Wort zum Tag - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Wort zum Tag

1. Februar 2021 | Sterne wieder einpacken

 

Nun geht die Weihnachtszeit wirklich ihrem Ende entgegen. Am Sonntag, den 31.1. feiern wir den letzten Sonntag nach Epiphanias und nehmen dabei im Gottesdienst in der Gemeinde Ispra Varese den großen Herrenhuter Stern ab.

Und in der Wohnung werden auch überall die Sterne wieder von den Scheiben abgemacht und in ihre Kisten verpackt. Weihnachten ist vorbei. Over…

Dieses Jahr war es ja sowieso ein besonderes Fest. Keine Fahrten zu Familienangehörigen im Ausland und wenige oder keinen Besuch der Familie. Auch die Gottesdienste mussten anders sein, draußen oder im kleinen Kreis und in der Regel ohne die vertrauten Lieder. Aber war es deswegen weniger Weihnachten? Das haben wir bestimmt unterschiedlich erlebt, aber ich denke doch, einige haben es als schönes intensives Fest erfahren dürfen.

Jedes Jahr neu frage ich mich, was ich mitnehmen kann von der Botschaft von Weihnachten. Gott ist Mensch geworden, klein und schutzbedürftig –  das ist eine wunderbare liebevolle Botschaft. Dabei denke ich immer wieder an den Satz: „Mach’ s wie Gott, werde Mensch!“ und versuche selber menschlich zu leben. In unserer Region gibt es  viele kleine, mit Liebe gestalteten Krippen vor den Privathäusern. Ganz unterschiedliche Menschen strömen in diesen  „gebauten Bildern“ zusammen: Handwerker, Kinder, Alte, Männer und Frauen. Sie alle gehen zur Krippe und werden von dem Licht eines Sternes dort hingezogen. Diese Botschaft ergänzt das Gottesbild eines (all) – mächtigen Gottes, und lässt ihn uns ganz nahe kommen.

Aber jetzt, Ende Januar, ist nun wirklich mit Weihnachten vorbei. Auch der letzte Schmuck wird eingepackt und in den Keller getragen. Es beginnt die letzte Phase des Winters, was mir manchmal schwer fällt. Kein Licht mehr vom Stern? Kein Glanz von Weihnachten? Doch nein, es scheint immer Licht am Himmel. Gottes Glanz und seine Hilfe sind nicht an eine bestimmte Jahreszeit gebunden. Der Wochenspruch für die Woche, die wir beginnen heisst:

 Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jesaja 60,2)

In diesen Worten wird nicht „Licht“ genannt und dennoch schwingt es für mich mit. Wenn Gottes Herrlichkeit erscheint, dann wird es hell für die Menschen, dann verändert sich vielleicht sogar ihre Situation. Sie bekommen mehr Mut und Hoffnung für den nächsten Schritt, hoffentlich auch mehr Geduld für die jetzige komplizierte Zeit, in der wir leben.

Gott geht mit, in seiner Herrlichkeit und in seiner Schwachheit, in seiner Göttlichkeit und seiner Menschlichkeit. Und durch alle diese unterschiedlichen Seiten ist Er doch der eine, der uns Menschen liebt und mit uns seinen Bund geschlossen hat.

Und wenn ich nun in den Keller gehe und alles gut an seinen Platz räume, geht mir das noch durch den Kopf. Und ich denke auch: Für dieses Mal sind alle Sterne wieder weggeräumt  – aber das nächste Weihnachtsfest kommt. Und es wird wieder Zeit sein für das schöne Symbol der leuchtenden Sterne!

 

Magdalena Tiebel-Gerdes Evangelisch-Ökumenische Gemeinde Ispra Varese