in der Hand. Wir können noch nicht einmal beeinflussen, wie das, was wir sagen, beim anderen ankommt. Deshalb sind Missverständnisse sehr normal.

Auch Gott hat es offenbar nicht in der Hand, was aus seiner Botschaft vom Reich Gottes wird. Das legt Jesus in diesem Gleichnis von der Saat auf vielerlei Boden dar.

Auch schon vor der Pandemie wurden wir konfrontiert mit plötzlichen Ereignissen: eine unerwartete Kündigung; Todesfälle, auf die wir uns nicht vorbereiten konnten; Trennungen; Krankheiten, mit denen wir nicht gerechnet haben. Etwas wurde anders als wir es uns gedacht haben.

Das Leben läuft nicht geradlinig. Das Meiste ist nicht vorhersehbar.
Was geschieht mit der Saat vom Reich Gottes, wenn es auf uns Menschen trifft?
Was geschieht, wenn Gott Mensch wird und Gottes Wort auf unseren irdischen Boden fällt?
Interessant an diesem Gleichnis ist, dass die Saat im Grunde immer aufgeht.
Egal ob sie auf den Weg fällt, auf den Felsen, ins Dornengestrüpp oder auf gute Erde. Die Saat geht immer auf.
Das Gleichnis ist keine Bewertung des Bodens, auf den die Saat fällt.
Oder, im übertragenen Sinne: Jesus richtet hier nicht über uns – ob wir Weg, Felsen, Gestrüpp oder gute Erde sind.
Manchmal kann etwas nicht weiter reifen, weil Schicksalsschläge dazwischen kommen. Manchmal wird von Sorgen erstickt, was wir voller Enthusiasmus begonnen haben.
Manchmal haben wir keine Energie mehr, die anfängliche Begeisterung weiter zu tragen.
Manchmal machen uns Andere das Leben schwer.

Das Gleichnis sagt auch: Was auf gute Erde fällt, hat eine Chance auf Dauer.
Da kommen viele Komponenten zusammen. Nicht nur die Saat wird ausgebracht. Es ist auch gute Erde da. Das bedeutet im Gleichnis, dass drei Dinge zusammenkommen müssen

  • Das Wort Gottes wird mit einem guten und liebenden Herzen aufgenommen
  • Jemand hält daran fest
  • Jemand bleibt beharrlich

Ob das Wort Gottes Frucht bringen kann, das liegt nicht allein am Boden, sondern an unserer Haltung dazu.
Auch wenn gerade vieles dagegen spricht: halte doch fest an der Zusage Gottes, an Deiner Seite zu sein!
Auch wenn es gerade alle anders sehen: bleib doch bei dem, was du als richtig erkannt hast!
Auch wenn alle über Andere schlecht reden: lass dich weiter dazu hinreissen, Gutes und Liebevolles zu denken und zu sagen!
Dann wird wachsen, was gesät wurde.
Und alle werden sprechen, vom Reich Gottes und der Kraft, die davon ausgeht.
Und dann werden alle, die ins Zimmer kommen, den Schein des Lichtes sehen, das auf dem Leuchter steht.
Dann tritt das Reich Gottes ans Licht.

Annette Herrmann-Winter, Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde Florenz

Foto di Manfred Richter da Pixabay