Gottesdienst am 5. Sonntag der Passionszeit – Judika – 29. März 2020

Begrüßung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

„Judika“ heißt der heutige Sonntag. Mit diesem Wort beginnt in der lateinischen Sprache der 43. Psalm: „Judica me Deus“ – „Schaffe mir Recht, Gott!“

Das Recht, das Gott schafft, entspricht allerdings nicht unbedingt den bei uns üblichen Vorstellungen von Recht. Das deutet sich im Spruch der Woche an:

“Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse,

sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.” (Matthäus 20,28)

Lassen wir uns mitnehmen von Ihm auf den Weg der Rechtfertigung, die wir nicht einfordern können, die uns aber geschenkt wird.

♪ Lied 139: Holz auf Jesu Schulter V 1-3
Psalm 43,1-4a

Gott, schaffe mir Recht und führe meine Sache wider das unheilige Volk*
und errette mich von den falschen und bösen Leuten!
Denn du bist der Gott meiner Stärke.*
Warum hast Du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen,*
wenn mein Feind mich drängt?
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten*
und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe um Altar Gottes,*
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn*
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit*
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Sündenbekenntnis

Judika heißt dieser Sonntag: Schaffe mir Recht, Gott.
Unrecht gibt es genug auf der Welt,
Unrecht, das wir leiden müssen,
Unrecht, das wir anderen tun.

Stille

Wir bringen unsere Verletzungen und Kränkungen vor Gott.
Wir bringen zu ihm auch das, womit wir andere verletzt und ihnen Unrecht getan haben und bitten:
Gott sei mir Sünder gnädig.
Der allmächtige Gott erbarme sich unser,
er vergebe uns unsere Sünde
und führe uns zum ewigen Leben.

Amen.

Kyrie eleison – Herr, erbarme dich.
Christe eleison – Christus, erbarme dich.
Kyrie eleison – Herr, erbarm dich über uns.

Gnadenzusage

Der allmächtige Gott hat sich unser erbarmt.
Sein Licht und seine Wahrheit sind aufgeleuchtet in Jesus Christus.
Er leitet uns.
Er lässt uns Gottes Willen erkennen und tun.
Er gibt uns Kraft, zu lieben und zu verzeihen.
Wer das glaubt und getauft ist, der wird selig werden.
Das verleihe Gott uns allen.

Gebet

Dein Weg zu uns, Gott, ist Jesu Weg –
ein Weg durch die Ungerechtigkeiten
und das Leiden dieser Welt hindurch.
Hilf uns, diesen Weg zu finden;
stärke uns, ihn zu gehen
im Heiligen Geist.

Amen.

Epistellesung: Hebräer 5, 7-9                   

Christus hat in den Tagen seines irdischen Lebens
Bitten und Flehen mit lautem Schreien
und mit Tränen vor den gebracht,
der ihn aus dem Tod erretten konnte;
und er ist erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt.
So hat er, obwohl er der Sohn war,
doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt.
Und da er vollendet war,
ist er für alle, die ihm gehorsam sind,
der Urheber der ewigen Seligkeit geworden.

♪ Lied 139: Holz auf Jesu Schulter V 4-6
Evangelium: Markus 10, 35-45

Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, gingen zu Jesus und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden. Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.

Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen

Predigt
♪ Lied 252: Ist Gott für mich, so trete V 1.4.5
Gebet

Lasst uns an dieser Stelle zunächst vor Gott bringen, was uns im Kopf und im Herzen bewegt:
z.B. die Sorgen, die wir uns um die Zukunft machen und um konkrete Personen,
die Dinge, die uns belasten, aber auch den Dank für das, was uns freut und tröstet.

Miteinander lasst uns beten um Schutz, Hilfe und Trost, Ermutigung und Heilung und geistliche Führung für

  • die vom Virus Infizierten
  • die Ärzte und Pflegekräfte in den überlasteten Krankenhäusern
  • die Angehörigen und Freunde von Verstorbenen die nicht einmal an der Beisetzung ihrer Lieben teilnehmen können
  • die Schwächsten in der Gesellschaft, Alte und Behinderte in Heimen und deren Pfleger, Obdachlose und Flüchtlinge, die gar kein zu Hause haben, wo sie bleiben können
  • alle Menschen, die in Angst leben, und die angesichts der Schutzmaßnahmen und der Pressemeldungen in der Isolation immer tiefer in ihrer Angst versinken
  • die Menschen in allen anderen Ländern, die mit dem Virus, aber auch mit Krieg, Gewalt, Hunger zu kämpfen haben

Lasst uns dann einen Moment in der Stille verharren, in dem wir uns bemühen auch innerlich zu schweigen und eher zu lauschen als zu denken.

Gütiger Gott, dein Sohn hat uns gedient und sein Leben für uns gegeben.

Durch ihn bitten wir dich:

Lass uns in deiner Kirche, in der ELKI, in den anderen Italienischen Kirchen, in den Kirchen in Europa, mit denen wir zusammenarbeiten in Slowenien, Ungarn, Österreich, Württemberg und Bayern und in allen anderen Kirchen auf Dein Wort hören und in geschwisterlicher Liebe füreinander dasein und für alle, die Hilfe brauchen.

Gib den Regierenden Deinen Geist um angesichts der Bedrohung durch den Virus die richtigen Maßnahmen zu treffen; lass sie aber auch die anderen Probleme auf unserer Erde nicht vergessen.

Hilf uns, die bestehenden Einschränkungen verantwortlich einzuhalten, stärke, tröste und erfreue uns durch Dein Evangelium.

Gütiger Gott, deine Macht ist die Macht der Liebe. Lass uns ihr vertrauen und deinem Sohn Jesus Christus folgen. Der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes lebt und regiert in Ewigkeit.

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

♪ Lied 133: Wir danken dir, Herr Jesu Christ
Segen

Der Herr segne uns und behüte uns;
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig;
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen.

Liturgie und Predigt: Dekan Heiner Bludau, Pfarrer in Turin

Foto: Cifer88 da Pixabay