Wort zum Tag

28. Dezember 2020 | Besondere Grüße für ein besonderes Weihnachten und Neujahr

 

Inmitten der Weihnachtsfeiertage spüren wir eine so ungewohnte Stille, wie wohl in keinem Jahr zuvor. Durch die Gottesdienste, die ich in meiner Aufgabe als Pfarrer immer zelebriere, trat in meiner Familie das Fest zwar immer etwas später ein, doch in diesem Jahr gibt es nicht nur die Verspätung, dieses Weihnachten ist ganz besonders und zwar unter verschiedenen Aspekten. Ich werde an Erzählungen früherer Generationen erinnert, wenn sie von „Kriegs- oder Nachkriegsweihnachten“ erzählten. Da fehlte etwas und auch Ängste und Sorgen schwangen mit. Auch uns fehlt heute das Treffen mit unserer Familie, den Eltern und Geschwistern, den Kindern und Enkeln. Doch wir wissen, dass es wieder anders sein kann/ sein wird. Mir fehlt der Händedruck an der Kirchentür und die Umarmung von Familie und guten Freunden. Mir fehlt die Unbefangenheit mit Gästen bei einem Kaffee oder Glas Wein im Gespräch zu sein. Mir fehlen das Kino, das Theater und die Konzerte. Mich nervt die Maske und immer darauf achten zu müssen, ob Abstände und Vorschriften eingehalten werden. Aber das alles ist ja nur auf Zeit, und es muss sein, um das Leben zu schützen. Es kommen wieder bessere Zeiten.

 

Ein Jahr mit großen Verunsicherungen geht zu Ende. Viele wünschen sich das Jahr 2020 mit all den Einschränkungen schnell zu vergessen. Ich hingegen möchte einiges mitnehmen ins neue Jahr 2021. Zum einen die Fürsorge und Solidarität untereinander. Wir durften selber spüren, meine Frau und ich, was es heißt, Erkrankte zu pflegen und selber im Krankheitsfall gut versorgt zu werden. Zum anderen die Achtung der Arbeit jener, die sich noch größeren Gefahren und Risiken aussetzen müssen, als ich es tun muss. Und das Geschenk, für Dinge Zeit zu haben, die ich sonst immer vor mir hergeschoben habe, wie das Erlernen des Tangos, das Sortieren von Akten und die langen Gespräche per Bild und Ton über Ländergrenzen hinweg.

 

Ich möchte Gott danken, dass er uns behütet und begleitet hat, dass wir wieder gesund unseren Alltag leben können. Wir haben durch unseren Glauben viel Kraft und Vertrauen für uns und andere geschenkt bekommen. Ich möchte Gott bitten, jenen beizustehen und Hilfe an die Seite zu stellen, die unter dem Verlust eines lieben Menschen leiden oder unter den Folgen der Pandemie ihre Existenz gefährdet sehen.

Möge uns Gott miteinander und füreinander leiten und führen. Mögen der Vogelgesang am Morgen, die schneebedeckten Berge im Sonnenlicht, die kleine Blume beim Abendspaziergang am Wegesrand und so manche Gespräche oder Begegnungen uns den Wert, die Fülle und die Schönheit unseres Lebens vor Augen führen. Frohe Weihnachten Euch allen und ein gesegnetes neues Jahr 2021.

 

Martin Krautwurst, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde Meran

 

Foto Martin Krautwurst