Wort zum Tag

23. Juni 2020 | Und dann wird es ein großes Fest geben!

 Gottes Wort ist nicht gebunden (2.Tim. 2,9)

Es gibt diese Erzählung vom großen Gastmahl im Lukasevangelium.

Ein großes Fest wird vorbereitet.

Die Gäste, die eingeladen waren, haben aus ihrer Sicht triftige Gründe, sich zu entschuldigen. Der eine hat einen Acker gekauft und muss nach dem Rechten sehen. Der andere hat Ochsen gekauft und will den Kauf abschließen. Der dritte schließlich hat geheiratet und kann darum nicht kommen – wer sollte das nicht verstehen!

Diese Geschichte ist lange immer so interpretiert worden, dass es moralisch nicht korrekt ist, Gottes Einladung auszuschlagen, sich zu entschuldigen. Dass es nicht in Ordnung ist, die Gründe niemals ausreichend, wenn es als Alternative um das Reich Gottes geht.

In meiner Arbeit als Pfarrerin erlebe ich, dass Menschen für die Entscheidungen, die sie treffen, gute Gründe haben.

Manche Entscheidungen treffen wir intuitiv, das ist dann für andere oft nicht so leicht nachvollziehbar. Oft haben Entscheidungen mit unserer Biographie zu tun. Das hat dann gar nichts mit den Anderen zu tun, sondern nur mit der Person selbst.

Wir können nicht alles machen, was wir machen möchten. Zwei Veranstaltungen gleichzeitig – wohin gehe ich? Und was sagt mein Mann, wenn ich etwas Privates für etwas Dienstliches ausfallen lasse?

Schwierig wird es oft erst, wenn wir die Entscheidungen, die wir oder andere treffen bewerten und beurteilen. Obwohl die Entscheidung der Anderen mit uns oft nichts zu tun hat, sondern nur etwas über deren Situation aussagt, nehmen wir es persönlich. Gegen uns gerichtet.

Natürlich wird Gott zornig. Ärgerlich darüber, dass die Eingeladenen absagen.

Aber in der gesamten Erzählung gibt es keine moralische Verurteilung der getroffenen Entscheidungen. Jesus weiß, dass man zwischen zwei Dingen Prioritäten setzen muss. Dies zu rügen ist ihm gar nicht wichtig.

Das ‚große Gastmahl‘ ist eine Geschichte, die davon erzählt, dass Gott nicht nachtragend ist: die Einladung Gottes wird weitergereicht.

Die Einladung wird geöffnet für die, die zu solchen Festen normalerweise nie eingeladen werden: diejenigen, die am Rande stehen – Kranke und Menschen, die in Armut leben. Und als dann immer noch Platz ist, wird der Knecht nochmals ausgeschickt, um alle die zu holen, die auf der Straße leben, an den Zäunen. Die in der Dunkelheit ihr Leben fristen, abseits der üblichen Einladungslisten.

Jesus erzählt hier von einem Gott, der die Hand ausstreckt zu denen, die oft keine Perspektive haben. Das ist der Grund, warum die Kirche einen diakonischen Auftrag hat. Den Auftrag dorthin zu gehen und die einzuladen, die aus dem üblichen Einladungs-Raster fallen.

Es ist unsere Aufgabe als christliche Gemeinde, nach genau diesen Menschen Ausschau zu halten.

Wer ist das bei uns? Heute nach dieser Zeit des Lockdown?

Gott wirbt dafür, dass wir uns nicht mit denen aufhalten, die sich entschuldigen. Sie haben gute Gründe und es ist nicht wichtig, diese Gründe zu verstehen oder gut zu finden. Er wirbt dafür, dass wir unseren Blick weiten und Freude daran haben, wenn das Haus voll wird. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

Und dann wird es ein großes Fest geben!

 

Pfarrerin Annette Herrmann-Winter

Evangelisch-Lutherische Gemeinde Florenz-Toskana-Emilia Romagna-Marken