Tango – mehr als nur ein Tanz - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Tango – mehr als nur ein Tanz

Themen-Gottesdienst zum Valentinstag in der evangelischen Kirche Meran

Tango in der Kirche? Ja. Warum nicht? Was passt besser zum Thema Liebe, als diese am Rio Plata zwischen 1880 und 1910 entstandene Tanzform, die als Sinnbild der Erotik und Leidenschaft gilt. Am Sonntag, 16. Februar diente dieser faszinierende Tanz als Rahmen eines Themen-Gottesdienstes zum Thema Liebe in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Meran. Pfarrer Martin Krautwurst ließ seine vom Valentinstag und vom Hohelied der Liebe aus dem Brief an die Korinther inspirierte Predigt musikalisch und visuell von drei Tangotanzpaaren begleiten.

In den Farben rot, blau und türkis tanzten drei Paare der Tanzschule „Rigon – Dance Academy“ aus Leifers zu Live-Tango 2Musik den Kirchengang zwischen den Sitzreihen entlang. Was Papst Pius X. noch als sündhaft und verboten galt, diente Krautwurst als Bild für das (Paar- und Familien)Leben: Gemeinsam und im selben Rhythmus durch  das Leben schreiten, mal langsam, mal schneller, mal im Stillstand und warum nicht auch tanzend, Abstand und Nähe, Partnerschaft, Liebe und Leidenschaft. In der jüdischen Kultur war/ ist Tanz ein wichtiges Element und so ist Krautwurst überzeugt, dass auch Jesus getanzt hat. „Gottes Liebe befreit uns für die Liebe und hält allem Stand, was gegen die Liebe spricht!“

Der Tango, so Krautwurst ist ruhig und laut, impulsiv, be-sinnlich und melancholisch, leidenschaftlich, aber er folgt Regeln, ist streng harmonisch. „Das (gemeinsame) Leben ist wie ein Tango, im gleichmäßigen Schritt, auch bei abrupten Wechseln, im Einklang mit dem nötigen Abstand und der richtigen Nähe.“

Die Liebe ist langmütig,
gütig ist die Liebe.
Sie ereifert sich nicht,
sie prahlt nicht,
sie bläht sich nicht auf,
Sie ist nicht schamlos,
sie sucht nicht das Ihre,
sie lässt sich nicht reizen,
sie rechnet das Böse nicht auf.
 Sie freut sich nicht über das Unrecht,
sie freut sich mit an der Wahrheit.
Alles trägt sie,
alles glaubt sie,
alles hofft sie,
allem hält sie stand.
… (Brief an die Korinther, 1,13)

Seit 2009 zählt der argentinische Tango zum Immateriellen Weltkulturerbe der Tango3Menschheit der UNESCO. Entstanden ist er in Armenvierteln, weshalb er zunächst als Ausdruck der Verkommenheit, Hoffnungslosigkeit und Zweideutigkeit, als wild und anstößig galt. Prinzipiell besteht der Tanz aus acht Schritten, die beliebig kombiniert werden können. Kennzeichen ist die stolze und gerade Haltung der Tänzer und die fast ruckartigen Bewegungen. Die traditionelle Geschlechterrolle im Tango, Mann führt, ist im modernen Queer Tango aufgehoben, der sogar im Managertraining zum Ausbau der Führungskompetenzen zum Einsatz kommt.

Doch zurück nach Meran und in die Kirche. Im Anschluss an den Gottesdienst lud Pfarrer Krautwurst Paare, sich Liebende, Familien und auch Single zum Segen ein, eine Einladung, die nach anfänglichem Zögern von fast allen Gottesdienstbesuchern angenommen wurde. Vor dem Kirchentor erwartete die Kirchenbesucher ein Umtrunk und Gelegenheit, sich auszutauschen, während die Kinder eingeladen waren, den umgebauten und fast fertiggestellten Kinderspielplatz zu erproben. Es erwarteten sie eine Arche Noah und Tiere aus Holz, sowie eine Schlangenschaukel und ein Apfelbaum zu den biblischen Geschichten der Sintflut und des Paradieses. Der Spielplatz ist unter anderem mit Mitteln aus dem 8xMille-Steuerfonds finanziert. „Auf diese Weise“, so Pfarrer Martin Krautwurst, „geben wir dem Staat und den Bürgern das zurück, was sie uns zugedacht haben.“

Der erste Auftritt in einer Kirche
Drei Tangopaare bringen Farbe, Rhythmus und Liebe in den Gottesdienst

Als die Anfrage von Meran in der Tanzschule Rigon einging, kam zunächst die Frage auf, Was hat Tango mit Kirche zu tun? In einer Kirche haben Cristina und Walter, Sara und Davide und Vivian und Daryl noch nie getanzt.

Tango in der Kirche. Passt das?

Das war die erste Frage, die wir uns gestellt haben. Nicht nur, weil die Verbindung von Gottesdienst und Tango uns nie in den Sinn gekommen wäre und uns gewagt erschien. Auch wegen des Platzes.

Ihr hattet nur einen engen Korridor…

Ja, und normalerweise treten wir in Sälen auf, wo wir viele Platz für die Tanz-Figuren haben.

Eine Herausforderung also, die Tanzschritte und -figuren anzupassen

Ja, eine Herausforderung und ein Zeichen, dass alles geht, wenn man es nur will. Und dass der Tango wie das Leben ist! Es war aufregend.

In der Mitte Eures Auftritts war die Predigt.

Wir waren überhaupt das erste Mal in einem evangelischen Gottesdienst. In den Worten der Predigt über Liebe und über den Tango haben wir uns wiedererkannt.

Wie lange tanzt ihr schon Tango?

Seit fünf – sechs Jahren. Wir proben fast täglich treten gemeinsam auf bei Veranstaltungen, aber auch in Altersheimen.

nd