Wort zum Tag - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Wort zum Tag

22. November 2020 | Worauf es ankommt

Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Heiland. (Jesaja 43,11)

Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen. (Epheser 4,5-6)

 

Das Schöne, wenn man Lutheranerin ist: auf mich kommt‘s eigentlich gar nicht so sehr an.

Natürlich, im täglichen Leben schon.

Wer macht meinen Job, wenn nicht ich? Wer räumt auf und sorgt dafür, dass ein Essen auf den Tisch kommt? Wer zahlt die Rechnungen und gibt seine Stimme ab, wenn Wahlen sind? Wer hält den Kontakt zu den Lieben daheim?

Für die letztwichtigen Dinge aber muss ich mich nicht verantwortlich fühlen. Die überlasse ich getrost Gott.

Am 22. November gedenken wir in der evangelischen Kirche unserer Toten.

Wir gehen zu den Gräbern – jedenfalls in normalen Zeiten und wenn wir in der Nähe wohnen.

Wir zünden im Gottesdienst Kerzen an für jeden Menschen, der im vergangenen Jahr aus unserer Mitte verstorben ist.

Wir erinnern uns an die Menschen, die wir geliebt und verloren haben. An diesem Tag besonders.

Doch ich muss mich nicht sorgen um sie. Denn ich weiß sie in Gottes Hand.

In diesem Jahr wurde schon viel gelitten und auch gestorben. Es wurde viel geweint.

Angst ging um und tut es noch. Und Trauer.

Nicht nur wegen des Coronavirus. Es gibt ja daneben noch die Schmerzen und Leiden des „ganz normalen“ Lebens.

Manchmal habe ich genug von alledem. Dann fällt mir auch nichts Tröstendes mehr ein.

Aber darauf kommt es gar nicht an.

Ich muss die Welt nicht retten – sie ist schon gerettet.

Meine Toten sind in Gottes Hand. Wie auch ich. Ihm kann ich sie getrost anvertrauen. Und mich ebenso.

Wir werden leben. Darauf kommt’s an.

 

Sabine Kluger, Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirche Sizilien