Wort zum Tag

27. Juli 2020 | Freizeitstress

Kennen Sie den? Fritzchen erzählt Charly dass er seiner Frau eine Weltreise geschenkt habe. Sagt Charly: “Da wird Sie sich aber gefreut haben”. “Von wegen”, entgegnet Fritzchen, “sie wollte woandershin!”

Kein Witz dagegen ist das Ergebnis einer Umfrage, das jetzt ein Freizeitforschungsinstitut vorgelegt hat. Danach haben mehr als ein Viertel der Bürger Italiens in ihrer Freizeit Angst, etwas zu verpassen. Sie befürchten, am Leben vorbei zu leben, wenn sie sich nicht regelmäßig in ihrer Freizeit in Bewegung setzen – mit Auto, Bahn oder Fahrrad. Ausgerechnet im Urlaub und am Wochenende macht sich bei immer mehr Menschen dort Freizeitstreß breit, wo eigentlich der Müßiggang aller Erholung Anfang sein könnte (sollte). Denn wer am Montag “nur” davon berichten kann, dass er oder sie am Wochenende ein Buch gelesen, sich mit der Familie beschäftigt oder gemütlich mit Freunden getroffen hat, der oder die gerät leicht in Verdacht, ein Langweiler zu sein.

“Du sollst den Feiertag heiligen” lautet eines der Zehn Gebote. Es bildet eine uralte Schutzmauer gegen ständige Anspannung und den eigenen Anspruch, immer toller, schöner, weiter sein zu müssen. Ich finde: Die freie Zeit ist viel zu schade, um sie mit Streß zu vergeuden.

Johannes de Fallois, Pfarrer der Christlich Protestantischen Gemeinde Mailand