Meditation Monatsspruch April 2020 - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Meditation Monatsspruch April 2020

Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. (1.Kor.15,42)

„So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein“ – so lautet die Überschrift eines Buches von Christoph Schlingensief. Es ist ein Tagebuch seiner Krebserkrankung, mit allen Leiden und Schmerzen, die diese Erkrankung mit sich bringt, aber auch mit all den schönen und überwältigenden Momenten.

So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein. Ja, denke ich: dieses Leben, das verweslich ist, das uns unsere Vergänglichkeit ins Gesicht zeichnet und auf den Körper schreibt, es ist doch trotzt allem geradezu überwältigend schön.

Ich sitze zu Hause, wie fast jeder in diesem Land seit Tagen, und versuche, meinem Tag dennoch eine101196-Pfarrbriefmantel-101196 Struktur zu geben. Versuche anderen, die Angst haben oder in erster Front Krankheiten bekämpfen, Mut zuzusprechen. Und manchmal schweifen meine Gedanken ab, zurück in die Vergangenheit, zu schönen Bildern und Erinnerungen. Ich denke an einen Morgen auf „meiner“ Insel Sardinien, früh habe ich mich aufgemacht an den Strand, noch menschenleer. Die Luft ist noch feucht vom Nachttau, die Sonne schickt sich an, den Tag zu betreten und schiebt sich als purpurne Kugel gemächlich über den Horizont am Meer. Ich mache mich auf den Weg, gehe am Strand entlang, Wellen umspülen sacht meine nackten Füße – und ich fühle mich lebendig, ich fühle mich ruhig. Der Tag kann kommen.

Der Morgen gleitet hinüber in den Tag, einen Tag, der wie alle anderen vor ihm vergehen wird. So wie der Sand, der entstanden ist aus Steinen, die zerfallen sind, und aus Muscheln, die einmal im Meer gelebt haben, bevor ihre Schalen in der Brandung zerrieben wurden.

Ich werde vergehen. Schon jetzt ist mein Gesicht gezeichnet von den Jahren, die hinter mir liegen. Und ich laufe langsamer über den Strand als vor vielen Jahren.

Schmerz reicht hinein in die Schönheit und macht sie mir erst so richtig bewusst.

Und die Vergänglichkeit: Sie weckt den Wunsch, doch bleiben zu können. Über den Strand laufen zu dürfen, wenn eben die Sonne aufgeht. Dem Nebel zusehen, wie er sich verzieht. Neben dem eigenen Schatten zu gehen, während er sich verkürzt, und dabei die wärmenden Strahlen auf der Haut zu spüren.

Dazu den Wunsch, das Leben zu umarmen und festzuhalten auf ewig.

So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein.

Unvorstellbar, dass es einen Ort geben könnte, an dem keine Nacht dem Morgen vorausgeht, an dem kein Tag und kein Abend ihm folgen.

Unvorstellbar, dass es ein Leben geben könnte, das keine Spuren mehr trägt, keine Narben, die erzählen könnten vom Schmerz, der sie hervorbrachte, keine Linien, die sich eingraben in die Haut und sie altern lassen.

Unvorstellbar, dass dort eine Schönheit sein könnte, schön wie hier auf der Erde – vielleicht noch schöner -, die doch bleiben darf.

Verweslich gesät. Auferstehen unverweslich.

Ein Versprechen, das aussteht.

Eine Hoffnung, nicht eingelöst. Noch nicht.

Segenswunsch: Leben, das bleibt

Ich wünsche dir,

dass jeder Morgen in dir Vertrauen weckt

und jeder Frühling in dir den Glauben stärkt

und jeder Anfang in dir die Hoffnung nährt

auf ein Leben, das bleibt.

Pfr.in Kirsten Thiele, Neapel