Ostern „gärt“ weiter

Bei der Feier der Osternacht  habe ich gemeinsam mit zwei katholischen Kollegen einen Text gelesen: Paulus schreibt im 1.Kor 5,7 Schafft den alten Sauerteig weg, auf dass Ihr ein neuer Teig seid!“
Mit Ostern fängt etwas Neues an. Der Teig – unser Wesen, unsere Beziehung zu Gott – wird durchsäuert von dem neuen Teig, der neuen Erfahrung: Gott ist nicht im Grab geblieben. Er ist auferstanden. Und er wird uns vorangehen. Mit uns unterwegs sein. In einer anderen Qualität.  Im Text zu 1.Kor 5,7 Christi Grab ist zu einem Gefäß für diesen neuen Teig geworden. Jesus steht in einem Backtrog und hält Teig in seinen Händen.
Ich finde das ein höchst interessantes Bild. Wie der Teig, der durchsäuert werden muss, „geht“ oder „gärt“ Ostern weiter. Auferstehung ist ein Prozess, der sich Tag für Tag ereignet und mit Ostern nicht vorüber ist. Im Gegenteil. Es fängt gerade erst an. Wir üben eine neue Perspektive ein: der Tod ist ein Teil des Lebens. Aber er trennt uns nicht von Gott. Gott geht durch den Tod hindurch mit uns in den Alltag. Die Geschichten in den Evangelien dieser Wochen bis Himmelfahrt erzählen von diesen alltäglichen Begegnungen mit dem Auferstandenen. Die Jüngerinnen und Jünger müssen das erst üben. Jesus begegnet ihnen neu, nicht mehr gebunden an Raum und Zeit.
Wir sitzen immer noch in diesen Tagen in unseren Häusern und können uns nur eingeschränkt bewegen. Daran hat sich nichts geändert. Aber etwas ist anders: Ostern hat angefangen zu gären. Wie ein Sauerteig, der geht, kann man diesen Prozess nicht mehr stoppen. Auferstehen geht weiter. Tag für Tag!

Ich wünsche Ihnen einen guten Wochenbeginn und grüße Sie herzlich,

Ihr Pfarrerin Annette Herrmann-Winter

Musik: J.S. Bach Präludium BWV 999 (g-moll), gespielt von Francesco Giannoni, Firenze

Foto: Pixabay