Eine Kirche, die immer mehr in Italien integriert ist

Der Dekan der Lutherischen Kirche Heiner Bludau über die Synode, die einen Neubeginn bedeutet
Vom 9. bis 11. Oktober 2020 hat die Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien in Rom ihre Synode abgehalten. Mit fünfmonatiger, covidbedingter Verspätung und in reduzierter Form, aber in Präsenz. Claudio Geymonat von Riforma.it hat den Dekan der ELKI, Heiner Bludau, dazu interviewt. Nachstehend die übersetzte Fassung.

Mit der teilweisen Erneuerung der Kirchenleitung und dem Treffen einiger wichtiger Entscheidungen für die Zukunft schloss die Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien (ELKI) am Sonntag, 11. Oktober 2020 die erste Sitzung der XXIII Synode. Die Synode wählte ein neues Präsidium, ebenso wie die drei Laienmitglieder des Konsistoriums. Ein Gespräch mit dem Dekan der ELKI, Pfarrer Heiner Bludau.

Wie war das, sich wieder zu begegnen? Besteht der Wunsch nach einem Neubeginn?

Für mich persönlich war die Tatsache, dass wir uns zur Synode nicht per Internet getroffen haben, sondern mit Leib und Seele, ein ganz wichtiger Aspekt. Das Treffen hat mich ermutigt und mir neue Kraft gegeben. Und alle Rückmeldungen, die ich von Synodalen bekommen habe, gingen ebenfalls in diese Richtung, auch wenn wir gemeinsam bedauert haben, dass eine Reihe von Synodalen coronabedingt nicht teilnehmen konnten. Von mehreren habe ich sogar gehört, es sei für sie die beste Synodensitzung der vergangenen Jahre gewesen.

Beim Nachdenken über die Digitalisierung der Zukunft der Kirche sollte diese Erfahrung eine wichtige Rolle spielen. Zweifellos müssen wir unsere digitalen Angebote und Möglichkeiten verbessern und erweitern, und ich freue mich darüber, dass die Synode mit großer Mehrheit zwei Beschlüsse in dieser Richtung gefasst hat. Aber die Digitalisierung ist mehr als nur eine technische Angelegenheit. Dass persönliche Begegnungen noch eine ganz andere Dimension haben, darf dabei nicht unberücksichtigt bleiben.

Sie sind fast am Ende Ihrer Amtszeit als Dekan der lutherischen Kirche. Welche Kirche haben Sie angetroffen vor sechs Jahren und welche Kirche hoffen Sie hinter sich zu lassen?

Noch bin ich nicht am Ende, es sind immerhin noch anderthalb Jahre bis zur Synode 2022 … Aber der wichtigste Punkt, der mich als Pfarrer und Dekan in den vergangenen Jahren in Hinsicht auf Ihre Frage begleitet hat, ist, dass wir uns immer weniger als eine deutsche Kirche in Italien verstehen und immer mehr als die lutherische Kirche in Italien. Im Statut ist das von Anfang an festgeschrieben. Mir ist aber wichtig, dass die Praxis in den Gemeinden immer klarer in dieser Weise gelebt und von einer immer größeren Mehrheit getragen wird. Dabei geht es nicht nur um die Sprache, sondern auch um die Verbindung mit den anderen protestantischen Kirchen in Italien und um die Ökumene.

Aus den Mitteilungen auf der Homepage der ELKI lese ich, dass beschlossen wurde, das Studium der Evangelischen Teologie in Italien zu fördern, mit dem langfristigen Ziel, eine ELKI Pfarrschaft aufzubauen. So viel ich weiß, werden die Pfarrer Ihrer Kirche heute in Deutschland ausgebildet. Können Sie mir erklären, was es mit diesem Projekt und der Entscheidung der Synode auf sich hat? 

Auch dies gehört zu der Entwicklung, die ich eben angedeutet habe. Je größer der Anteil von Italienerinnen und Italienern in unserer Kirche wird, und je mehr wir uns kirchlich im italienischen Kontext verorten, desto dringender wird es, dass sich Pfarrerinnen und Pfarrer sofort ,von Dienstbeginn an, in beiden Sprachen gut bewegen können. Die Synode hat schon vor acht Jahren den Beschluss gefasst, eine eigene Pfarrerschaft aufzubauen, also nicht nur mit Pfarrerinnen und Pfarrern zu leben, die für eine begrenzte Zeit nach Italien kommen. Was uns fehlt, sind Bewerber dafür. Deshalb wollen wir Gemeindeglieder stärker unterstützen, die sich berufen fühlen, ein solches Amt anzustreben. Aber auch das ist nicht ganz neu. Wir haben zur Zeit eine Vikarin, die bereits ihr Studium an der Waldensischen Fakultät in Rom abgeschlossen hat.

In Deutschland ist die Ökumene, insbesondere der Dialog zwischen der protestantischen und der katholischen Kirche, bereits sehr weit vorangeschritten. So wird beispielsweise bereits über die Möglichkeit einer gemeinsamen Eucharistiefeier diskutiert, obwohl der Vatikan hier sehr stark bremst. In Italien ist das Kräfteverhältnis anders, die katholische Kirche hat zudem unter vielen Aspekten sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben ein ganz anderes Gewicht. Welche Rolle kann eine kleine Minderheitenkirche in Italien spielen?

An einer ökumenischen Gruppe, die sich bereits seit Jahren hier in Italien, nämlich in Turin, für die Praxis eucharistischer Gastfreundschaft einsetzt und diese Praxis auch lebt, bin ich als lutherischer Pfarrer fast von Anfang an beteiligt. Und auch in vielen anderen lutherischen Gemeinden gibt es bemerkenswerte ökumenische Kontakte. Als Gesamtkirche könnte es im italienischen Kontext hilfreich sein, dass viele unserer deutschen Gemeindeglieder durch das Gleichgewicht der Kirchen in Deutschland andere Erfahrungen gemacht haben, als viele Italiener. Diese Sichtweise könnte die ökumenischen Begegnungen in Italien bereichern. In diesem Sinne könnte die ELKI an manchen Stellen ein hilfreiches Bindeglied zwischen den protestantischen Kirchen auf der einen Seite und der katholischen Kirche auf der anderen sein.

 

19.10.2020/ Riforma.it/ Claudio Geymonat

Übersetzung: Bludau/ nd