Friedhöfe für Föten

Gräber mit dem Namen von Frauen, die abgetrieben haben – Stellungnahme ELKI-Frauennetzwerk

In einem abgeteilten Bereich des Friedhofs Flaminio in Rom stehen schlichte Holzkreuz, eines gleicht dem anderen, auf jedem der Name einer Frau und ein Datum. Das Datum einer Abtreibung. Durch Zufall ist dieser gravierende Verstoß gegen die Privacy, gegen das Recht auf freie Entscheidung jeder Frau, an die Öffentlichkeit gelangt. Das Frauennetzwerk der ELKI protestiert zusammen mit anderen Frauenbewegungen gegen diese Rechtsverletzung.

Was in Rom durch Zufall entdeckt und über Facebook bekannt gemacht wurde, ist auch in anderen Städten Italiens Realität. Ein Friedhof, in dem abgetriebene Föten beerdigt sind, ohne Einverständnis und ohne In-Kenntnis-Setzung der Frauen, die sich diesem Eingriff aus welchen Gründen auch immer unterzogen haben, gesundheitliche und therapeutische oder persönliche Gründe. Verantwortlich sind dafür abtreibungsfeindliche Vereinigungen wie z. B. Advm, Difendere la vita con Maria, die vor zwanzig Jahren im Piemont den ersten „Friedhof der Engel“ eingerichtet haben. Das Recht auf Abtreibung ist vom Staatsgesetz 194 von 1978 geregelt, bestätigt wurde es 1981 per Referendum.

In der nationalen Presse hat dieser Fall für großes Aufsehen gesorgt. Viele Frauenvereinigungen haben mit Empörung reagiert. So auch die Frauen der FDEI, Federazione delle Donne Evangeliche in Italia und die Interreligiöse Beobachtungsstelle für Gewalt an Frauen, Osservatorio Interreligioso sulle Violenze contro le Donne, OIVD.

Das Frauennetzwerk der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien schließt sich diesen Stellungnahmen an und verurteilt diese Praxis. Die Vorsitzende Renate Zwick: „Wir sind empört. Es handelt sich um einen schweren Verstoß gegen das Gesetz der Privacy. Wieder einmal werden hier Frauen – und nur sie – an den Pranger gestellt und verurteilt. Die Abtreibung ist ein staatliches, von der Verfassung garantiertes Recht; die Praxis nach 24 Stunden die Föten mit Zustimmung der zuständigen Gesundheitsbetriebe ohne Wissen und Erlaubnis der betroffenen Frauen aus den Krankenhäuern zu holen und ohne Wissen der Betroffenen unter ihrem jeweiligen Namen zu beerdigen. Abtreibung ist immer eine schmerzliche Entscheidung, die aber respektiert werden muss.”

nd
Foto di Alexas_Fotos da Pixabay