Wort zur Woche - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Wort zur Woche

Gott der HERR, der die Versprengten Israels sammelt, spricht: Ich will noch mehr zu der Zahl derer, die versammelt sind, sammeln. (Jes. 56,8)
Gott, unser Heiland, will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. (1.Tim.2,3-4)

Der Vers vom 11. Januar steht beim Propheten Jesaja – er ist Teil einer langen Gottesrede, die der Prophet seinem Volk wiedergibt. Das Kapitel 56, aus dem der heutige Vers stammt, trägt die Überschrift: Versprechen an die Fremdlinge.

Die Christenheit hat lange gedacht, seit Christus seien auch sie Teil des Gottesvolkes, haben die Versprechen des alten Bundes auf sich bezogen – oder sich selbst sogar als Ablösung des Volkes Israel verstanden. Dadurch kam viel Unheil in die Welt, Antisemitismus wurde von Anfang an geschürt und ist bis heute nicht auszuradieren. Deshalb ist es notwendig, die alten Schriften aufmerksam zu lesen! Wenn man dies tut, dann offenbart sich schon bei den Propheten, wie hier besonders bei Jesaja im Kapitel 56, dass es überhaupt keine Grundlage dafür gibt, dass sich Christen in irgendeiner Weise als Nachfolger vom Volk Gottes Israel sehen. Die Fremdlinge, die Fremden, waren schon immer in der Kategorie der von Gott besonders Geschützten eingeschlossen. Und hier erklärt Gott ausdrücklich – dies steht vor dem Vers 8 – welche Maßstäbe er selber anlegt, wer in sein Heil eingeschlossen ist: wer den Sabbat, den Feiertag heiligt und befolgt und wer in seinem Bund bleibt. Dies ist es, was Gott der Herr will, von allen Menschen aus allen Völkern. Wer sich an Gottes Bund hält, der sich vor allem in seinen Lebens-Geboten ausdrückt, nämlich Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit leben, der gehört erklärtermaßen zu seinem heiligen Volk.

„Und die Fremden, die sich dem HERRN zugewandt haben, ihm zu dienen und seinen Namen zu lieben, damit sie seine Knechte seien, alle, die den Sabbat halten, dass sie ihn nicht entheiligen, und die an meinem Bund festhalten, die will ich zu meinem heiligen Berge bringen und will sie erfreuen in meinem Bethaus (…); denn mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker. Gott der HERR, der die Versprengten Israels sammelt, spricht: Ich will noch mehr zu der Zahl derer, die versammelt sind, sammeln.“ (Jes.56,6-8)

Das ist die Wahrheit – Gott selber schließt niemanden aus, das tun immer nur wir Menschen.

Pfarrerin Kirsten Thiele, Neapel

Foto von congerdesign aus Pixabay