Wort zum Tag

16.10.2020 | Kurz und klar
„Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.“
(5 Mose 30,11+14)

Kennen Sie das auch? Kurze, klare Botschaften lösen bei mir als erstes ein Gefühl aus – und erst danach beginne ich, über den Inhalt nachzudenken.

Entweder ist dieses Gefühl negativ: Ich fühle mich erwischt, ertappt und habe ein schlechtes Gewissen. ‚Ich hab’s dir doch schon immer gesagt‘, klingt es in meinen Ohren. ‚Ja, ich weiß, mein Fehler‘, höre ich mich innerlich antworten. Mein Kopf senkt sich schuldbewusst nach unten. Ich glaube, das ist keine gute Voraussetzung, um das Gehörte wirklich in mir aufzunehmen.

Oder aber mein spontanes Gefühl auf die kurze Botschaft ist positiv: ‚Toll, das ist ja gar nicht schwer. Das kann ich mir merken.‘ Viele Ratgeberbücher funktionieren so: Mache eine Liste. Entscheide, was das Wichtigste ist. Das erledige zuerst. ‚Super, klasse‘, denke ich und suche begeistert Blatt und Stift und fange zuversichtlich meine Liste an. Meist verpufft darüber meine Energie und zur Ausführung der Botschaft kommt es selten.

Wenn dann nach dem ersten Gefühl bei mir das Nachdenken über die kurze Botschaft beginnt, meldet sich zunächst die Skepsis: ‚Kann es wirklich so einfach sein? Wo ist denn der Haken bei der Sache? Das muss man doch differenzieren und genauer betrachten. Wenn es schließlich so einfach wäre, dann würden es doch alle machen.‘

Wer jetzt noch lesend dabei ist, fragt sich bestimmt: Wie lautet denn nun die kurze, klare Botschaft? Ich will sie endlich hören. Das kann ich gut verstehen. Mich hat überrascht, dass das Zitat oben, der Predigttext des vergangenen 11. Oktober, diese Botschaft selbst gar nicht enthält. Er hört einfach vorher auf. Es bleibt bei der Ankündigung. Wer es wissen möchte, muss darüber hinaus lesen: Wer Gott liebt und seine Worte befolgt, wird leben. Wer das nicht tut, wird sterben.

Kurz und klar.
Und jetzt: Was fühlen, spüren Sie beim Lesen?
Und dann: Was denken Sie?

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag.

Carsten Gerdes, Pastor der Evangelisch-Ökumenischen Gemeinde Ispra-Varese
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