18. Januar 2021 - Der alles schuf - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

18. Januar 2021 – Der alles schuf

Herr, du machst alles lebendig, und das himmlische Heer betet dich an. (Nehemia 9,6)
Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! (Römer 11,36)

Sizilien – das ist der lebendige Süden.

Das Meer, derzeit manchmal blaugrau, doch von glitzerndem Türkis und tiefem Blau unter der Sommersonne.

Der Ätna, jetzt im Winter schneebedeckt und gelegentlich ein bisschen Feuer speiend, sonst immer mal mit Rauchsäule oder in Wolken gehüllt.

Eine reiche Meeresfauna mit kleinen und großen Fischen, mit Meeresfrüchten und Meeresschildkröten.

In den Lüften Vogelschwärme. Zugvögel aus dem Norden Europas verbringen hier den Winter oder sammeln neue Kräfte für den Weiterflug nach Afrika.

In der warmen Jahreszeit huschen Eidechsen flink vom sonnenwarmen Weg in die nächste Felsritze, wenn menschliche Füße sich nähern. Auf meinem Balkon hat sich ein Gecko einquartiert, der jetzt Winterschlaf hält. Ihn in voller Gänze zu Gesicht zu bekommen, ist gar nicht so leicht. Meist erhasche ich nur einen Schatten, eine blitzartige Bewegung oder auch mal sein Köpfchen, das vorsichtig aus einer Ritze in der Balkonverkleidung lugt.

Das ganze Jahr über grünen auf der Insel silbrig schimmernde Olivenbäume, Pinien, Akazien, Kakteen und Palmen, die über allem ihre Kronen wiegen. Und immer blüht oder glüht es irgendwo. Weit verbreitet sind Bougainvillea und Oleander. Jetzt ist die Zeit, wo überall aus dem dunklen Laub Orangen und Zitronen leuchten. Bald kommt die Mandelblüte, und wenn der Frühling ausbricht, kann man nur noch schwelgen in den Düften und Farben.

Die Feigenkakteen haben es mir besonders angetan. Sie wachsen an den unwahrscheinlichsten Stellen, wo niemand ihnen je etwas Pflege angedeihen lassen könnte. Die meiste Zeit des Jahres sind sie eher unscheinbar. Doch wenn sie im Juni in Blüte stehen, sehen sie aus, als habe ihnen jemand strahlend gelbe Lichter aufgesetzt. Ihre Früchte zeigen Variationen von matten rötlichen und gelben Tönen. Man fasst sie besser nicht mit bloßen Händen an, sonst hat man im Nu die Finger voller hauchdünner, fieser Stacheln. Aufgespießt auf eine Gabel, lassen sie sich jedoch problemlos öffnen und genießen. Lecker!

Sizilien – das ist ein kleiner, aber feiner Ausschnitt aus der lebendigen Schöpfung Gottes.

Es blüht und rauscht, es duftet und rumpelt. Je nachdem.

So ist es bei uns – und ähnlich oder ganz anders auch bei Euch, bei Ihnen in Mailand und Bozen, in Ispra-Varese, Venedig und wo immer in Italien. Oder in der Welt.

Lob und Ehre sei ihm, Gott, in Ewigkeit!

Sabine Kluger, Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirche Sizilien