Gottesdienst am Sonntag Lätare, 22. März 2020

Liebe Gemeinde, liebe Lesende,

in der Regel sind wir es gewohnt, zum Feiern eines Gottesdienstes unsere Wohnung zu verlassen und eine Kirche zu betreten. Dort treffen wir auf Gleichgesinnte (ein paar oder viele) und auf Menschen, die den Ort und den Gottesdienst vorbereitet haben (Küster, Musiker, Pastorinnen..) .

Das ist in diesen Wochen des Ausgehverbotes leider deutlich anders. Sie und auch die Mitarbeitenden müssen zu Hause bleiben. Wer trotzdem oder gerade deswegen nicht auf einen Gottesdienst verzichten möchte, hat im Grunde zwei Möglichkeiten.

Sie können den Fernsehgottesdienst im ZDF um 9.30 Uhr anschauen. Oder Sie können alleine oder mit ihrer Familie einen eigenen Gottesdienst in ihrer Wohnung feiern. Dafür habe ich ein paar Vorschläge zur Vorbereitung und einige Texte erstellt oder herausgesucht, die Sie verwenden können.

  • Suchen Sie sich einen Platz und richten Sie ihn her. Eine Vase mit Blumen oder einen Blumentopf. Zünden Sie eine Kerze an. Legen Sie eine aufgeschlagene Bibel dazu oder ein Gesangbuch.
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie nicht gestört werden in dieser Zeit. Stellen Sie das Handy ab.
  • Stellen Sie sich vor, dass viele andere an anderen Orten gerade genau das Gleiche tun.
  • Verwenden Sie die folgenden Texte oder eigene.
  • Und wenn Sie zu mehreren sind, singen Sie doch gemeinsam oder suchen sich vorher ein oder zwei Musikstücke, die Sie zwischen den Texten abspielen und anhören.

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Begrüßung

J.S. Bach, Fuge C Dur BWV 545

Wir sind versammelt im Namen Gottes, der uns erschaffen hat,

im Namen Jesu Christi, Grund unserer Freude,

und im Namen des Heiligen Geistes, der uns verbindet.

Unsere Hilfe steht im Namen Gottes,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Johannes 12,24

Mit dem Wochenspruch aus dem Johannesevangelium grüße ich Sie, um das Wort Gottes zu teilen und im Gebet beieinander zu bleiben.

„Freuet euch“ – so beginnt der Leitvers für diesen Sonntag, der ihm den Namen gegeben hat: Lätare! Ein Freudentag – mitten in der Passionszeit, ein Tag, um Lebenskraft zu sammeln, besonders in dieser schwierigen Zeit; ein Innehalten und Aufatmen auch auf dem harten Weg ‘hinauf nach Jerusalem’, auf dem wir in diesen Wochen Jesus begleiten, damit wir das Ziel nicht aus den Augen verlieren: Verherrlichung, Freude, Lebensfrucht.

Lied: Jesu, meine Freude, 270, 1-3
Psalm 84,6-8.12

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten

und von Herzen dir nachwandeln!

Wenn sie durchs dürre Tal ziehen,

wird es ihnen zum Quellgrund,

und Frühregen hüllt es in Segen.

Sie gehen von einer Kraft zur andern

und schauen den wahren Gott in Zion.

Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild;

der HERR gibt Gnade und Ehre.

Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.

Gebet

Wir danken dir für diesen Tag, Gott,

gemacht, um gemeinsam zu feiern mit dir.

Halt unseres Lebens bist du in Angst.

Du bist uns Zuversicht in Zweifel.

Du bist uns nahe in Traurigkeit.

Bist unsere Kraft in Schwachheit.

Erfülle uns mit der Freude,

die uns begegnet in Jesus Christus, unserem Bruder.

Ihm sei Ehre alle Zeit und in Ewigkeit.

Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison
Gnadenzusage (Phil. 4,4):

Freuet euch in dem Herrn allewege,

und abermals sage ich: Freuet euch!

Lied: Jesu, meine Freude, 270, 4-6
Epistellesung: 2 Kor 1, 3-7                   

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil; werden wir getröstet, so geschieht es euch zum Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden. Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil.

J.S. Bach, Largo BWV 529
Evangelium: Johannes 12,20-26

Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesus gerne sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen’s Jesus weiter. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

Lied: Christus, das Licht der Welt, 275

Predigt: Jesaja 66,10-14

Lied: Befiehl du deine Wege, 258,1.9-11
Fürbitte

Unser Gott,
barmherzige Mutter,
liebender Vater,
Dein Sohn Jesus
hat den Menschen Freude gebracht
und die Freude mit ihnen geteilt.
Auch sein Leiden und Sterben
hat er mit uns geteilt.
Freude und Leid Deiner Menschen
erreichen Dein Herz.
Darum bitten wir Dich:
Für alle Menschen,
die leiden,
an Hunger und Krieg,
unter anderen Menschen,
an Krankheit
und an der Angst davor,
wie es mit dem Coronavirus weitergeht.
Wir bitten dich für die,
die sich einsetzen
für die Kranken und Sterbenden,
für alle, die Unterstützung brauchen,
und auch für uns –
in medizinischen Einrichtungen,
bei Transport und Versorgung,
bei politischen Entscheidungen
und allen Hilfsmaßnahmen.
Wir bitten Dich:
Gib uns den Mut und die Kraft,
ebenfalls für andere da zu sein
und darauf zu vertrauen,
dass Du uns grade jetzt nahe bist
und wir geborgen sind bei Dir.
Und wir bitten Dich:
Lass uns auch in diesen Wochen
in unserem Leben
noch Raum finden für die Freude
und den Dank.
Erbarme Dich unser.
Gemeinsam mit allen Christinnen und Christen
rufen wir Dich an:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich;

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

Gott hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

J. S. Bach, Praeludium C Dur BWV 547

Liturgie und Predigt: Pfr.in Elisabeth Kruse, Genua und Sanremo.
Musik: Gerhard Löffler, Orgel, Hauptkirche St. Jacobi, Hamburg